Hans Abrahamsen

Neu gehört: Hans Abrahamsen

5 Fragen an die Komponist:innen des Neue-Musik-Festivals »Elbphilharmonie Visions«.

Geht es um Komponist:innen klassischer Musik, denken viele an alte Meister wie Beethoven oder Mozart. Dass auch die Gegenwartsmusik »so reich und vielfältig wie die Menschheit selbst« (Alan Gilbert) sein kann, beweist das Festival »Elbphilharmonie Visions«. Dort steht ausschließlich die Musik zeitgenössischer Komponist:innen auf dem Programm. Das ist nicht nur musikalisch spannend, sondern bietet auch die großartige Chance, den Schöpfern Fragen zu ihren Werken und zum Komponieren selbst zu stellen. Wie funktioniert Komponieren überhaupt? Haben sie vorher schon eine konkrete Vorstellung von dem Werk oder entsteht es erst beim Schreiben? Was für eine Rolle spielt die Umgebung? Und was wünschen sie sich für ihre Musik?

Davon berichten die Komponist:innen des Festivals in Kurzinterviews. In dieser Ausgabe mit Hans Abrahamsen, dem vermutlich meistgeschätzten zeitgenössischen Komponisten Skandinaviens. Dessen Liederzyklus »Let Me Tell You«, der im Rahmen des Festivals in der Elbphilharmonie aufgeführt wird, bezeichnete der Guardian als »das beste Werk klassischer Musik, das im 21. Jahrhundert bis dato entstanden ist«.

Wie klingt Hans Abrahamsen?

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Hans Abrahamsen
Hans Abrahamsen Hans Abrahamsen © Lars Skaaning

Ist Ihre innerliche Vorstellung von einem Werk schon ausgeprägt, ehe Sie sich daran machen, es zu komponieren?

Ja und nein. Dem Komponieren geht auf jeden Fall immer ein sehr ausgeprägtes Gespür für eine Stimmung und Atmosphäre voraus, aber die konkrete Form entsteht dann oft erst im Prozess. Ich riskiere immer auch Neues und probiere verschiedene Wege aus. Und wenn ich dann plötzlich das Gefühl habe, die Musik gewissermaßen »wiederzuerkennen«, dann weiß ich, dass es richtig ist. Beim Komponieren passiert ganz vieles unbewusst. Dem muss man vertrauen.

Welche Rolle spielt das Außermusikalische für Ihr Schaffen?

Ich denke, alle Komponist:innen sind von der Welt beeinflusst, die sie umgibt – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Ich würde sagen, wir gehen gewissermaßen damit in Resonanz, wenn wir komponieren.

Beim Festival »Elbphilharmonie Visions« wird zeitgenössische Orchestermusik so kompakt und prominent aufs Programm gesetzt wie wohl in keinem anderen Konzerthaus auf der Welt – an neun Abenden erklingen 18 Werke von 18 Komponist:innen. Finden Sie das sinnvoll, oder halten Sie das für die falsche Strategie?

Ich finde das eine ganz tolle und wichtige Initiative. Dieses Festival ist wie eine Ausstellung der zeitgenössischen Musikszene. Das ist fantastisch. Menschen gehen ja auch in Galerien, um neue Bilder zu sehen. Das kann für Musik ebenso funktionieren. Trotzdem bleibt es daneben auch wichtig, Neue Musik ebenfalls in andere Konzertprogramme zu integrieren. So kann auch das Publikum damit in Berührung kommen, das sich vielleicht kein Konzert mit ausschließlich zeitgenössischen Werken ausgesucht hätte.

Was braucht die Neue Musik, um die Liebe des Publikums zu gewinnen? 

Das lässt sich nicht einfach so beantworten. Geschmäcker sind verschieden: Manche Leute mögen das eine, andere das andere. Ich denke, was Neue Musik braucht, um die Liebe des Publikums zu gewinnen, ist, dass sie einfach gehört werden muss. Sie muss die Chance haben, Menschen zu überraschen und zu berühren. Und wenn es um die Musik selbst geht, glaube ich: Musik sollte sowohl vom Herzen als auch vom Kopf kommen und kann sich auch an beides richten. Viele Menschen denken, Neue Musik sei zu verkopft, aber das stimmt so nicht.

Was wäre Ihr Traum vom Konzertleben – heute und in der nahen Zukunft? 

Ich hoffe einfach nur, dass es weitergeht. Musik ist eine so fantastische Sache. Sie ist eine ganz besondere Sprache und es gibt noch so viel Neues zu entdecken, so viele neue Sprachen zu sprechen. Mein Traum ist, dass alle Menschen immer die Chancen haben, Musik zu erleben.

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