»Lieder, die mich packen«

Der Bariton Matthias Goerne singt eine Auswahl von Brahms-Liedern in der Elbphilharmonie.

»Es sind alles Stücke, die ich bis jetzt noch nie aufgeführt habe, nirgendwo.«

Matthias Goerne

»Brahms und Hamburg – das macht irgendwie Sinn«, erklärt Matthias Goerne. Der erfolgreiche Bariton hat mit seinem langjährigen Klavierpartner Alexander Schmalcz fünf Lieder des Hamburger Komponisten in der Elbphilharmonie aufgenommen. Über seine Auswahl erklärt er, dass ihn besonders die melancholischen Lieder von Brahms berühren, »die verbunden sind mit einer dunklen Stimmung«.

Der gebürtige Weimarer gehört zu den vielseitigsten und weltweit gefragtesten Sängern seines Stimmfachs. Mit seinen sensiblen Lied-Interpretationen und seiner außergewöhnlich warmen und flexiblen Stimme zieht er überall sein Publikum in den Bann. »Eine Stimme, die süchtig macht«, heißt es in der Kritik. Mit seinen fünf Brahms-Liedern stellt der ehemalige Residenz-Künstler der Elbphilharmonie das wieder einmal unter Beweis.

 

Die Videos werden einzeln veröffentlicht – wöchentlich ab dem 23.12.2020.

© Wikimedia Commons

Johannes Brahms (1833-1897)

»Für mich sind das alles Premieren.« :Interview mit Matthias Goerne

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Brahms: Sonntag op. 47/3

Die dunkle Stimmung bei Brahms – nicht immer heißt das tiefe Verzweiflung. Denn genauso tragisch kann es sein, wenn ein hingebungsvoll verliebter junger Mann die unbekannte Angebetete nur aus der Ferne beobachten kann. »Wollte Gott, wollte Gott, ich wär’ heute bei ihr!« sehnt er sich in Brahms Lied »Sonntag«.

Matthias Goerne singt »Sonntag« von Johannes Brahms

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© Philipp Seliger
  • Liedtext:

    Sonntag

    Johann Ludwig Uhland

    So hab’ ich doch die ganze Woche
    Mein feines Liebchen nicht geseh’n,
    Ich sah es an einem Sonntag
    Wohl vor der Türe steh’n:
    Das tausendschöne Jungfräulein,
    Das tausendschöne Herzelein,
    Wollte Gott, wollte Gott, ich wär’ heute bei ihr!

    So will mir doch die ganze Woche
    Das Lachen nicht vergeh’n,
    Ich sah es an einem Sonntag
    Wohl in die Kirche geh’n:
    Das tausendschöne Jungfräulein,
    Das tausendschöne Herzelein,
    Wollte Gott, wollte Gott, ich wär’ heute bei ihr!

Brahms: Der Gang zum Liebchen op. 48/1

Die innere Unruhe des gehetzten Liebenden in Brahms’Lied »Der Gang zum Liebchen« lässt Goernes flexible Stimme den Zuhörer unmittelbar mitfühlen. Ob der so getriebene Wanderer wirklich unterwegs zu seinem Liebchen ist oder ob er seine letzte Chance schon verpasste, bleibt offen.

Matthias Goerne singt »Der Gang zum Liebchen« von Johannes Brahms

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© Philipp Seliger
  • Liedtext:

    Der Gang zum Liebchen

    Josef Wenzig

    Es glänzt der Mond nieder,
    Ich sollte doch wieder
    Zu meinem Liebchen,
    Wie mag es ihr gehn?

    Ach weh, sie verzaget
    Und klaget, und klaget,
    Daß sie mich nimmer
    Im Leben wird sehn!

    Es ging der Mond unter,
    Ich eilte doch munter,
    Und eilte daß keiner
    Mein Liebchen entführt.

    Ihr Täubchen, o girret,
    Ihr Lüftchen, o schwirret,
    Daß keiner mein Liebchen,
    Mein Liebchen entführt!

Brahms: Serenade op. 70/3

»Warum einsam und stumm zärtliche Seelen immer sich quälen« – so die schmerzvolle Frage in Brahms’ »Serenade«. Sie erklingt in einer scheinbar erschöpften, ruhigen Melodie, begleitet von einer verspielt eleganten Klavierbegleitung.

Matthias Goerne singt »Serenade« von Johannes Brahms

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© Philipp Seliger
  • Liedtext:

    Serenade

    Johann Wolfgang von Goethe

    Liebliches Kind,
    Kannst du mir sagen,
    Sagen warum
    Einsam und stumm
    Zärtliche Seelen
    Immer sich quälen,
    Selbst sich betrüben
    Und ihr Vergnügen
    Immer nur ahnen
    Da, wo sie nicht sind;
    Kannst du mir’s sagen,
    Liebliches Kind?

Brahms: An den Mond op. 71/2

Der Mond – ein zentrales Motiv in vielen Gedichten der Romantik: Er erhellt die Nacht und ist doch selber eigentlich dunkel. In Brahms’ ausdrucksstarkem Lied »An den Mond« wird der Himmelskörper zum Verbündeten eines unglücklich Liebenden.

Matthias Goerne singt »An den Mond« von Johannes Brahms

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© Philipp Seliger
  • Liedtext:

    An den Mond

    Karl Joseph Simrock

    Silbermond mit bleichen Strahlen
    pflegst du Wald und Feld zu malen,
    gibst den Bergen, gibst den Talen
    der Empfindung Seufzer ein.

    Sei Vertrauter meiner Schmerzen,
    Segler in der Lüfte See:
    Sag' ihr, die ich trag' im Herzen,
    wie mich tötet Liebesweh.

    Sag' ihr, über tausend Meilen
    sehne sich mein Herz nach ihr.
    "Keine Ferne kann es heilen,
    nur ein holder Blick von dir."

    Sag' ihr, daß zu Tod getroffen
    diese Hülle bald zerfällt;
    nur ein schmeichlerisches Hoffen
    sei's, das sie zusammenhält.

Brahms: Sommerfäden op. 72/2 :verfügbar ab dem 20.01.2021

»Fetzen goldener Liebesträume«, die sich als Illusionen entpuppen – voller Bitterkeit wird das menschliche Fühlen in Brahms »Sommerfäden« als »Hirngespinst« bezeichnet. Um diese Resignation auszudrücken, zieht Goerne die tiefen Register seiner Stimme und zeigt, wie intensiv »leise« klingen kann.

Matthias Goerne singt »Sommerfäden« von Johannes Brahms

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© Philipp Seliger
  • Liedtext:

    Sommerfäden

    Karl August Candidus

    Sommerfäden hin und wieder
    Fliegen von den Himmeln nieder;
    Sind den Menschen Hirngespinnste,
    Fetzen goldner Liebesträume.

    An die Stauden, an die Bäume
    Haben sie sich dort verfangen;
    Hochselbsteigene Gewinnste
    Sehen wir darunter hangen.

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