Stationen: Rihm & Stockhausen

NDR das neue werk

Karlheinz Stockhausen
Karlheinz Stockhausen © Kathinka Pasveer
Ensemble Resonanz
Ensemble Resonanz © Tobias Schult

Rihms und Stockhausens erste Begegnung findet im Sommer 1972 statt. Stockhausen, der 24 Jahre Ältere, hat schon eine Menge begabter junger Menschen gesehen, ist aber von Wolfgang Rihm und seinem jugendlichen Selbstbewusstsein durchaus angetan, als der sich kaum zwanzigjährig für seine Kompositionsklasse bewirbt. Und so bricht Rihm, der schon lange professionellen Unterricht in Komposition hat, von seinem neuen Wohnort Köln nun regelmäßig ins 25 km entfernte Kürten auf, wo der Meister seinen Unterricht abhält. Selbstfindung, Selbstprüfung als Komponist sei diese Zeit für ihn gewesen, wird er später sagen.

Stockhausens Eindruck und Unterricht blieb für Rihm ein entscheidender: »Der Sinn für die Proportionen und die Dauern ist bei Stockhausen mehr als bei jedem anderen entwickelt. Auf der anderen Seite gibt es bei ihm immer ein Moment von Künstlichkeit, das Probleme auch für das Verständnis seiner Musik birgt. Wenn ich allerdings Stücke wie ›Gruppen‹ oder ›Inori‹ höre, bin ich tief berührt von der Kraft, die diese Musik hat und die, glaube ich, jeden erreicht.« An Stockhausens Musik und ihrer Komplexität haben sich viele ästhetische Reflexionen entwickelt, die später auch für Rihms eigene Kunst, die Findung seiner eigenen musikalischen Sprache bedeutsam wurden.

In einem größeren Rahmen ist Rihms und Stockhausens Musik während der letzten Jahre kaum einmal gegenübergestellt worden. Die beiden Konzerte in Elbphilharmonie und Resonanzraum holen dies nun nach. Einer vielfältigen Auswahl von Wolfgang Rihms Kammermusik aus den vergangenen beiden Jahrzehnten stehen Werke aus Stockhausens großer Zeit der Formel-Kompositionen gegenüber. Zu »Tierkreis« verspürte Rihm nach eigenem Bekenntnis immer eine besondere Nähe. Und Jeroen Berwaerts, gern gesehener Gast in Elbphilharmonie und Resonanzraum, steuert die selten zu hörende, hochvirtuose Trompetenversion von Stockhausens »In Freundschaft« bei.

Besetzung

Ensemble Resonanz

Jeroen Berwaerts Trompete

Michael Pattmann Schlagwerk

Adrian Heger Klavier

Per Rundberg Klavier

Programm

Wolfgang Rihm
Klavierstück Nr. 5 »Tombeau«
Interscriptum / Duo für Streichquartett und Klavier
Akt und Tag / Zwei Studien für Sopran und Streichquartett

Karlheinz Stockhausen
Refrain
Tierkreis / Zwölf Melodien der Sternzeichen für Violine, Violoncello, Schlagzeug, Klavier und Celesta

Reihe

NDR das neue werk

Veranstalter: NDR