Video on Demand vom 28.1.2021
verfügbar bis 28.1.2022

Rising Stars: James Newby

Ein Liederabend mit dem gefeierten Newcomer-Bariton.

James Newby gehört zu den größten Nachwuchsstars der klassischen Sängerszene. Ob intimer Liederabend oder große Opernbühne, es hagelt Preise und Lobeshymnen für den jungen Briten. Von 2018 bis 2020 war er »New Generation Artist« der BBC; seit 2019 gehört er außerdem zum Ensemble der Staatsoper Hannover.

Bei seinem Debüt in der Elbphilharmonie singt er eine Auswahl stimmungsvoller Lieder von Clara und Robert Schumann – einem der berühmtesten Liebespaare der Musikgeschichte. Begleitet wird der Bariton mit der »honigweichen Stimme« (The Times) vom Pianisten Marcelo Amaral.

Festival Rising Stars 2021

Die Stars von morgen in fünf Konzert-Streams erleben.

James Newby
James Newby © Gerard Collett

Der Künstler

  • Britischer Bariton (*1993)
  • singt große Opernrollen und feinfühlige Lieder
  • Ensemblemitglied Staatsoper Hannover / BBC New Generation Artist
  • veröffentlichte 2020 mit Pianist Joseph Middleton sein Debütalbum »I wonder as I wander«
  • James Newby (vollständige Biografie)

    Mit noch nicht einmal 30 Jahren kann James Newby bereits auf einen eindrucksvollen Karrierestart zurückblicken. Schon während seines Gesangsstudiums am Trinity College in London erhielt der britische Bariton diverse Auszeichnungen, darunter im Jahr 2016 den Kathleen Ferrier Award. Eine lange Reihe renommierter Preise kam nach dem Studium dazu, beispielsweise die Trinity Gold Medal und der John Christie Award des Glyndebourne Festivals (beide 2017). Als Rising Star des Orchestra of the Age of Enlightenment (2017-2019), BBC Radio 3 New Generation Artist (2018-2020) und nun auch Rising Star der European Concert Hall Organisation wurde Newby zudem gleich mehrfach für prestigeträchtige Talentförderprojekte ausgewählt.

    Mit besonderer Leidenschaft widmet sich James Newby dem Liedgesang, wobei ihm vor allem das deutsche und englische Repertoire am Herzen liegt. Mit Pianisten wie Joseph Middleton, Simon Lepper und Julius Drake trat er als Liedinterpret unter anderem in London, Amsterdam und im australischen Perth auf. Als Konzertsänger war James Newby 2016 bei den BBC Proms unter der Leitung von Sakari Oramo zu hören, darüber hinaus arbeitete er bereits mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment, dem Orchestra of the Eighteenth Century und dem Cincinnati Symphony Orchestra.

    Doch auch auf der Opernbühne fühlt James Newby sich zu Hause. So sang er in Mozart-Opern Rollen wie Papageno in der Zauberflöte und Graf Almaviva in Le nozze di Figaro, daneben unter anderem den Schaunard in Giacomo Puccinis La Bohème und die Rolle des Simon in Howard Moodys 2016 in Brüssel uraufgeführter Oper Push. Zudem sang er in einer szenischen Version von Bachs Johannes-Passion (Regie: Calixto Bieito) die Rolle des Jesus. Seit 2019 ist James Newby Ensemblemitglied an der Staatsoper Hannover.

  • Marcelo Amaral (Klavier)

    Die New York Times nennt ihn einen »Liedbegleiter der Superlative«: Der brasilianische Pianist Marcelo Amaral hat sich als Klavierpartner von Sängern und Instrumentalisten international etabliert. Seinen Durchbruch feierte er 2009, als er den Pianistenpreis beim Internationalen Robert-Schumann-Liedwettbewerb gewann. Seither arbeitet er mit vielen renommierten Künstlern, darunter die Sänger Juliane Banse, Sarah Connolly und Christoph Pohl, die Geigerin Veronika Eberle und der Bratschist Nils Mönkemeyer.

    Konzerte führten ihn etwa in die Wigmore Hall in London, ins Musée d’Orsay in Paris sowie zu zahlreichen Festivals wie der Schubertiade in Schwarzenberg, dem Montpellier Festival und dem Ravinia Festival. Seit 2014 ist Marcelo Amaral Professor für Liedgestaltung in Nürnberg und gibt regelmäßig Meisterkurse an der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart.

