Juri Andruchowytsch

Elbphilharmonie Talk mit Juri Andruchowytsch

»Ein Roman, der klingt«: Der ukrainische Schriftsteller über sein Buch »Radio Nacht« und die Musik der 60er und 70er Jahre.

Muss sich jemand, der so markerschütternd plastisch über das Leiden Tinnitus schreiben kann, nicht selbst damit herumplagen, wenigstens gelegentlich? Nein, er sei gänzlich frei davon, sagt der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch, der in seinem neuen, grandiosen Roman »Radio Nacht« neben vielem ganz anderen auch die Pein des Ohrensausens mit ungeheurer Sprachmacht und Detailgenauigkeit schildert. Ähnliche Vorsicht im Hinblick auf (auto)biografische Zuschreibungen scheint also auch bei vielem anderen geboten, das Andruchowytsch in diesem verschachtelt gebauten und ganz schön deftig erzählten Meisterwerk so erfindet.

Im »Elbphilharmonie Talk« spricht Andruchowytsch über einige Motive und Figuren aus »Radio Nacht« gesprochen, was ihn auf die Idee zu diesem Buch brachte und auch über seine fabelhafte deutsche Übersetzerin Sabine Stöhr (»Wenn ich genial bin, dann ist sie kongenial«, sagt er über sie). Wie konnte Juri Andruchowytsch, Jahrgang 1960 und aufgewachsen in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine, die Musik all der Bands aus den 60er und 70er Jahren kennenlernen, also die Musik des Klassenfeinds von damals, die in diesem Buch neben neuerer Musik eine wichtige, formgebende Rolle spielt? Ist ihm mit dem neuen Roman gelungen, was er sich vorgenommen hat? (»Ich habe immer davon geträumt, einen Roman zu schreiben, der klingt.« So steht es im Klappentext zu »Radio Nacht«.)

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Wie wichtig ist ihm Musik heute? Immer noch sehr. Aber Andruchowytsch erklärt auch, wann und warum er aufgehört hat, beim Schreiben Musik zu hören. Es ist noch nicht lange her. Und er skizziert, was für eine Art musikalischer Lese-Performance die Besucher seines Auftritts am 11. September erwartet, wenn er mit der polnischen Band Karbido im Kleinen Saal der Elbphilharmonie beim Literaturfestival »Harbour Front Sounds« auftritt. Am 9. September eröffnet er das Festival gemeinsam mit Simone Buchholz.

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