Barcelona

Im Fokus: Catalunya

Ultramoderne Tradition: Katalonien ist die eigensinnigste Ecke der iberischen Halbinsel, und das gilt auch für seine Musik – im besten Sinne.

Text: Stefan Franzen, August 2025


Katalonien – man denkt an Barcelona und seine fantastischen Modernismus-Bauten, an Antoni Gaudís Sagrada Familia, Joan Mirós Gemälde und den Cellisten Pau Casals, an die wilde Costa Brava und die hügelig-herbe Landschaft der Vorpyrenäen, an die internationalen Siegeszüge des FC Barcelona, an skurrile Bräuche wie die Castells, Pyramiden aus menschlichen Körpern in der Gegend um Tarragona. Und man denkt natürlich auch an die jüngeren politischen Ereignisse, an die erneuten Bestrebungen zur Abspaltung dieser Region von Spanien.

  • Zum historischen Kontext

    Der Nordosten tickte schon immer ein wenig anders als der Rest der Iberischen Halbinsel. Für verschiedene Völker war er Durchzugsgebiet zwischen Britischen Inseln und Vorderem Orient. Auch ein maurischer Einfluss machte sich bemerkbar, wenngleich das Kalifat von Córdoba sich nicht auf die ganze Region ausdehnte. Ende des 10. Jahrhunderts lösten sich die nach Abzug der Araber entstandenen Grafschaften aus der westfränkischen Lehnsherrschaft, und das Prinzipat Katalonien stieg nach dem Zusammenschluss mit Aragonien zu einer wichtigen wirtschaftlichen Macht im Mittelmeerraum auf. Seit dem 15. Jahrhundert war Katalonien Spielball zwischen den Einflusssphären, wurde zunächst von Spanien mitregiert, musste seinen nördlich der Pyrenäen gelegenen Teil an Frankreich abtreten, schlug sich auf die Seite der Habsburger gegen die Bourbonen, wurde unter Napoleon Teil des französischen Kaiserreichs.

    Seiner kurz währenden provisorischen Autonomie in der Zweiten Republik ab 1931 wurde es schon acht Jahre später durch die Franco-Diktatur beraubt, nach einem erbitterten Bürgerkrieg, der hunderttausende Katalanen ins Exil zwang. Die eigenständige Sprache, in Varianten von der französischen Grenze über die Balearen bis nach Valencia verbreitet, wurde verboten. Erst nach dem Ende der faschistischen Herrschaft erlangte Katalonien 1979 teilweise Autonomie zurück.

    Seitdem gibt es immer wieder das Verlangen nach noch mehr Befugnissen innerhalb Spaniens. Heftig hochgekocht ist das Thema zuletzt 2017, als die Region fast täglich in den Schlagzeilen war. Neunzig Prozent der Bevölkerung unterstützten ein Referendum zur Abspaltung von Spanien. Und als Ministerpräsident Sanchez die »sündigen« Separatisten 2023 begnadigte, um eine Regierung bilden zu können, brodelte erneut ein Für und Wider in der spanischen Gesellschaft auf, denn man will das wirtschaftlich höchst erfolgreiche und wohlhabende Katalonien nun mal nicht ziehen lassen.

Fokus Catalunya :12.–16.11.2025

Mittelmeer-Sonne gegen den grauen November! Für ein Wochenende stehen die Vielfalt des katalanischen Musiklebens im Fokus, vom Mittelalter über Sinfonieorchester und Chor bis zu Volkstänzen, Elektro und Gesangsstar Sílvia Pérez Cruz

Musik wie ein Mosaik

Das Streben nach Unabhängigkeit hat auch in der Musik seine Spuren hinterlassen. Etwa in der heimlichen Hymne Kataloniens, »L’Estaca«, geschrieben 1968 vom Liedermacher Lluís Llach: »Siehst du nicht den Pfahl, an den wir alle gefesselt sind? Wenn wir alle ziehen, bringen wir ihn zu Fall, und wir können uns befreien.« Dieser Song ging in vielen Sprachen um die Welt, wurde zum musikalischen Sinnbild der Freiheitsbewegungen von Polen bis Lateinamerika. Auch ein Liedermacher wie Chicho Sánchez Ferlosio ließ 1964 in seinem Lied »Gallo Rojo, Gallo Negro« noch einmal den Kampf der Republikaner gegen die Putschisten während der Dreißigerjahre in einer dramatischen Ballade Revue passieren.