»Newby hat eine enorme Bühnenpräsenz und eine herrliche Stimme, die ihn noch weit bringen wird.«

MusicOMH, 2018

Nominiert von Barbican Centre London

Barbican Hall
Barbican Hall © Barbican Hall

Programm

»Love's Poetry«

Clara Schumann (1819–1896)
Sechs Lieder op. 13

Ihr Bildnis
Sie liebten sich beide
Liebeszauber
Der Mond kommt still gegangen
Ich hab' in deinem Auge
Die stille Lotosblume

Robert Schumann (1810–1856)
Kerner-Lieder op. 35

Lust der Sturmnacht
Stirb, Lieb und Freud!
Wanderlied
Erstes Grün
Sehnsucht nach der Waldgegend
Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
Wanderung
Stille Liebe
Frage
Stille Tränen
Wer machte dich so krank?
Alte Laute

 

Mehr über die Werke lesen

Backstage-Eindrücke

James Newby James Newby © Sophie Wolter
James Newby / Aufzeichnung Künstlergespräch James Newby / Aufzeichnung Künstlergespräch © Sophie Wolter
James Newby James Newby © Sophie Wolter
James Newby und Marcelo Amaral James Newby und Marcelo Amaral © Sophie Wolter
Aufzeichnung Konzert mit James Newby Aufzeichnung Konzert mit James Newby © Sophie Wolter
Marcelo Amaral Marcelo Amaral © Sophie Wolter
James Newby und Marcelo Amaral James Newby und Marcelo Amaral © Sophie Wolter

Vorurteile aufräumen mit James Newby :Aus der Reihe »Konzert für Einsteiger«

Als Sänger wird James Newby ständig mit Vorurteilen konfrontiert. In diesem Video erzählt er, was an den Behauptungen wirklich dran ist.

Untertitel verfügbar (siehe Youtube-Einstellungen).

James Newby
James Newby © Aussenborder Filmproduktion GmbH

Zur Musik :»Love’s Poetry« – Musikalische Zwiegespräche

Clara und Robert Schumann gehören wohl zu den berühmtesten Liebespaaren der Musikgeschichte. Der 1810 geborene Komponist und die neun Jahre jüngere Klaviervirtuosin hatten einen legendär holprigen Start, da Claras Vater Friedrich Wieck sich der Beziehung und den Heiratsplänen des Paares mit allen Mitteln widersetzte. 1840 schließlich konnten sie ihre Heirat per Gerichtsbeschluss durchsetzen. Neben Briefen und Tagebüchern führte das Paar auch musikalische Zwiegespräche, kritisierte, ermutigte und unterstützte sich gegenseitig. Zahlreiche Lieder und kammermusikalische Werke legen hiervon beredt Zeugnis ab.

Clara und Robert Schumann
Clara und Robert Schumann © Public domain / Bibliothèque Nationale de France

Clara Schumann :Sechs Lieder op. 13

Familie und Karriere zu vereinen, ist bis heute eine Herausforderung für jedes Paar. Noch viel mehr galt das im 19. Jahrhundert – wobei damals natürlich von »vereinen« ohnehin keine Rede war. Zumindest in bürgerlichen Kreisen galt ganz klar: Der Mann verdiente das Geld, die Frau blieb zu Hause und kümmerte sich um die Kinder. Umso erstaunlicher, dass es Clara Schumann gelang, neben diesen Aufgaben nicht nur ihren Mann bei seiner Arbeit zu unterstützen, sondern auch selbst noch künstlerisch aktiv zu sein. Schließlich stand zumindest für Robert Schumann erst einmal fest, dass Clara nach der Heirat mit ihm ihre Karriere als Konzertpianistin aufgeben und sich mit der Rolle als Ehefrau und Mutter zufriedengeben sollte. (Dass das aus finanziellen Gründen auf Dauer nicht möglich war, steht auf einem anderen Blatt.)

Dennoch ermutigte er seine Frau zum Komponieren. Er hielt viel von ihrem künstlerischen Talent und träumte vor allem zu Anfang von einer symbiotischen Beziehung auch in schöpferischer Hinsicht. So regte er Clara schon in den ersten Ehemonaten dazu an, Gedichte zu vertonen, nachdem sie als junges Mädchen fast ausschließlich Klavierwerke geschrieben hatte. Eines der ersten Lieder, die so entstanden, war »Ich stand in dunkeln Träumen« auf einen Text von Heinrich Heine, das Clara ihrem Mann 1840 zum ersten Weihnachtsfest als verheiratetes Paar schenkte. Dieses Lied und einige weitere, die in den folgenden Jahren hinzukamen, veröffentlichte Clara Schumann Anfang 1844 als ihr op. 13. Widmungsträgerin ist die dänische Königin Caroline Amalie, die Clara zwei Jahre zuvor bei einer Konzertreise in Kopenhagen kennengelernt hatte.

