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Tausche Weihrauch gegen Schießpulver

Die Seidenstraße: ein Austausch, der die Welt veränderte.

Raubüberfälle auf Kamel-Karawanen, Krieg um Seide und orientalische Gewürze, wilde Liebesgeschichten in weiter Wüste – um die Seidenstraße ranken sich die abenteuerlichsten Legenden. Ihr poetischer Name ist noch jung und steht dabei für ein uraltes Netzwerk: die ersten Handelsrouten zwischen Fernost und Mittelmeer, die einst über 6.500 Kilometer hinweg Morgen- und Abendland verbanden.

Schon 200 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung breitete sich das verschlungene Wegenetz aus, auf dem Händler von Italien und die Türkei über Syrien, Usbekistan und die Mongolei bis nach China reisten. Über abertausende Kilometer transportierten sie Kardamom, Kurkuma und Pfeffer, Tee, Bronzegefäße, Porzellan und Arzneien – zu Fuß und per Kamel durch Wüsten mit Temperaturunterschieden von bis zu 75 Grad, über die verschneiten, 4.000 Meter hohen Pässe des Pamir-Gebirges, vorbei an Räubern und Wegelagerern.

Seidenstraße

Das Osterfestival vom 9. bis 14. April in der Elbphilharmonie: eine musikalische Entdeckungsreise von Venedig über Usbekistan bis China, von Kehlkopfgesang bis Peking-Oper.

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Die Handelsrouten der Seidenstraße
Die Handelsrouten der Seidenstraße

Kein Mensch hat seit der Erschaffung Adams bis auf den heutigen Tag so viele und so gewaltige Dinge gesehen wie ich.

Marco Polo

Wer sich aufmachte, setzte sein Leben aufs Spiel – oder kehrte mit Smaragden, Rubinen und den ungeheuerlichsten Geschichten zurück. Als berühmtester Fernreisender gilt der Venezianer Marco Polo, der 1271 nach China aufbrach und 1295 nach Venedig zurückkehrte. Seine Berichte konnten die Zeitgenossen kaum glauben: Am Hof des mächtigen Mongolenherrschers Kublai Khan in Peking will er mit den höchsten Ämtern betreut worden sein, 10.000 Konkubinen am Hof gezählt haben und im Auftrag des Papstes das Christentum nach Fernost vermittelt haben. Wissenschaftler streiten sich bis heute, ob er überhaupt einen Fuß auf chinesischen Boden setzte.

Marco Polo auf Reisen
Marco Polo auf Reisen © Wikimedia Commons

Seide: Teure Raupenspucke

Ein Handelsgut war unter den Kaufleuten derart begehrt, dass die Seidenstraße sogar nach ihm benannt ist: Seide, der kostbarste aller Stoffe, seinerzeit so wertvoll wie Gold und extrem aufwändig in der Herstellung. Für ein Seidenkleid benötigt man ungefähr 1.700 Kokons der Seidenraupe.

Kein Wunder, dass das Geheimnis der Seidenherstellung in China streng gehütet wurde. Wer es wagte, die kostbaren Raupen aus dem Land zu schmuggeln, dem soll sogar die Todesstrafe gedroht haben. Der Sage nach verriet am Ende ausgerechnet eine kaiserliche Prinzessin das Staatsgeheimnis. Doch dem Hype um den Stoff tat dies keinen Abbruch. Die Seide blieb nach wie vor die begehrteste Ware Ostasiens.

Vor etwa 5.000 Jahren wurden die Seidenspinner-Raupen domestiziert. Aus Drüsen am Kopf sondern sie ein Protein-Sekret ab, das sie zu meterlangen Fäden spinnen und sich damit umwickeln.

Kokon einer Seidenraupe
Kokons der Seidenraupe
Seidenfäden auf einem Markt in Laos

Globalisierung im Schritttempo

Der wechselseitige Austausch auf den Handelsrouten ging jedoch weit über den Warenhandel hinaus: Auch Armeen, Religionen und Kulturtechniken wie Buchdruck, Papierherstellung, Post-Systeme und chemisches Knowhow, zum Beispiel die Destillation, Ideologien, Sprachen und ganze Völker wanderten entlang der mächtigen Arme der Seidenstraße – die früheste Form der Globalisierung.