Heute allerdings geht es in der unverwechselbaren Musikkultur des widerspenstigen Kataloniens zwar weiterhin um Eigensinn, weniger aber um Separatismus. Vielmehr um Verbindendes, um einen speziellen Kitt, der die Vernetzung in den Süden, nach Valencia, hinaus auf die Balearen und auch über die Pyrenäen bis nach Frankreich ermöglicht; der die ganze Region zu einer Kulturnation zusammenschweißt, ihr ein starkes internationales Gewicht mit eigenem Profil gegenüber den anderen spanischen Regionen ermöglicht; und der dafür sorgt, dass die katalanische Musik sich wie zu einem glitzernden trencadís fügt, zu einem bunten Mosaik aus Porzellanscherben, wie man es in den Arbeiten des Architekten Antoni Gaudí oft sehen kann.

»Auftakt«: Die Audio-Einführung :Fokus Catalunya

Tanz in der Kirche

Bereits ein sehr frühes, faszinierendes Kapitel der europäischen Musikgeschichte hatte seinen Schauplatz in Kata­lonien. Zwischen der Metropole Barcelona und dem Städtchen Manresa liegt auf einem Felsen das Benediktinerkloster Montserrat, Zentrum der Marienverehrung seit dem Mittelalter. Damals war es gang und gäbe, dass die Pilger in der Kirche übernachteten; ihre mitgebrachten Lieder auf Lateinisch, Katalanisch und Okzitanisch integrierte man in die Liturgie. Und auch damals schon katalanischer Eigensinn: Diese religiösen Lieder wurden teils sogar getanzt. Erstmals gesammelt wurde das Repertoire in einem Manuskript, das von ungefähr 1400 datiert. Jahrhunderte später bekam das Buch einen roten Einband, daher sein heutiger Name »Llibre Vermell«.

Viele Interpreten unserer Zeit beschäftigten sich mit diesem herausragenden frühen Zeugnis europäischer Musik. Als führender Musikforscher Kataloniens hat dies auch Jordi Savall mit seinen Chor- und Instrumentalensembles La Capella Reial de Catalunya und Hespèrion XXI getan. Seit den Siebzigerjahren verschreibt sich der Gambist insbesondere der Alten Musik und ihren Verbindungen zu den Klängen anderer Kontinente. Seine Version des »Llibre Vermell« setzte bereits vor 45 Jahren Maßstäbe.

Jordi Savall: Llibre Vermell

Tanz im Kreis

Ebenfalls Wurzeln bis hinab ins Mittelalter besitzt der typische Klang Kataloniens, der Klang der Cobla-Kapellen mit ihren schneidend und kraftvoll tönenden Schalmeien. Deren Vorläuferinstrumente waren zunächst bei den Spielleuten der Städte und im kirchlichen Kontext beheimatet. Dann kamen sie bei der einfachen Landbevölkerung in Gebrauch, denn sie waren laut und einfach zu spielen, also ideal für den Einsatz bei Dorffesten. Aus diesen frühen Schalmeien entwickelten sich schließlich bis Mitte des 19. Jahrhunderts die heute typischen Instrumente: die Tenora und ihre höher klingende Verwandte, die Tibla. Schließlich kehrten sie ins städtische Umfeld zurück, beschrieben historisch also eine Art Zickzack-Bewegung, vereinigten sich mit moderneren Blechbläsern. Das war der Zeitpunkt, zu dem Komponisten anfingen, für diese Ensembles zu schreiben, die man nun in ihrer institutionalisierten Form Cobla nannte.

