Elbphilharmonie doppelbelichtet

Umgehört: Wege nach oben

Eine Frage, sieben Antworten: »Was war Ihr bisher größter Karriereschritt?«

Text: Ivana Rajič, 5. August 2025

 

Im Elbphilharmonie Magazin-Format »Umgehört« wird es ganz schön persönlich: Sieben Künstler:innen – ob komponierend oder musizierend, Pop oder Klassik – stellen sich einer Frage und offenbaren ihr (Innen-)Leben. Es geht um ein Mit- und Nebeneinander von unterschiedlichen Perspektiven auf umfassende Themen, die im Grunde genommen auch nur aus einzelnen subjektiven Erfahrungen zusammengesetzt sind. 

Diesmal geht es um das Thema »Jugend« und um Top-Nachwuchskünstler:innen auf dem Weg nach ganz oben. Was war ihr bisher größter Erfolg und was ist der nächste Karriereschritt?

Sterling Elliott

Sterlin Elliott
Sterlin Elliott © Will Hawkins Photography

»Das Cello hat schon bei meiner Geburt auf mich gewartet«, erzählt Sterling Elliott schmunzelnd und doch ernst über den wohl wichtigsten Moment seines Musikerdaseins: »Mit meiner Mutter, meinem Bruder und meiner Schwester gab es bereits drei Geigen, und so war klar, dass ich Cellist wer-
den würde, um das Elliott Family String Quartet zu vervollständigen.« Schon gegen Ende seines Studiums an der New Yorker Juilliard School, konzertierte der Cellist mit großen Orchestern wie dem New York Philharmonic oder dem Boston Symphony Orchestra. 2023 ernannte ihn der in London ansässige Young Classical Artists Trust zum »Robey Artist« – ein zwei­jähriges Programm, in dessen Rahmen der YCAT sein Management in Groß­britannien übernimmt und Sterling Workshops für Schulkinder leitet. Ähnlich letztes Jahr in Hamburg, wo er nicht nur in der Nachwuchs-Reihe »Teatime Classics« auftrat, sondern auch bei einem Instrumenten-Workshop in der Elbphilharmonie ein Dutzend Kinderherzen eroberte.

NOVO Quartet

NOVO Quartet
NOVO Quartet © Rita Kuhlmann

»Als Ensemble im Rahmen des ECMAster-Programms in Wien, Paris und Oslo zu studieren«, war unsere bisher wichtigste Entscheidung«, sagen die Mitglieder des NOVO Quartets aus Dänemark. »Es hätte auch schiefgehen können, so eng zusammenzuleben und zu arbeiten, noch dazu in uns unbekannten Ländern.« Doch das Risiko hat sich ausgezahlt: Das Quartett wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Ersten Preis und vier Sonderpreisen beim 77. Concours de Genève. Dieses Jahr folgte die Ernennung zum BBC New Generation Artist – ein Förderprogramm, das schon zahlreiche internationale ­Kar­rieren beflügelt hat. »Das ist für uns ein unglaub­licher ­Ver­trauensbeweis und ein großer Mei­lenstein«, sagt das NOVO Quartet, das kürzlich sein Debütalbum mit Werken der dänischen Komponistin Mette Nielsen veröffentlichte. Dass die vier gern weniger bekanntes Repertoire ins Programm neh­men, zeigten sie im April auch in der Laeiszhalle: Neben einem der Beethovenschen »Rasumowsky«-Quartette spielten sie Musik der polnischen Komponistin Grażyna Bacewicz.

Julia Hamos

Julia Hamos
Julia Hamos © privat

Der wichtigste Moment in der Karriere der in New York City aufgewachsenen Pianistin Julia Hamos war der Entschluss, nach Europa zu ziehen – in die deutsche Kulturmetropole Berlin, wo sie ihr Studium an der Barenboim-Said Akademie bei András Schiff absolvierte. »Von da an boten sich mir mehr und mehr großartige Möglichkeiten«, erzählt sie. So trat sie im Berliner Pierre Boulez Saal auf, und auch in der Laeiszhalle war sie 2024 gemeinsam mit der Cellistin LiLa (s. u.) zu Gast. Doch es wa­ren vor allem ihre Kollegen und Dozenten an der Akademie, die sie inspirierten, zu wachsen und in der Kulturszene Fuß zu fassen: »Wir helfen uns gegenseitig, Auftrittsmöglichkeiten zu finden und ein Netzwerk aufzubauen.« Für die Zukunft nimmt sich die amerikanisch-ungarische Pianistin vor, ihr Repertoire weiterzuentwickeln – und ihre Programmgestaltung noch stärker an den eigenen Vorlieben auszu­richten: »Ich möchte das spielen, was ich liebe, an den Orten, die ich liebe – und auf die Art und Weise, die mir entspricht.«

