Noureddine Khourchid & die tanzenden Derwische aus Damaskus

Die tanzenden Derwische

Suchen nach Gott: Über den jahrhundertealten rituellen Drehtanz der Sufis.

Über die Türschwelle

Es ist ein einfaches, inniges Ritual – und es ist schon viele Jahrhunderte alt: Zu Musik und Gesang drehen die tanzenden Derwische sich im Kreis, um Gott nahe zu kommen.

Von Nordafrika über den Kaukasus bis nach Zentralasien kennen etliche Sufi-Orden, aber auch Gemeinschaften, die nicht spirituell geprägt sind, die Derwische. Der aus dem Persischen stammende Begriff »darvish« bedeutet sowohl Bettler als auch Wanderer, aber auch Ekstatiker. In seiner eigentlichen Bedeutung bezeichnet er Menschen, die den weltlichen Gütern entsagt haben und stattdessen auf dem Weg der Gottessuche wandeln. Dabei überschreiten sie die Türschwelle vom Diesseits zur anderen Welt, und auch diese steckt in ihrem Namen – »dar« ist die persische Entsprechung zu unserer »Tür«.

Sufi Festival

vom 25. bis 27. November in der Elbphilharmonie. Mit tanzenden Derwischen, Trance-Ritualen, persischen Liebesliedern und klassischer Musik aus Afghanistan.

Der sogenannte Sema, der Drehtanz gegen den Uhrzeigersinn, ist eine der vielen durch Klänge und Bewegung geprägten Varianten der Gottessuche bei den Sufis. Seinen Ursprung hat dieses Ritual der Derwische im anatolischen Konya, wo es sich nach dem 13. Jahrhundert bei der Mevlevi- (oder auch Mawlawi-) Bruderschaft aus Anhängern des berühmten Mystikers Rumi herauskristallisierte.

Der Körper als Spindel

Im Sema suchen die Derwische eine Harmonie mit dem ebenfalls kreisenden Kosmos. Symbolisch verbirgt sich im Tanz eine Sehnsucht nach der Wiedervereinigung mit dem Göttlichen, von dem der Mensch nur vorübergehend getrennt wurde. Während er im Wirbel des Sema begriffen ist, wird der Körper zu einer Spindel, die die Erde und den Himmel verknüpft und zugleich die ganze Menschheit umarmt. Die Seele, die im Körper gefangen ist, zelebriert so ihre immerwährende, glühende Sehnsucht nach der Rückkehr in die transzendente Sphäre. Im Westen wird die Wirkung des Drehtanzes oft mit Trance beschrieben. Doch ist es in Wahrheit keine Auflösung des Bewusstseins, sondern vielmehr höchste Konzentration mit Leib, Seele und Geist auf das Prinzip des Allumfassenden.

 

Text: Stefan Franzen, Stand: 25.10.2022

Sufismus

ist nicht einfach Zuflucht in Trance. Vielmehr verbindet er Schöpfer und Schöpfung – auch mit Hilfe der Musik.

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