Die Stücke dieser reichen, komponierten Literatur nennen sich Sardanas. Es gibt sie auch in getanzter Form, als kreisrunden Reigen, meist im Freien ausgeführt – als regionales Kultursymbol waren sie unter Franco verboten. Die kunstvolle Konzertvariante zeigt sich einzigartig instrumentiert und mal witzig, mal romantisch oder gar melancholisch. Zu den Schalmeien treten in den Coblas der heutigen, meist elfköpfigen Besetzung hinzu: die Einhandflöte Flabiol (mit der anderen Hand schlägt der Spieler eine kleine Trommel), Trompeten, Ventilposaunen und das Fiscorn, eine Art Mini-Tuba, sowie zur basalen Stütze ein Kontrabass. Die Sardanas haben es bereits in den Siebzigern in die Rockmusik Kataloniens geschafft, als die Companyia Elèctrica Dharma für ihren Hit »Bal Llunatic« mit einer Cobla-Kapelle auf die Bühne ging.

Klassisch Katalanisch

Überhaupt ist die Cobla-Literatur keineswegs eine verstaubte Musik. Es gibt wenige europäische Regionen, in der gerade der musikalische Nachwuchs ein so großes Interesse an den Wurzeln zeigt. Sardanas und überhaupt alle möglichen Arten der Tradition zu studieren, gilt in Katalonien mittlerweile als ultramodern. Mit dem Centre Artesà Tradicionàrius (CAT) gibt es in Barcelona eine eigene Lehr-Institution für traditionelle Musik. Und das Orquestra de Músiques d’Arrel de Catalunya, dessen 20- bis 30-jährige Mitglieder aus allen Català sprechenden Gegenden stammen, kombiniert die Musik der Coblas mit Jazz, moderner Klassik und zeitgenössischer Poesie.

Zu den herausragenden Sardana-Ensembles zählt seit vierzig Jahren die Cobla Sant Jordi aus Barcelona, die sich im Laufe ihrer Geschichte ebenfalls dem Jazz, der Klassik und dem Flamenco geöffnet hat.

Ihr Programm stellt Sardanas mit einer verblüffenden Spannbreite und aus mehr als hundert Jahren vor, darunter auch eine, die der Cellist Pau Casals im französischen Exil schrieb.

Cobla Sant Jordi

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Cobla Sant Jordi – Ciutat de Barcelona
Cobla Sant Jordi – Ciutat de Barcelona Cobla Sant Jordi – Ciutat de Barcelona © Harold Abellán

Natürlich sind die Sardanas nur ein kleiner Teil dessen, was in Kataloniens Konzertsälen erklingt. Die Klassikszene der Region verfügt mit dem Orquestra Simfònica de Barcelona (OSB) über einen sinfonischen Klangkörper von Weltruf, der auch immer wieder lokale Eigenheiten, Traditionslinien und Größen vorstellt, etwa die Werke von Miquel Oliu (geboren 1973), der in seine moderne Tonsprache Einflüsse von Robert Schumann bis Sofia Gubaidulina integriert. Oder von Federico Mompou (1893–1987), einer der großen Namen der katalanischen Musikhistorie und zugleich wohl der größte Eigenbrötler unter den Komponisten des iberischen Nordostens.

Mompous Ausgangspunkt in seiner Jugend war die damals brandaktuelle Musik von Claude Debussy und Erik Satie. Bekannt wurde er vor allem durch seine Klavierzyklen, die er über einen Zeitraum von fünfzig Jahren hinweg schrieb, gipfelnd in der »Música callada«, der Musik des Schweigens: Klänge von geradezu asketischer Kargheit mit metallischen, glockenartigen Akkorden, inspiriert durch die Schriften des Mystikers Juan de la Cruz aus dem 16. Jahrhundert. Mompou schuf aber auch Lieder, die später in eine Orchesterfassung gebracht wurden. Auch in seinen Kompositionen für Gesang dominiert ein melancholischer Ton, der sich durch eine einfache, volksnahe Melodiehaftigkeit auszeichnet, durchkreuzt jedoch immer wieder von einer raffinierten Chromatik.