Emanuel Blumin-Sint

Emanuel Blumin-Sint
Emanuel Blumin-Sint © Ina Grajetzki

»Für mich war es ein besonderes Erlebnis, den Fanny Mendelssohn Förderpreis zu erhalten«, erzählt der 20-jährige Fagottist Emanuel Blumin-Sint. Denn diese Auszeichnung ermöglichte ihm die Aufnahme seines ersten Solo-Albums, »Leading Bassoon«, das alle Facetten seines Instruments präsentiert. Viel zu selten stehe das Fagott als Solo-Instrument im Rampenlicht, findet er – und möchte genau das ändern. Einige Komponisten schrieben für ihn neue Stücke, etwa Valentin Silvestrov, der bekannteste zeitgenössische Komponist der Ukraine. »Darüber hinaus war ein ganz besonderer Moment mein Solodebüt in der Carnegie Hall im November 2024, sowie mein Solokonzert mit Orchester in der Berliner Philharmonie.« Im März 2026 folgt ein weiteres Debüt: ein Auftritt in der Laeiszhalle im Rahmen der Reihe »Teatime Classics«. Gemeinsam mit dem Akkordeonisten Pavel Efremov präsentiert Blumin-Sint, wie reizvoll diese ungewöhnliche Besetzung klingt, mit Barockmusik ebenso wie mit Werken des 20. Jahrhunderts.

LiLa

LiLa
LiLa © Ettore Causa

»Mein wichtigster Karriereschritt war weder ein großer Auftritt noch eine Zusammenarbeit mit den Großen der Szene, sondern meine Zeit an der Kronberg Academy, die ich mit 16 begann«, erzählt die 2002 in China geborene Cellistin LiLa. »Dort traf ich auf Menschen, die Musik nicht nur spielten, sondern lebten. In dieser Umgebung keimte meine künstlerische Identität: Musik ist für mich keine Tätigkeit, sondern eine Art, die Welt zu begreifen.« Kein Wunder also, dass sie sich für ihren Auftritt in der Laeiszhalle im vergangenen Jahr mit Julia Hamos zusammentat, die ebenfalls durch die Musikakademie Wahlverwandte fand (s.o.). »Ich bin dankbar, von talentierten Freunden um­geben zu sein, die mich herausfordern, neu zu denken, was Musik ausdrücken kann«, erklärt LiLa. »Ich möchte einfach weiter lernen, dranbleiben, wachsen – und bereit sein, wenn der Moment es verlangt.«

Mikhail Kambarov

MIkhail Kambarov
MIkhail Kambarov © Klara-Justine Heil

Mikhail Kambarov ist schon längst auf der Überholspur: Seit seinem Debüt mit gerade einmal acht Jahren kamen bedeutende Preise hinzu, ein begehrtes Stipendium der Deutschen Stiftung Musikleben und ein Studium bei Michail Lifits an der Musikhochschule in Weimar, wo einst der Klaviervirtuose Franz Liszt lebte und wirkte. Aber sein wichtigster Karrieremoment war, »als ich aufgehört habe, Erwartungen zu erfüllen, und angefangen habe, meiner eigenen musikalischen Stimme zu vertrauen«, offenbart er. »Es geht mir nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, echt zu sein.« Sein nächstes Ziel: »Grenzen überschreiten, neue Wege suchen, das Bekannte hin­­­­terfragen­ und Konzerte zu Erlebnissen machen, die im Herzen bleiben!« Ein Anspruch, den er auch an seinen bevor­stehenden Auftritt in der Laeiszhalle stellt, wo er im Dezem­ber Werke der romantischen Klaviervirtuosen Beethoven, Schumann und Chopin spielen wird.

Amelio Trio

Amelio Trio
Amelio Trio © Irène Zandel

»Der wichtigste Schritt in unserer Karriere als junges Ensemble war sicher der Gewinn des 2. Preises beim ARD-Musikwettbewerb 2023«, davon ist das Amelio Trio überzeugt. »Das hat uns wichtige Türen in die Klassikwelt geöffnet und uns bestätigt, dass wir als Gruppe am Ball bleiben sollten.« Noch zu Schulzeiten gründeten Johanna Schubert, Merle Geißler und Philipp Kirchner ihr Klaviertrio und musizieren nun, mit Mitte zwanzig, schon seit über einem Jahrzehnt zusammen. Anfang dieses Jahres sind sie zum ersten Mal in der Laeiszhalle aufgetreten; in der Spielzeit 2026/27 kommen sie auch in die Elbphilharmonie, im Rahmen ihrer Tournee als »Rising Stars« (s. S. 16): »Die führt uns in die größten und bedeutendsten Konzertsäle Europas!« Dieses Karriere-Sprungbrett ermöglicht ihnen vor allem eines: »regelmäßig Konzerte zu spielen, unsere eigenen Ideen zu verwirklichen und das tolle und vielseitige Repertoire für Klaviertrio mit unserem Publikum zu teilen.«

 

Dieser Artikel erscheint im Elbphilharmonie Magazin (Ausgabe 3/25).

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