Neben dem schon erwähnten »Ich stand in dunkeln Träumen« vertonte Clara Schumann in den »Sechs Liedern« noch ein weiteres Heine-Gedicht sowie Texte von Friedrich Rückert und Emanuel Geibel. (Es ist sicher kein Zufall, dass es sich bei allen dreien um Dichter handelt, die auch Robert Schumann mit Vorliebe vertonte.) Die lyrisch fließende Klavierbegleitung folgt dabei mit feinem Gespür den Bedeutungsnuancen der zutiefst romantischen Texte.

  • Liedtexte: Clara Schumann op. 13

    Ich stand in dunkeln Träumen
    (Heinrich Heine)

    Ich stand in dunkeln Träumen
    Und starrte ihr Bildnis an,
    Und das geliebte Antlitz
    Heimlich zu leben begann.

    Um ihre Lippen zog sich
    Ein Lächeln wunderbar,
    Und wie von Wehmutstränen
    Erglänzte ihr Augenpaar.

    Auch meine Tränen flossen
    Mir von den Wangen herab –
    Und ach, ich kann es nicht glauben,
    Dass ich dich verloren habʼ!
     

    Sie liebten sich beide
    (Heinrich Heine)

    Sie liebten sich beide, doch keiner
    Wollt es dem andern gestehʼn;
    Sie sahen sich an so feindlich,
    Und wollten vor Liebe vergehʼn.

    Sie trennten sich endlich und sahʼn sich
    Nur noch zuweilen im Traum;
    Sie waren längst gestorben,
    Und wussten es selber kaum.
     

    Liebesfrühling
    (Emanuel Geibel)

    Die Liebe saß als Nachtigall
    Im Rosenbusch und sang;
    Es flog der wundersüße Schall
    Den grünen Wald entlang.

    Und wie er klang, – da stieg im Kreis
    Aus tausend Kelchen Duft,
    Und alle Wipfel rauschten leisʼ,
    Und leiser ging die Luft;

    Die Bäche schwiegen, die noch kaum
    Geplätschert von den Höhʼn,
    Die Rehlein standen wie im Traum
    Und lauschten dem Getön.

    Und hell und immer heller floss
    Der Sonne Glanz herein,
    Um Blumen, Wald und Schlucht ergoss
    Sich goldig roter Schein.

    Ich aber zog den Wald entlang'
    Und hörte auch den Schall.
    Ach! was seit jener Stundʼ ich sang,
    War nur sein Widerhall.
     

    Der Mond kommt still gegangen
    (Emanuel Geibel)

    Der Mond kommt still gegangen
    Mit seinem goldʼnen Schein.
    Da schläft in holdem Prangen
    Die müde Erde ein.

    Und auf den Lüften schwanken
    Aus manchem treuen Sinn
    Viel tausend Liebesgedanken
    Über die Schläfer hin.

    Und drunten im Tale, da funkeln
    Die Fenster von Liebchens Haus;
    Ich aber blicke im Dunkeln
    Still in die Welt hinaus.
     

    Ich hab in deinem Auge
    (Friedrich Rückert)

    Ich habʼ in deinem Auge
    Den Strahl der ewigen Liebe gesehen,
    Ich sah auf deinen Wangen
    Einmal die Rosen des Himmels stehʼn.

    Und wie der Strahl im Augʼ erlischt
    Und wie die Rosen zerstieben,
    Ihr Abglanz ewig neu erfrischt,
    Ist mir im Herzen geblieben,

    Und niemals werdʼ ich die Wangen sehʼn
    Und nie ins Auge dir blicken,
    So werden sie mir in Rosen stehʼn
    Und es den Strahl mir schicken.
     

    Die stille Lotosblume
    (Emanuel Geibel)

    Die stille Lotosblume
    Steigt aus dem blauen See,
    Die Blätter flimmern und blitzen,
    Der Kelch ist weiß wie Schnee.

    Da gießt der Mond vom Himmel
    All seinen goldʼnen Schein,
    Gießt alle seine Strahlen
    In ihren Schoß hinein.