Jugendliche Stimmen :Der Orfeó Català

Wer einmal im Palau de la Música Catalana saß, jenem modernistischen Wunderwerk im Herzen Barcelonas, wird dieses Erlebnis nicht mehr vergessen. Erbaut zwischen 1905 und 1908 von Lluís Domènech i Montaner, ist dieser Saal unter allen Konzertsälen der Welt das vielleicht verblüffendste Gesamtkunstwerk mit seinen opulent verzierten, leuchtenden Fenstern und Kuppeln, den Mosaiksäulen und Skulpturen.

Palau de la Música Catalana
Palau de la Música Catalana © Wikimedia Commons

Der Palau gehört dem Volkschor Orfeó Català. Dessen Profi-Ensemble ist der Cor de Cambra, und in der Arbeit dieses Kammerchors schillert die vokale Pracht der spanischen Nordostregion über die Jahrhunderte und Stile hinweg. Seit 35 Jahren ist es seine Mission, das reiche katalanische Musikerbe wiederzuentdecken, zu bewahren und zugleich neue Werke anzuregen. So erstreckt sich sein Repertoire von geistlichen Gesängen der Renaissance bis hin zum Umgang einer neuen Komponistengeneration mit traditionellen Formen wie der Sardana, der Jota und dem Fandango.

Cor de Cambra del Palau de la Música Catalana
Cor de Cambra del Palau de la Música Catalana Cor de Cambra del Palau de la Música Catalana © Ricardo Rios

Die Jugendlichkeit der katalanischen Tradition setzt sich in etlichen, international tätigen Vokalensembles fort, die Volksmusik mit Electronica kombinieren und dabei auf einen reichen Fundus von Genres zurückgreifen können. Da wäre die Glosa, eine Art espritvolles Stegreifgedicht, die heute gern auch genutzt wird, um aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse zu kommentieren. Andere beliebte Formen sind die balearischen Tonadas und die Cants de Batre, die traditionell bei der Arbeit gesungen wurden. Das Frauenduo Tarta Relena setzt bei der Modernisierung alter Formen auf den charaktervollen Klang der katalanischen Sprache. Es greift neben den katalanischen und balearischen Quellen aber ebenso auf Traditionen aus Korsika, Kreta und Georgien zurück, huldigt Hildegard von Bingen und Songwriterinnen des 21. Jahrhunderts wie Björk – und schafft dadurch einen zeitgemäßen, jugendlichen Electronic-Folk, stets mit den ausdrucksstarken Stimmen im Brennpunkt.

Iberisches Timbre :Sílvia Pérez Cruz

Die derzeit vielleicht größte Stimme der katalanischen Musik gehört der Sängerin und Liederschreiberin Sílvia Pérez Cruz. Sie stammt aus dem Küstenort Palafrugell an der Costa Brava, deren regionale Eigenheiten sie mit vielen Klangfacetten Spaniens und der ganzen latein­amerikanischen Welt zu einer globalen Vokalmagie verbindet. Pérez Cruz wuchs mit der Habanera auf, die als Rückimport von Kuba in Palafrugell eine Hochburg hat; ihr früh verstorbener Vater war der führende Forscher dieses Genres. Das Vehikel für all ihre musikalischen Visionen ist immer die Liedform, der Song, der Cancíon, das Chanson. »Wenn ich ein Lied höre, dann bin ich gleich in der Lage, die Schönheit darin zu erfassen«, sagt sie. »Mir kommt es auf Gefühle an, ich denke nicht in Genres wie klassischer Musik oder Rock.«

Und so enthüllt die 42-Jährige denn auch ohne stilistische oder geografische Grenzen stets die zeitlose Essenz eines Liedes. Ganz gleich, ob das nun aus ihrer eigenen Tradition oder aus dem Flamenco kommt, aus Brasilien, dem portugiesischen Fado oder der kubanischen Habanera. Ob sie Édith Piafs »Hymne à l’amour« aufgreift, Leonard Cohens »Take This Waltz« oder die mexikanische Ranchera »Cucurrucucú paloma«. Selbst Kunstlieder von Robert Schumann hat sie bereits adaptiert, eine Motette von Anton Bruckner mit dem Jazzstandard »My Funny Valentine« verknüpft.