Die Bezeichnung »Seidenstraße« ist vergleichsweise modern. Seit dem 2. Jahrhundert vor Christus gibt es die Route, ihren Namen erhielt sie jedoch erst im 19. Jahrhundert von dem deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen.

Elbphilharmonie: Osterfestival Seidenstraße

Rund um die Ostertage 2020 durchweht der Duft der Seidenstraße auch die Elbphilharmonie. Zehn Konzerte und etliche Workshops präsentieren Musik aus den Ländern entlang der traditionellen Handelsroute und holen dafür zahlreiche Großmeister regionaler Stile nach Hamburg. Das Programm ist so vielfältig wie die Seidenstraße selbst: von Marco Polos Venedig über osmanische, persische und mongolische Musik bis hin zu einer spektakulären Peking-Oper – ausgerechnet über Wagners »Ring des Nibelungen«.
 

Text: Anastasia Päßler, Stand: 28.10.2019

Mogao-Grotten

Tan Dun

Highlight zur Festivaleröffnung: Oscar-Preisträger Tan Dun bringt sein gewaltiges Oratorium »Buddha Passion« in die Elbphilharmonie, das von den jahrtausendealten Höhlenmalereien entlang der Seidenstraße inspiriert ist.

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Auf den Spuren von Marco Polo

Seine Reiseberichte malt die griechische Gruppe En Chordais zusammen mit der großen Maria Farantouri und dem Ensemble Constantinople in mediterranen, nah- und fernöstlichen Klängen nach.

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Mamer

Mit Dombra und E-Bass

Der junge Virtuose Mamer gehört der kasachischen Minderheit in der chinesischen Provinz Xinjiang an. Im meditativen Sound seiner Langhalslaute spiegelt sich die Weite und Einsamkeit des Graslandes und die Einheit des Menschen mit der mächtigen Natur.

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Khusugtun

Mongolei

Pferdekopfgeige und kribbelnder Kehlkopfgesang: Die Musik der mongolischen Nomaden ist voll faszinierender Klänge. Die Gruppe Egschiglen verschmilzt sie mit klassischer Musik; das Sextett Khusugtun aus Ulan-Bator integriert sie in eingängige Jazz-Songs.

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Roza Amanova

Kirgisistan

Aus Kirgisistan kommt die charismatische Sängerin Roza Amanova, die mit ihrem Trio die Musik ihrer Heimat in die Gegenwart überträgt: Schamanenklänge, Hirtenmelodien und jahrhundertealte Epenlieder.

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Dorothee Oberlinger

Von Venedig bis China

Alle Farben der Seidenstraße: Blockflöten-Queen Dorothee Oberlinger und das türkisch-griechische Ensemble Sarband bringen Vivaldis Barockmusik, Balkan-Tänze, tatarische, anatolische und chinesische Lieder und Wüsten-Sounds der Popband Yello zusammen.

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Musiktheater in Peking

Walküren in Peking

Wagners mystisch-urwüchsiger »Ring des Nibelungen« als exotische Peking-Oper? Klingt absurd, wird aber spektakulär, wenn die China National Peking Opera Company und die gefeierte Regisseurin Anna Peschke chinesische und europäische Kultur verschmelzen.

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Ensemble Safar

Afghanistan

Afghanistan ist einer der spannendsten Kulturräume im Einzugsgebiet der Seidenstraße – aller politischen Turbulenzen zum Trotz. Das sechsköpfige Ensemble Safar widmet seinen Abend der Sufi-Musik und Stücken aus der Blütezeit afghanischer Musikkultur.

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Alireza Ghorbani

Persien

Liebeslieder persischer Dichter von delikater Intimität bis zur Ekstase präsentieren der große iranische Sänger Alireza Ghorbani und Lauten-Virtuose Majid Derakhshani.

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Gulzoda Khudoynazarova

Usbekistan & Turkmenistan

Zu den sagenhaftesten Schauplätzen der Seidenstraße gehören Usbekistan und Turkmenistan. Zum Abschluss des Festivals trifft der ornamentreiche usbekische Gesangszyklus Shashmaqam auf Sufi-Lyrik und die Lieder der Bakshi-Barden.

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Auf einen Blick: Alle Veranstaltungen des Festivals »Seidenstraße«

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