    Im Wasser um die Blume
    Kreiset ein weißer Schwan,
    Er singt so süß, so leise
    Und schaut die Blume an.

    Er singt so süß, so leise
    Und will im Singen vergehʼn.
    O Blume, weiße Blume,
    Kannst du das Lied verstehʼn?
     

»Du vervollständigst mich als Komponisten, wie ich Dich. Jeder Deiner Gedanken kommt aus meiner Seele, wie ich ja meine ganze Musik Dir zu verdanken habe.«

Robert Schumann an Clara, 10. Juli 1839

Robert Schumann :Zwölf Gedichte. Eine Liederreihe nach Justinus Kerner op. 35

Das Jahr 1840 wird heute zurecht als Robert Schumanns »Liederjahr« bezeichnet. Nachdem er zehn Jahre lang so gut wie ausschließlich für Klavier komponiert hatte, floss ihm nun innerhalb von zwölf Monaten fast die Hälfte seines gesamten Liedschaffens aus der Feder. Den Schlusspunkt dieses kompositorischen Marathons bildet die »Liederreihe nach Justinus Kerner«, die wenige Monate nach Schumanns Heirat mit Clara Wieck entstand.

Bei der Auswahl seiner Textvorlagen war der literarisch begabte Schumann stets sorgfältig: Heinrich Heine, Friedrich Rückert, Joseph von Eichendorff – die von ihm vertonten Dichter lesen sich wie ein Who is who der damaligen Poeten-Prominenz. Dazu zählte auch der heute nur noch wenig bekannte Justinus Kerner. Der gebürtige Ludwigsburger war hauptberuflich Arzt und verfasste neben Gedichten auch medizinische Abhandlungen, einen Roman, Erzählungen und Satiren. Er zählt zu den namhaftesten Vertretern der sogenannten Schwäbischen Dichterschule, der auch Nikolaus Lenau und Eduard Mörike zugerechnet werden. Schon mit 18 Jahren hatte Schumann sich für Kerner begeistert: Seine ersten Versuche als Liedkomponist wurden von dessen Gedichten inspiriert. Mit der »Liederreihe« kehrte er also gewissermaßen zu seinen vokalschöpferischen Wurzeln zurück.

Inhaltlich durchschreiten die Kerner-Lieder ein vielfältiges Spektrum typischer Themen der Romantik: Wanderlust, Heimweh und Fernweh, Natur als Seelenspiegel, Weltschmerz und tragische Liebe. Zugleich versteckte Schumann in ihnen hin und wieder Hinweise auf seine und Claras private Umstände. So zitiert er beispielsweise im »Wanderlied« auf den Text »Und Liebe, die folgt ihm, sie geht ihm zur Hand« ein Motiv aus dem Lied »Süßer Freund, du blickest« aus seinem Liederzyklus »Frauenliebe und -leben«. Dort gesteht die Frau ihrem Mann, dass sie ein Kind von ihm erwartet – und in der Tat hatte Schumann gerade von Claras erster Schwangerschaft erfahren, als er die Arbeit am »Wanderlied« begann.

Eheschließung und Familiengründung haben wohl auch eine Rolle dabei gespielt, dass Schumann sich mit dem Beginn des Jahres 1840 auf das Komponieren von Liedern zu konzentrieren begann; wirtschaftlich betrachtet waren diese nämlich deutlich einträglicher als Klavierkompositionen. Und das Kalkül ging auf: Wie die meisten der 1840 entstandenen Lieder erfreuten sich auch die Kerner-Vertonungen von Anfang an großer Beliebtheit und trugen wesentlich zum Unterhalt der jungen Familie bei.

  • Liedtexte: Robert Schumann op. 35

    Texte: Justinus Kerner

    Lust der Sturmnacht
    Wenn durch Berg und Tale draußen
    Regen schauert, Stürme brausen,
    Schild und Fenster hell erklirren,
    Und in Nacht die Wandrer irren,

    Ruht es sich so süß hier innen,
    Aufgelöst in selʼges Minnen;
    All der goldʼne Himmelsschimmer
    Flieht herein ins stille Zimmer:

    Reiches Leben, habʼ Erbarmen!
    Halt mich fest in linden Armen!
    Lenzesblumen aufwärts dringen,
    Wölklein ziehʼn und Vöglein singen.

    Ende nie, du Sturmnacht, wilde!
    Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde,
    Bäumt euch, Wälder, brausʼ, o Welle,
    Mich umfängt des Himmels Helle!
     

    Stirb, Liebʼ und Freudʼ!

