Quatuor Mona

360°-Video: Quatuor Mona spielt Puccini

Ein Musikvideo zum Umschauen und -hören: Das Quatuor Mona spielt Puccinis »Crisantemi« im Foyer der Elbphilharmonie.

Realistischer geht es kaum: Mit 360°-Videotechnik und 3D-Sound aus allen Richtungen lädt das Quatuor Mona zu einem intensiven räumlichen Musikerlebnis. Durch Bewegungen des Smartphones bzw. der Computermaus können sich Zuschauer im ganzen Raum umsehen. Der Klang folgt der Blickrichtung – als sei man mitten im Geschehen.

Tipp: Für ein besonders eindrucksvolles 3D-Erlebnis empfiehlt es sich, das Video am Smartphone und mit Kopfhörern anzusehen.

Wie funktioniert’s? :Die technischen Finessen hinter 360° und 3D

3D-Audio

Musikeinspielungen liegen heute in aller Regel als Stereo-Aufnahmen vor. Die in den 1930er Jahren entstandene Technik teilt den Ton auf zwei Schallquellen auf (Kopfhörer oder die Boxen einer Stereoanlage etwa). Viel weiter geht die 3D-Audiotechnik, die schon in den Sechziger und Siebziger Jahren aufkam. Man sprach damals von der »Kunstkopf«- oder »Ambisonics«-Aufnahmetechnik. Da Musik jedoch überwiegend mittels Lautsprechern konsumiert wurde – oft nur einem einzigen, z.B. im Küchenradio –, setzte sich das System nicht durch.

»Der 3D-Sound imitiert den realen Klangeindruck, den man hätte, würde man sich im Raum befinden. Dreht man sich im Kreis, folgt der Ton der Blickrichtung.«

Philipp Seliger, Aufnahmeleiter

 

Spätestens seit der Erfindung des Smartphones und der Verbreitung mobiler Kopfhörer und Abspielgeräte erlebt die heute als »3D-Audio« bezeichnete Technik ihren Durchbruch. Für die Aufnahme mit dem Quatuor Mona hat das Team um Seliger die Signale der vier Instrumente separat eingefangen. Eine Software erledigt den Rest und verteilt die Instrumente künstlich im Raum. Die Regie von Bild und Ton allerdings liegt in den Händen des Benutzers: Jeder entscheidet selbst, was er wann sehen und hören möchte.

Quatuor Mona Quatuor Mona © Daniel Dittus
Quatuor Mona Quatuor Mona © Daniel Dittus
Quatuor Mona Quatuor Mona © Daniel Dittus
Quatuor Mona Quatuor Mona © Daniel Dittus

360°-Video

Der räumliche Eindruck entsteht auf der Bild-Ebene mithilfe einer 360°-Kamera. Sechs eingebaute Objektive decken den gesamten Raum ab.

»Diese sechs zusammengeschalteten Kameras haben alle eine sehr hohe Auflösung von 8k, 16-mal so scharf wie ein Full-HD-Fernseher. Ihre Aufnahmen werden beim sogenannten ›Stitching‹ (engl. nähen) per Software zusammengeführt, sodass keine Übergänge mehr zu erkennen sind. In diesem Zuge wurde auch das Stativ der Kamera aus dem Bild entfernt.«

Philipp Seliger, Aufnahmeleiter

Giacomo Puccini, 1908
Giacomo Puccini, 1908 © Library of Congress

Die Künstler :Quatuor Mona

Verena Chen Violine
Charlotte Chahuneau Violine
Arianna Smith Viola
Elia Cohen Weisser Violoncello

Das Quatuor Mona um die Hamburger Primaria Verena Chen gründete sich 2018 am Pariser Konservatorium. Noch während des Studiums eroberten die vier Musikerinnen die Bühnen der französischen Hauptstadt und waren mit zahlreichen namhaften Künstlern zu erleben, darunter der Flötist Emmanuel Pahud, das Klarinettist Paul Meyer und die Pianistin Marie-Josèphe Jude. Das Quatuor Mona ist Stipendiat der Stiftung Villa Musica und erhält seinen Feinschliff zudem von Günther Pichler, dem langjährigen Primarius des legendären Alban Berg Quartetts.

Die Musik :Giacomo Puccini: Crisantemi

La Bohème, Tosca, Madama Butterfly: Der Komponist Giacomo Puccini hat sich mit seinen Opern unsterblich gemacht. Dass der Italiener auch außergewöhnlich schöne Kammermusik komponierte, ist jedoch kaum bekannt. Sein erstes Streichquartett schrieb Puccini während der Studienzeit, zu Beginn der 1880er Jahre – zu Übungszwecken. 1890 folgte neben zwei Menuetten auch »Crisantemi« für Streichquartett. Das düster-schwelgende Stück entstand angeblich auf den Tod eines Gönners, des Herzogs Amedeo di Savoia. Die titelgebende Chrysantheme gilt in Frankreich und Italien wegen ihrer späten Blüte als Grabblume. Puccinis dreiteiliges Stück leistet dieser Todessymbolik ausdrucksstark Folge. Neben reichlich schmerzvoller Chromatik schlägt es immer wieder aber auch hoffnungsvollere Töne an.

Für die Sterbeszene seiner Oper »Manon Lescaut« griff Puccini 1892 auf diesen Satz zurück und arbeitete Teile daraus in das instrumentale Intermezzo im vierten Akt ein – das Herzstück einer der langgezogensten und bewegendsten Sterbeszenen des Musiktheaters.

 

Dieses Projekt wurde gefördert durch Classical Futures Europe.

Stand: 14.1.2022

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