Lisa Wulff

Lisa Wulff im Portrait

Die tiefen Töne der Freiheit: Die Hamburger Bassistin Lisa Wulff denkt nicht zu viel darüber nach, was man von ihr erwartet.

Text: Jan Paersch, Dezember 2025

Es ist ein Heimspiel und doch auch ein Debüt: Als Headlinerin hat Lisa Wulff noch nie in der Elbphilharmonie gespielt. »Das ehrt mich sehr«, sagt die Hamburger Bassistin im Auto sitzend, unterwegs zu einem Konzert. »Ich bin oft mit anderen dort aufgetreten, aber noch nie mit eigener Band. Ich bin ja Hamburg sehr verbunden, und dann in diesem Haus ein Release-Konzert …«

»Hamburg verbunden« – das ist noch tiefgestapelt. Lisa Wulff wurde hier nicht nur geboren, 1990 war das, hat hier nicht nur Abitur gemacht und an der Hochschule für Musik und Theater studiert. Vor allem prägt sie mit ihren tiefen Tönen und ihren Kompositionen seit mehr als einem Jahrzehnt die Jazzszene der Stadt mit. Dafür gab es schon 2019 den Hamburger Jazzpreis. In der Begründung hieß es, sie sei »ein verlässlicher, energetischer Ruhepol und zugleich inspirierender Motor«. Da spielte sie bereits fest in der Band der Jazzlegende Rolf Kühn.

Jazz Bass :Saison 2025/26

Das Fundament jeder Band, das stets lässige Eleganz ausstrahlt, aber auch solo eine große Nummer: In der Saison 2026/26 feiern fünf Konzerte den Jazz Bass, mit echten Stars dieses Fachs.

Lisa Wulff auf Rolf Kühns Album »Fearless«
Lisa Wulff
Lisa Wulff Lisa Wulff © Anne de Wolff

Gute Musik mit guten Leuten

Dabei galt Wulffs Liebe schon immer gleichermaßen dem Pop, angefangen im Keller ihres Elternhauses. »Ich habe da viel Zeit mit meinem Bruder verbracht und E-Bass gespielt, vor allem Funk und Soul«, erinnert sie sich. »Die verschiedenen Lager E- und U-Musik habe ich noch nie verstanden. Ich nehme mir bei meiner Musik die Freiheit, das zu machen, was ich will und was mich interessiert: nämlich gute Musik mit guten Leuten zu spielen. Egal, welches stilistische Label am Ende darauf klebt.«

Unabhängigkeit und Spontaneität prägen auch Wulffs neues Projekt. Kaum stand der Termin fürs Konzert in der Elbphilharmonie fest, beraumte die Bandleaderin kurzfristig eine Studio-Aufnahmesession ein. »Hand aufs Herz« wird ihr neues, Anfang 2026 erwartetes Album heißen. Im Quartett, Quintett oder gar Sextett? Numerologie ist zweitrangig – wichtig waren Wulff dieses Mal die E-Gitarren: »In meiner Band gab es schon zwei Schlagzeuger und zwei Saxofonisten, und nun sind es eben zwei Gitarristen.«

»Ich hatte nie einen Hang dazu, darüber nachzudenken, was man von mir erwartet«, sagt Wulff unbeschwert. »Es gab zuletzt einige Umbrüche in meinem Leben – und in der Musik. Die Gitarrenfarbe hat mich schon immer fasziniert. Es fühlt sich nach einem Befreiungsschlag an, so einem Impuls nachzugehen.«

»Ganz nah an mir dran«

Und der Kontrabass? Lisa Wulff gerät ins Schwärmen. »Er ist körperlich ganz nah an mir dran. Dieser warme Klang, und diese Möglichkeiten! Er hat eine unglaubliche Bandbreite, von hohen Flageoletts bis hin zu tiefen Grooves. Diese Vielseitigkeit begeistert mich immer noch.«

Ihre Bass-Kollegin Meshell Ndegeocello ist übrigens ein entscheidender Grund dafür, warum Wulff ihr Instrument auch über die heimischen Keller-Sessions hinaus weiterverfolgte. »Sie war eine totale Inspiration, und zwar nicht, weil sie eine Frau ist. Ich besaß anfangs nur eine gebrannte CD von ›Plantation Lullabies‹ und wusste gar nicht, wer da spielt. Nein, es sind ihre Tiefe im Spiel und dieser Groove – das begeistert mich bis heute.«

 

Dieser Artikel erschien im Elbphilharmonie Magazin (Ausgabe 1/26)

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