Jason Moran

Elbphilharmonie Sessions: Jason Moran

Der Jazzpianist spielt drei Eigenkompositionen im Foyer des Großen Saals.

Der Künstler

»Der provokanteste Denker des aktuellen Jazz«, nennt das Magazin Rolling Stone den Pianisten Jason Moran. 1975 in Houston geboren und klassisch ausgebildet, hat Moran den modernen Jazz geprägt – mit seinen Improvisationen, seinen Kompositionen und seiner Spieltechnik. Nach vielen gefeierten Alben steht er heute in einer Reihe mit Jazzgrößen wie Herbie Hancock oder Thelonious Monk, seinem größten Vorbild. Für einen Pionier hält Moran sich trotzdem nicht: »Ich lade alte Dinge mit neuen Ideen auf«, beschreibt er sein künstlerisches Credo.

Jason Moran Jason Moran © Daniel Dittus
Jason Moran Jason Moran © Daniel Dittus
Jason Moran Jason Moran © Daniel Dittus
Jason Moran Jason Moran © Daniel Dittus
Jason Moran Jason Moran © Daniel Dittus
Jason Moran Jason Moran © Daniel Dittus

Die Musik :»Winds« / »How Much More Terrible Was The Night« / »For Love«

Wenn Jason Moran neue Musik schreibt, lässt er sich gerne auch von anderen Kunstformen inspirieren – von Malerei ebenso wie von Architektur oder Literatur. »Ich nähere mich der Musik aus so vielen Blickwinkeln wie möglich«, sagt er. Auch auf Gesellschaftsthemen geht er ein: Mit »Winds«, einer Komposition, die er für das Jazztopad Festival im polnischen Breslau (Wrocław) geschrieben hat, verweist er auf die Zeit, in der Jazz in Polen nur im Untergrund gespielt werden konnte. Der Wind steht dabei für das Medium, über das die Musik, unaufhaltbar, von Mensch zu Mensch weiterfliegt – auch im Verborgenen.

Das Stück »How Much More Terrible Was The Night« veröffentlichte Moran kurz nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington im Januar 2021. Es beschreibt für ihn den schlimmen Zustand, in dem sich die USA zu dieser Zeit befanden. Der Titel ist ein Zitat aus dem Roman »Solomons Lied« der 2019 verstorbenen afroamerikanischen Erfolgsautorin Toni Morrison. »Ihre Bücher haben mich während der Pandemie geerdet«, sagt Moran. »Ich musste nach der Wahrheit suchen – und fand sie in ihren Büchern.« Die Komposition erschien, ebenso wie das letzte Stück der Session »For Love«, auf dem Album »The Sound Will Tell You«.

Der Ort

»Musik spielt man nicht in einem Vakuum, man interagiert mit dem Raum, in dem man sich befindet«, sagt Jason Moran. In der Elbphilharmonie fühlt er sich auf jeden Fall wohl: »Es gibt kein anderes Gebäude wie dieses weltweit. Es fühlt sich sehr besonders an, hier zu spielen.« Speziell das Foyer des Großen Saals, in das der Steinway D-Flügel für die Session geschoben wurde, hat es Moran angetan: »So sehr, dass ich für mein eigenes Musikstudio zuhause einiges hiervon kopiert habe«, verrät er.

Foyer Großer Saal
Foyer Großer Saal © Daniel Dittus

Zur Reihe

Für die Elbphilharmonie Sessions nehmen Künstler exklusive Musikvideos in Elbphilharmonie und Laeiszhalle auf – manchmal auch abseits der Bühnen, an ungewöhnlichen Orten. So sehen die Konzerthäuser von innen aus. Und so klingen sie.

Text: Francois Kremer, Stand: 13.1.2022

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