Seidenstraße

Tausche Weihrauch gegen Schießpulver

Die Seidenstraße: ein Austausch, der die Welt veränderte.

Raubüberfälle auf Kamel-Karawanen, Krieg um Seide und orientalische Gewürze, wilde Liebesgeschichten in weiter Wüste – um die Seidenstraße ranken sich die abenteuerlichsten Legenden. Ihr poetischer Name ist noch jung und steht dabei für ein uraltes Netzwerk: die ersten Handelsrouten zwischen Fernost und Mittelmeer, die einst über 6.500 Kilometer hinweg Morgen- und Abendland verbanden.

Schon 200 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung breitete sich das verschlungene Wegenetz aus, auf dem Händler von Italien und der Türkei über Syrien, Usbekistan und die Mongolei bis nach China reisten. Über abertausende Kilometer transportierten sie Kardamom, Kurkuma und Pfeffer, Tee, Bronzegefäße, Porzellan und Arzneien – zu Fuß und per Kamel durch Wüsten mit Temperaturunterschieden von bis zu 75 Grad, über die verschneiten, 4.000 Meter hohen Pässe des Pamir-Gebirges, vorbei an Räubern und Wegelagerern.

Die Bezeichnung »Seidenstraße« ist vergleichsweise modern. Seit dem 2. Jahrhundert vor Christus gibt es die Route, ihren Namen erhielt sie jedoch erst im 19. Jahrhundert von dem deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen.

Wer sich aufmachte, setzte sein Leben aufs Spiel – oder kehrte mit Smaragden, Rubinen und den ungeheuerlichsten Geschichten zurück. Als berühmtester Fernreisender gilt der Venezianer Marco Polo, der 1271 nach China aufbrach und 1295 nach Venedig zurückkehrte. Seine Berichte konnten die Zeitgenossen kaum glauben: Am Hof des mächtigen Mongolenherrschers Kublai Khan in Peking will er mit den höchsten Ämtern betreut worden sein, 10.000 Konkubinen am Hof gezählt haben und im Auftrag des Papstes das Christentum nach Fernost vermittelt haben. Wissenschaftler streiten sich bis heute, ob er überhaupt einen Fuß auf chinesischen Boden setzte.

Die Reisen Marco Polos: Aus einem zu Lebzeiten Polos erschienen Buch, 1324
Die Reisen Marco Polos: Aus einem zu Lebzeiten Polos erschienen Buch, 1324 © Wikimedia Commons

»Kein Mensch hat seit der Erschaffung Adams bis auf den heutigen Tag so viele und so gewaltige Dinge gesehen wie ich.«

Marco Polo

Seide: Teure Raupenspucke

Ein Handelsgut war unter den Kaufleuten derart begehrt, dass die Seidenstraße sogar nach ihm benannt ist: Seide, der kostbarste aller Stoffe, seinerzeit so wertvoll wie Gold und extrem aufwändig in der Herstellung. Für ein Seidenkleid benötigt man ungefähr 1.700 Kokons der Seidenraupe.

Kein Wunder, dass das Geheimnis der Seidenherstellung in China streng gehütet wurde. Wer es wagte, die kostbaren Raupen aus dem Land zu schmuggeln, dem soll sogar die Todesstrafe gedroht haben. Der Sage nach verriet am Ende ausgerechnet eine kaiserliche Prinzessin das Staatsgeheimnis. Doch dem Hype um den Stoff tat dies keinen Abbruch. Die Seide blieb nach wie vor die begehrteste Ware Ostasiens.

Vor etwa 5.000 Jahren wurden die Seidenspinner-Raupen domestiziert.

Kokon einer Seidenraupe Kokon einer Seidenraupe © Pixabay

Aus Drüsen am Kopf sondern sie ein Protein-Sekret ab, das sie zu meterlangen Fäden spinnen und sich damit umwickeln.

Kokons der Seidenraupe Kokons der Seidenraupe © Pixabay
Seidenfäden auf einem Markt in Laos Seidenfäden auf einem Markt in Laos © Adam Jones

Globalisierung im Schritttempo

Der wechselseitige Austausch auf den Handelsrouten ging jedoch weit über den Warenhandel hinaus: Auch Armeen, Religionen und Kulturtechniken wie Buchdruck, Papierherstellung, Post-Systeme und chemisches Knowhow, zum Beispiel die Destillation, Ideologien, Sprachen und ganze Völker wanderten entlang der mächtigen Arme der Seidenstraße – die früheste Form der Globalisierung.

Text: Anastasia Päßler, Stand: 08.04.2019

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