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Neu gehört: Lisa Streich

5 Fragen an die Komponist:innen des Neue-Musik-Festivals »Elbphilharmonie Visions«.

Geht es um Komponist:innen klassischer Musik, denken viele an alte Meister wie Beethoven oder Mozart. Dass auch die Gegenwartsmusik »so reich und vielfältig wie die Menschheit selbst« (Alan Gilbert) sein kann, beweist das Festival »Elbphilharmonie Visions«. Dort steht ausschließlich die Musik zeitgenössischer Komponist:innen auf dem Programm. Das ist nicht nur musikalisch spannend, sondern bietet auch die großartige Chance, den Schöpfern Fragen zu ihren Werken und zum Komponieren selbst zu stellen. Wie funktioniert Komponieren überhaupt? Haben sie vorher schon eine konkrete Vorstellung von dem Werk oder entsteht es erst beim Schreiben? Was für eine Rolle spielt die Umgebung? Und was wünschen sie sich für ihre Musik?

Davon berichten die Komponist:innen des Festivals in Kurzinterviews. In dieser Ausgabe mit der Schwedin Lisa Streich, deren Komposition »Flügel« während des Festivals uraufgeführt wird. Das Stück hat sie im Auftrag der Hamburger Claussen-Simon-Stiftung geschrieben, deren eigens gestifteten Kompositionspreis sie im Rahmen des Festivals erhält.

Wie klingt Lisa Streich?

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Lisa Streich
Lisa Streich Lisa Streich © Manu Theobald

Wie ausgeprägt ist Ihre innerliche Vorstellung von einem Werk, ehe Sie sich daran machen, es zu komponieren?

Zu Beginn ist sie schon sehr ausgeprägt, aber sie fungiert eher als Ausgangspunkt, der dann zu etwas Neuem führt, das im Dialog mit der Musik entsteht.

Welche Rolle spielt das Außermusikalische für Ihr Schaffen?

Das Außermusikalische spielt eine ganz wichtige Rolle für mich. Aber die Schönheit von Musik liegt ja darin, dass meine Wahrnehmung des Stücks ganz unterschiedlich zu der von jemand anderem sein kann. Musik ist abstrakt, wie ein Gefäß, das jeder mit eigenem Inhalt füllt. Ich glaube, dass in einem Konzertsaal, in dem ein Stück gespielt wird, im Publikum gleichzeitig hunderte unterschiedliche Interpretationen und Assoziationen dazu entstehen. Jeder empfindet die Musik anders, auch wenn sie aus nur einer einzigen Quelle kommt. Ein Moment extremer Intimität in einem Raum voller Pluralität und Anonymität – das ist die Schönheit eines Konzertes.

Beim Festival »Elbphilharmonie Visions« wird zeitgenössische Orchestermusik so kompakt und prominent aufs Programm gesetzt wie wohl in keinem anderen Konzerthaus auf der Welt – an neun Abenden erklingen 18 Werke von 18 Komponist:innen. Finden Sie das sinnvoll, oder halten Sie das für die falsche Strategie?

Ich glaube, es ist ein effektiver Weg, um in kurzer Zeit einen Überblick darüber zu bekommen, wie unterschiedlich Neue Musik sein kann, je nach geografischem oder sozialem Hintergrund, nach persönlichen Erfahrungen oder auch Ausbildung ...

Es sollte jedoch keine regelmäßige Beschäftigung mit der Neuen Musik ersetzen. Ich persönlich ziehe musikalische Zeitreisen zwischen den Komponist:innen verschiedener Epochen vor, um den historischen Hintergrund mit einzubeziehen. Aber auch in einem Konzert mit ausschließlich Neuer Musik reisen wir in Zeit und Raum. Nur eben in einem kleineren Rahmen.

Was braucht die Neue Musik, um die Liebe des Publikums zu gewinnen? 

Sie muss regelmäßig und vor allen Altersklassen gespielt werden, authentisch sein und es braucht großartige Musizierende, die die Werke mit ihrer persönlichen Interpretation bereichern. Allerdings muss nicht jeder Mensch Neue Musik lieben – jede Art der Berührung ist wertvoll. Liebe kann süß und Liebe kann grausam sein.  

Was wäre Ihr Traum vom Konzertleben – heute und in der nahen Zukunft? 

Mein Traum wären frei zugängliche Konzerte für alle Menschen. Wie ein Grundrecht. Ein realistischerer Traum wäre, dass jeder Mensch, unabhängig von seinem sozialen Hintergrund, regelmäßig Konzerte besuchen könnte, um diese magischen und sehr persönlichen Momente zu erleben, die Musik uns geben kann. Ich bin davon überzeugt, dass Musik jede und jeden berühren kann und das Leben bereichert – das ist für mich das Entscheidende.

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