Hans Abrahamsen

Heard anew: Hans Abrahamsen

5 questions for the composers featured in the »Elbphilharmonie Visions« New Music festival.

When it comes to classical composers, most people think of old masters such as Beethoven and Mozart. But the »Elbphilharmonie Visions« festival demonstrates that contemporary music can also be »just as rich and diverse as humanity itself« (Alan Gilbert). The festival’s programme features only music by contemporary composers. Not only is that musically very exciting, it also offers an amazing opportunity to ask the composers questions about their works and the process of creating them. How do you go about composing? Do you have a concrete idea of the work before you sit down to write it, or does it emerge only when you start? What role do your surroundings play? And what are your hopes for your music?

How does Hans Abrahamsen sound?

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Hans Abrahamsen
Hans Abrahamsen Hans Abrahamsen © Lars Skaaning

Ist Ihre innerliche Vorstellung von einem Werk schon ausgeprägt, ehe Sie sich daran machen, es zu komponieren?

Ja und nein. Dem Komponieren geht auf jeden Fall immer ein sehr ausgeprägtes Gespür für eine Stimmung und Atmosphäre voraus, aber die konkrete Form entsteht dann oft erst im Prozess. Ich riskiere immer auch Neues und probiere verschiedene Wege aus. Und wenn ich dann plötzlich das Gefühl habe, die Musik gewissermaßen »wiederzuerkennen«, dann weiß ich, dass es richtig ist. Beim Komponieren passiert ganz vieles unbewusst. Dem muss man vertrauen.

Welche Rolle spielt das Außermusikalische für Ihr Schaffen?

Ich denke, alle Komponist:innen sind von der Welt beeinflusst, die sie umgibt – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Ich würde sagen, wir gehen gewissermaßen damit in Resonanz, wenn wir komponieren.

Beim Festival »Elbphilharmonie Visions« wird zeitgenössische Orchestermusik so kompakt und prominent aufs Programm gesetzt wie wohl in keinem anderen Konzerthaus auf der Welt – an neun Abenden erklingen 18 Werke von 18 Komponist:innen. Finden Sie das sinnvoll, oder halten Sie das für die falsche Strategie?

Ich finde das eine ganz tolle und wichtige Initiative. Dieses Festival ist wie eine Ausstellung der zeitgenössischen Musikszene. Das ist fantastisch. Menschen gehen ja auch in Galerien, um neue Bilder zu sehen. Das kann für Musik ebenso funktionieren. Trotzdem bleibt es daneben auch wichtig, Neue Musik ebenfalls in andere Konzertprogramme zu integrieren. So kann auch das Publikum damit in Berührung kommen, das sich vielleicht kein Konzert mit ausschließlich zeitgenössischen Werken ausgesucht hätte.

Was braucht die Neue Musik, um die Liebe des Publikums zu gewinnen? 

Das lässt sich nicht einfach so beantworten. Geschmäcker sind verschieden: Manche Leute mögen das eine, andere das andere. Ich denke, was Neue Musik braucht, um die Liebe des Publikums zu gewinnen, ist, dass sie einfach gehört werden muss. Sie muss die Chance haben, Menschen zu überraschen und zu berühren. Und wenn es um die Musik selbst geht, glaube ich: Musik sollte sowohl vom Herzen als auch vom Kopf kommen und kann sich auch an beides richten. Viele Menschen denken, Neue Musik sei zu verkopft, aber das stimmt so nicht.

Was wäre Ihr Traum vom Konzertleben – heute und in der nahen Zukunft? 

Ich hoffe einfach nur, dass es weitergeht. Musik ist eine so fantastische Sache. Sie ist eine ganz besondere Sprache und es gibt noch so viel Neues zu entdecken, so viele neue Sprachen zu sprechen. Mein Traum ist, dass alle Menschen immer die Chancen haben, Musik zu erleben.

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