William Blank im Interview

Musikfest 2021: Von Beethoven und Blütenblättern – Der schweizerische Komponist über seine Uraufführung beim Musikfest 2021.

»Manchmal entsteht etwas ganz Unvorhergesehenes, denn eine Komposition hat für mich immer auch eine noch unbekannte Dimension«, gibt der schweizerische Komponist William Blank zu. Beim Eröffnungskonzert des Musikfests 2021 steht die hochkarätig besetzte Uraufführung seines neuen Tripelkonzerts auf dem Programm.

Ihr Tripelkonzert haben Sie im vergangenen Jahr anlässlich des Beethoven-Jubiläums komponiert. Inwiefern beziehen Sie sich mit Ihrem Werk auf Beethovens berühmtes Tripelkonzert?

Das ist natürlich nicht leicht zu beantworten. Zwischen ihm und mir liegen mehr als zwei Jahrhunderte und die Musik hat sich seitdem so sehr geändert. Beethovens Sinn für Form und seine musikalische Sprache sind einzigartig. Sein Tripelkonzert ist ein eigentlich vollkommen eigenständiges Trio mit einer Orchesterbegleitung, die die Impulse der drei solistischen Stimmen vergrößert. Die Idee finde ich faszinierend und möchte daran anknüpfen. Allerdings spielt das Orchester bei mir eine tragende Rolle und bildet einen komplexen, klanglichen Hintergrund, von dem sich die solistischen Stimmen immer wieder neu abheben.

 

Beethoven komponierte sein Tripelkonzert für Geige, Cello und Klavier. Warum haben Sie statt des Klaviers eine Klarinette gewählt?

Einerseits finde ich, dass diese Besetzung im vergangenen Jahrhundert zu sehr in Vergessenheit geraten ist, und andererseits war es mir auch wichtig, mich nicht genau an dem zu versuchen, was Beethoven so genial gelungen ist. Geige und Cello waren für mich – auch auf Grund der engen Zusammenarbeit mit Jan Vogler – von Anfang an klar. Für das dritte Instrument habe ich dann nach einem möglichst breiten Klang gesucht, der sich gut in in diese Streicherbesetzung einfügt, und habe gemerkt, dass die Klarinette dafür ideal ist. Ganz auf das Klavier verzichten wollte ich trotzdem nicht – es spielt also eines im Orchester mit.

 

Ihr Konzert trägt den Titel »Alisma« – hat das eine Bedeutung, die man kennen sollte?

Das hat sogar eine ganz konkrete Bedeutung: »Alisma« ist eine zarte Wasserpflanze mit einem langen Stängel, die immer genau drei Blütenblätter hat – drei Solisten in einem Tripelkonzert. Daneben umfasst ihre Blüte sechs Stamen (Staubblätter in der Mitte). So habe ich die Struktur des Werkes in drei Teilen mit jeweils sechs Abschnitten angelegt – mit insgesamt 369 Takten. Letztlich finde ich die Kraft dieser Pflanze, die sich mit ihrem langen Stängel aus dem ruhigen Wasser erhebt, irgendwie einfach auch ein sehr schönes Bild für die Struktur eines Konzertes, in dem solistische Stimmen scheinbar über dem Orchester schweben, das umgekehrt ihr Nährboden ist.

Die Wasserpflanze »Alisma«
Die Wasserpflanze »Alisma« © Wikimedia Commons

Wenn Sie ein neues Stück zum ersten Mal von einem Orchester hören: Gibt es dann noch Überraschungen für Sie?  

Obwohl ich mir vieles vorher gut vorstellen kann, hat eine Komposition für mich immer auch eine unbekannte und noch offene Dimension. Das liegt wohl daran, dass ich mit jedem neuen Werk versuche, die Grenzen der Form und des Klangs noch ein bisschen weiter auszutesten. Der Effekt ist dann auch für mich teilweise noch nicht ganz absehbar. Manchmal entsteht etwas ganz Unvorhergesehenes und das übertrifft dann vielleicht sogar meine eigenen Erwartungen. Und klar, manchmal finde ich den Effekt auch noch nicht befriedigend. Dann überarbeite ich einzelne Stellen nochmal – bestenfalls vor der ersten Aufführung!

 

Sind Sie als Komponist bei den Proben für eine Uraufführung gerne dabei?

Aus meiner eigenen Erfahrung als Dirigent weiß ich, dass ich es selber nicht so gerne mag, wenn ein Komponist in der Probenarbeit zu präsent ist: Das stört oft den unmittelbaren und produktiven Kontakt zwischen Orchester und Dirigent. Wenn ich in der Rolle des Komponisten bin, versuche ich also umgekehrt, mich auch nicht zu sehr einzumischen – und wenn ich etwas sagen will, das dann halt in der Pause oder nach der Probe zu tun.

Insgesamt hoffe ich aber natürlich, dass die Musik für sich spricht und dass Worte eigentlich nicht mehr nötig sind, weil sie oft sowieso zu klein wirken, um Musik zu beschreiben oder gar zu erklären. 

 

Was wäre für Sie das schönste Kompliment eines Zuhörers nach dem Konzert?

Ihre Musik hat in mir etwas bewegt.

Interview: Julika von Werder (23.04.2021)

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