»In einer Stimme liegt so vieles, was über Stile oder Territoriales, über den Körper hinausreicht«, sagt Pérez Cruz. »Aber: Ich kann mein Timbre als klar iberisch definieren. Da gibt es etwas, das alle Großmütter der Halbinsel hatten, das sich in allen Regionen und nicht nur im Fado oder Flamenco wiederfindet. Und das trage auch ich in meiner Stimme.« Eine Stimme, die trotz ihrer hohen Tonlage kraftvoll-erdig, dann wie­der fast wispernd sein kann, die opulente Verzierungen und ein feinsinniges Vibrieren zu ihren Tugenden zählt. Es ist diese beeindruckende Beherrschung vokaler Facetten, die dafür sorgt, dass Konzerte von Pérez Cruz zu tief berührenden, lang nachhallenden Erlebnissen werden.

Duo-Projekt mit Salvador Sobral

Für ihr neuestes Duo-Projekt hat sie sich mit dem Portugiesen Salvador Sobral zusammengetan. Der ESC-Sieger von 2017 studierte in Barcelona Jazz und hat schon deshalb einen engen Bezug zu Katalonien. Die beiden ließen sich Lieder von Pérez Cruz’ Bandgeiger Carlos Montfort, von südamerikanischen Größen wie dem Uruguayer Jorge Drexler oder der Brasilianerin Dora Morelenbaum auf den Leib schneidern, auch der Pianist Marco Mezquida hat ein Stück beigesteuert. In der Begleitband findet sich am Cello mit Marta Roma eine jener vielen jungen Koryphäen dieses Instruments, die in Katalonien die von Pau Casals vor über hundert Jahren begonnene Traditionslinie mit dem Geist des 21. Jahrhunderts weitertragen. Und mit Darío Barroso kann das Duo auf einen exzellenten Gitarristen zählen, der spielend zwischen folkigen Begleitmustern und Flamencotechniken wechselt.

Sílvia & Salvador
Sílvia Pérez Cruz & Salvador Sobral
Sílvia Pérez Cruz & Salvador Sobral Sílvia Pérez Cruz & Salvador Sobral © Lorena Diniz

Eigene Spielart

Apropos Flamenco: Bei diesem Stichwort denken die meisten wohl an die Region Andalusien. Doch auch Katalonien verfügt über eine weltweit bekannt gewordene Spielart der Gitano-Musik, die Rumba Catalana, die mit den Gipsy Kings in den Achtziger- und Neunzigerjahren Welthits produzierte. Später, im Zug des von Manu Chao ausgelösten Hypes um die sogenannte Mestizo-Musik, trat sie in einer ruppigeren, vom Hip-Hop beeinflussten Variante mit Bands wie Ojos de Brujo ihren Siegeszug in der Weltmusik an.

Heute lebt der Flamenco Kataloniens in aufregenden Jazzprojekten weiter, etwa beim Gitarristen Chicuelo, der noch bei der 2022 verstorbenen Legende Manolo Sanlúcar in die Lehre ging. Im Projekt »Del Alma« trifft er auf den menorquinischen Pianisten Marco Mezquida, der nach eigenem Bekunden die Gesänge der Inselfischer genauso wie die der Pyrenäen in seiner DNA trägt. »Ich liebe das Klavier als solches und in seiner ganzen Vielseitigkeit«, sagt Mezquida. »Manche meiner Experimente klingen viel eher nach zeitgenössischer Klassik als nach Jazz, ich bin von Gamelan-Musik genauso inspiriert wie von der Kirchenorgel.«

Gemeinsam greifen Chicuelo und Mezquida hochvirtuos Flamenco-Rhythmen wie Zapateado, Bulería oder Tanguillo auf, formen ihren eigenen geistreichen Dialog in elegant tänzelndem Fluss und melodischem Überschwang, würzen mit Blues und Música Latina. Und zeigen musikalisch damit einmal mehr, was Katalonien aus­zeichnet: die überaus gelungene Verbindung von Kosmopolitismus und Eigensinnigkeit.

 

 

Dieser Artikel erschien im Elbphilharmonie Magazin (Ausgabe 3/25).

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