    Zu Augsburg steht ein hohes Haus,
    Nahʼ bei dem alten Dom,
    Da tritt am hellen Morgen aus
    Ein Mägdelein gar fromm;
    Gesang erschallt,
    Zum Dome wallt
    Die liebe Gestalt.

    Dort vor Marias heiligʼ Bild
    Sie betend niederkniet,
    Der Himmel hat ihr Herz erfüllt,
    Und alle Weltlust flieht:
    »O Jungfrau rein!
    Lass mich allein
    Dein eigen sein!«

    Alsbald der Glocken dumpfer Klang
    Die Betenden erweckt,
    Das Mägdlein wallt die Hallʼ entlang,
    Es weiß nicht, was es trägt;
    Am Haupte ganz
    Von Himmelsglanz,
    Einen Lilienkranz.

    Mit Staunen schauen allʼ die Leutʼ
    Dies Kränzlein licht im Haar.
    Das Mägdlein aber wallt nicht weit,
    Tritt vor den Hochaltar:
    »Zur Nonne weiht
    Mich arme Maid!
    Stirb, Liebʼ und Freudʼ!«

    Gott, gib, dass dieses Mägdelein
    Ihr Kränzlein friedlich tragʼ,
    Es ist die Herzallerliebste mein,
    Bleibtʼs bis zum jüngsten Tag.
    Sie weiß es nicht,
    Mein Herz zerbricht,
    Stirb, Liebʼ und Licht!

    Wanderlied

    Wohlauf, noch getrunken
    Den funkelnden Wein!
    Ade nun, ihr Lieben!
    Geschieden muss sein.

    Ade nun, ihr Berge,
    Du väterlich Haus!
    Es treibt in die Ferne
    Mich mächtig hinaus.

    Die Sonne, sie bleibet
    Am Himmel nicht stehʼn,
    Es treibt sie, durch Länder
    Und Meere zu gehʼn.

    Die Woge nicht haftet
    Am einsamen Strand,
    Die Stürme, sie brausen
    Mit Macht durch das Land.

    Mit eilenden Wolken
    Der Vogel dort zieht,
    Und singt in der Ferne
    Ein heimatlich Lied.

    So treibt es den Burschen
    Durch Wälder und Feld,
    Zu gleichen der Mutter,
    Der wandernden Welt.

    Da grüßen ihn Vögel
    Bekannt überm Meer,
    Sie flogen von Fluren
    Der Heimat hieher;

    Da duften die Blumen
    Vertraulich um ihn,
    Sie trieben vom Lande
    Die Lüfte dahin.

    Die Vögel, die kennen
    Sein väterlich Haus,
    Die Blumen, die pflanztʼ er
    Der Liebe zum Strauß,

    Und Liebe, die folgt ihm,
    Sie geht ihm zur Hand:
    So wird ihm zur Heimat
    Das ferneste Land.

    Erstes Grün

    Du junges Grün, du frisches Gras!
    Wie manches Herz durch dich genas,
    Das von des Winters Schnee erkrankt,
    O wie mein Herz nach dir verlangt!

    Schon wächst du aus der Erde Nacht,
    Wie dir mein Augʼ entgegen lacht!
    Hier in des Waldes stillem Grund
    Drück ich dich, Grün, an Herz und Mund.

    Wie treibtʼs mich von den Menschen fort!
    Mein Leid, das hebt kein Menschenwort,
    Nur junges Grün, ans Herz gelegt,
    Macht, dass mein Herze stiller schlägt.
     

    Sehnsucht nach der Waldgegend

    Wärʼ ich nie aus euch gegangen,
    Wälder, hehr und wunderbar!
    Hieltet liebend mich umfangen
    Doch so lange, lange Jahrʼ!

    Wo in euren Dämmerungen
    Vogelsang und Silberquell,
    Ist auch manches Lied entsprungen
    Meinem Busen, frisch und hell.

    Euer Wogen, euer Hallen,
    Euer Säuseln nimmer müdʼ,
    Eure Melodien alle
    Weckten in der Brust das Lied.

    Hier in diesen weiten Triften
    Ist mir alles ödʼ und stumm,
    Und ich schau in blauen Lüften
    Mich nach Wolkenbildern um.

    Wenn ihrʼs in den Busen zwinget,
    Regt sich selten nur das Lied:
    Wie der Vogel halb nur singet,
    Den von Baum und Blatt man schied.


    Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes

    Du herrlich Glas, nun stehst du leer,
    Glas, das er oft mit Lust gehoben;
    Die Spinne hat rings um dich her
    Indes den düstʼren Flor gewoben.

    Jetzt sollst du mir gefüllet sein
    Mondhell mit Gold der deutschen Reben!
    In deiner Tiefe heilʼgen Schein
    Schau ich hinab mit frommem Beben.

    Was ich erschauʼ in deinem Grund
    Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen.
    Doch wird mir klar zu dieser Stundʼ,
    Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen.

    Auf diesen Glauben, Glas so hold!
    Trinkʼ ich dich aus mit hohem Mute.
    Klar spiegelt sich der Sterne Gold,
    Pokal, in deinem teuren Blute!

    Still geht der Mond das Tal entlang.
    Ernst tönt die mitternächtʼge Stunde.
    Leer steht das Glas! Der heilʼge Klang
    Tönt nach in dem kristallʼnen Grunde.


    Wanderung

    Wohlauf und frisch gewandert
    Ins unbekannte Land!
    Zerrissen, ach zerrissen,
    Ist manches teure Band.

    Ihr heimatlichen Kreuze,
    Wo ich oft betend lag,
    Ihr Bäume, ach, ihr Hügel,
    O blickt mir segnend nach.

    Noch schläft die weite Erde,
    Kein Vogel weckt den Hain,
    Doch bin ich nicht verlassen,
    Doch bin ich nicht allein,

    Denn, ach, auf meinem Herzen
    Tragʼ ich ihr teures Pfand,
    Ich fühlʼs, und Erdʼ und Himmel
    Sind innig mir verwandt.


    Stille Liebe

    Könntʼ ich dich in Liedern preisen,
    Sängʼ ich dir das längste Lied.
    Ja, ich würdʼ in allen Weisen,
    Dich zu singen nimmer müdʼ!

    Doch was immer mich betrübte,
    Ist, dass ich nur immer stumm
    Tragen kann dich, Herzgeliebte,
    In des Busens Heiligtum.

    Dieser Schmerz hat mich bezwungen,
    Dass ich sang dies kleine Lied,
    Doch von bitterʼm Leid durchdrungen,
    Dass noch keins auf dich geriet.


    Frage

    Wärst du nicht, heilʼger Abendschein!
    Wärst du nicht, sternerhellte Nacht!
    Du Blütenschmuck! Du üppʼger Hain!
    Und du, Gebirgʼ voll ernster Pracht!
    Du Vogelsang aus Himmeln hoch!
    Du Lied aus voller Menschenbrust,
    Wärst du nicht, ach, was füllte noch
    In arger Zeit ein Herz mit Lust?
     

    Stille Tränen

    Du bist vom Schlaf erstanden
    Und wandelst durch die Auʼ,
    Da liegt ob allen Landen
    Der Himmel wunderblau.

    So lang du ohne Sorgen
    Geschlummert schmerzenlos,
    Der Himmel bis zum Morgen
    Viel Tränen niedergoss.

    In stillen Nächten weinet
    Oft mancher aus den Schmerz,
    Und morgens dann ihr meinet,
    Stets fröhlich sei sein Herz.
     

    Wer machte dich so krank?

    Dass du so krank geworden,
    Wer hat es denn gemacht?
    Kein kühler Hauch aus Norden
    Und keine Sternennacht.

    Kein Schatten unter Bäumen,
    Nicht Glut des Sonnenstrahls,
    Kein Schlummern und kein Träumen
    Im Blütenbett des Tals.

    Dass ich tragʼ Todeswunden,
    Das ist der Menschen Tun;
    Natur ließ mich gesunden,
    Sie lassen mich nicht ruhʼn.


    Alte Laute

    Hörst du den Vogel singen?
    Siehst du den Blütenbaum?
    Herz! kann dich das nicht bringen
    Aus deinem bangen Traum?

    Was hörʼ ich? alte Laute
    Wehmütʼger Jünglingsbrust,
    Der Zeit, als ich vertraute
    Der Welt und ihrer Lust.

    Die Tage sind vergangen,
    Mich heilt kein Kraut der Flur;
    Und aus dem Traum, dem bangen,
    Weckt mich ein Engel nur.

Text: Juliane Weigel-Krämer, Stand: 25.1.2021

Das Konzert wurde am 20. Januar 2021 aufgezeichnet.

 

Veranstalter: HamburgMusik

In Kooperation mit ECHO - European Concert Hall Organisation

Mit Unterstützung der M.M.Warburg & CO.

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