Elbphilharmonie Offstage #03 – Musikalische Kreativität

In der dritten Folge des Elbphilharmonie Podcasts sprechen Pauline und Julian mit dem Musiker Felix Kubin.

Die Elbphilharmonie hat ihren eigenen Podcast! In »Elbphilharmonie Offstage« präsentieren die Elbphilharmonie-Mitarbeiter Pauline und Julian Themen abseits des künstlerischen Programms der Elbphilharmonie – eben »Off Stage«.

Folge 3: Musikalische Kreativität

Die erste Staffel des »Elbphilharmonie Offstage«-Podcasts dreht sich rund ums Thema Kreativität. Die aktuelle Folge widmet sich einem Aspekt, der aus Perspektive eines Konzerthauses besonders naheliegt: Was ist musikalische Kreativität? Wie hat sich seine Bedeutung mit der Zeit verändert? Und welches Umfeld braucht es, um musikalische Kreativität zu fördern?

Zu Gast ist der Musiker, Komponist und Hörspielmacher Felix Kubin. Seit 40 Jahren ist er ein Hansdampf in allen Gassen der Hamburger Musikszene und damit der perfekte Gesprächspartner für die dritte Folge von »Elbphilharmonie Offstage«.

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Was ist eigentlich kreativ?

Laut Definition besteht Kreativität in der Fähigkeit, »Neues zu Schaffen, was gleichzeitig von Nutzen ist«. In der heutigen Zeit ist Kreativität zugleich ein Schlüsselwort, mit der man sich im Wettbewerb voneinander absetzen kann. Kreativ ist immer gut – Kreative sind immer besser. Gleichzeitig wird das Wort genutzt, um eine gewisse Berufsgruppe abzugrenzen: In der Kreativbranche tummeln sich die smarten, künstlerischen Menschen – während abseits Kreativität keine Rolle spielt?

Mit diesen Klischees wollen wir aufräumen – denn der Stand der heutigen Forschung ist schon viel weiter. Jeder von uns ist kreativ und im Gegensatz zur Intelligenz gibt es auch keine Werkzeuge, um Kreativität wirklich zu messen. Egal ob Juristin, Erzieher, Köchin oder eben Musiker: der kreative Prozess gleicht sich überall.

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Musikalische Kreativität im Wandel

Die Auffassung von Kreativität hat sich über die Jahrhunderte natürlich auch im Bereich der Musik stark geändert. Vor der Renaissance galt Schaffenskraft als gottgegeben; Komponisten sahen ihre Einfälle als Geschenk des Höchsten. Erst durch die kopernikanische Wende – die Abkehr vom geozentrischen Weltbild im 16. und 17. Jahrhundert – änderte sich die Wahrnehmung: Dem Menschen wurde Kreativität auch unabhängig von himmlischen Eingebungen zugestanden. Dadurch ergab sich in manchen Fällen ein Personenkult, der plötzlich einzelne Schöpfer in einen gottgleichen Stand erhob.

Obwohl die heutige Quellenforschung die kreativen Prozesse von Genies wie Beethoven und Mozart ziemlich lückenlos offenlegen kann, wird die Musik dieser Meister immer noch verklärt. Gegen solche Stereotypen wehren sich zeitgenössische Musiker wie Felix Kubin immer noch – während sie gleichzeitg offen mit ihren kreativen Prozessen und Problemen umgehen.

Räume für Kreativität

Besonders wichtig für die Förderung von Kreativität sind dabei Räume, in denen man sich austauschen und inspiriert werden kann – das kann eine lebendige Konzert- und Clublandschaft sein oder ein Forum im Internet, in dem man gleichgesinnte Kreative findet.

Der Ersatz für das Internet war für unseren Gast Felix Kubin in seiner Kindheit das Radio und ganz besonders die Sendungen des legendären NDR-Moderators Klaus Wellershaus. Der präsentierte in den 70er- und 80er-Jahren Musik in den Nachmittagsstrecken, bei denen heutige Formatradios erzittern würden. Der Mix aus New Wave, Punk und Avantgarde prägte eine ganze Generation an jungen Musikern und liegt vermutlich als Kassetten-Mitschnitt noch auf etlichen Dachböden Norddeutschlands.

Felix Kubin (Nahaufnahme)
Felix Kubin © Daniel Dittus

Über Felix Kubin

Der Musiker Felix Kubin ist eine echte Hamburger Musiklegende. Bereits als Zwölfjähriger begann er in den frühen 80er-Jahren mit Synthesizern und Mehrspur-Rekordern zu experimentieren und war damit schon als Jugendlicher einer der Vorreiter der deutschen Elektronik-Avantgarde.

Als ewiger Klangforscher experimentierte er im Laufe seiner Karriere mit allen Arten von Synthesizern, Geräuschquellen, Dada-Lyrics und Ausflügen in die Neue Deutsche Welle. Neben seiner musikalischen Laufbahn zeichnet er sich vor allem durch seine besonderen interdisziplinären Arbeiten aus – er veranstaltet Lecture Performances, arbeitet an Theaterproduktionen und hat sich besonders als innovativer Hörspielmacher einen Namen gemacht.

Seit einiger Zeit komponiert er auch zeitgenössische Musik für verschiedene Besetzungen, u.a. für die NDR-Reihe »das neue werk« und für das Elbphilharmonie-Residenzensemble Ensemble Resonanz – zuletzt sogar ein Programm für die ganz Kleinen mit einer galaktischen Mission: das Kinderkonzert »Lunar Plexus«.

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