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Telemanns Oper »Miriways«

Beim Telemann-Festival in Hamburg wurde das Werk nach fast 300 Jahren wieder aufgeführt.

Eine sagenhafte Eroberung, verbotene Liebe und die Exotik des Orients – der Komponist Georg Philipp Telemann packte brandaktuelles Weltgeschehen und ordentlich Zündstoff in seine 1728 in Hamburg uraufgeführte Oper. Grund genug, sie zum 250. Todestag des Barockkomponisten wieder zurück nach Hamburg zu bringen.

Das Telemann-Festival, das am 24. November mit der Oper »Miriways« eröffnet wurde, dauert noch bis zum 3. Dezember.

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Als Kantor und Musikdirektor der fünf Hamburger Hauptkirchen sollte Telemann vor allem Kirchenmusik liefern. Das tat er auch fleißig – mit ungefähr 1750 Kirchenkantaten, 16 Messen und über 40 Passionen kann ihm in Sachen Produktivität kein großer Komponist das Wasser reichen. Als Leiter der Oper am Gänsemarkt juckte ihn aber auch die Theaterliebe in den Fingern und er schrieb Opern, in denen es hoch (und heiß) her ging. So auch in »Miriways«.

»Rebellion in Persien«!

Hamburg, 1723: Die Zeitungen sind voll mit brandaktuellen Neuigkeiten aus dem Orient. Ein gewisser Miriways, ein afghanischer Stammesfürst, soll Persien erobert haben. Gefundenes Fressen für Telemann, der an Plänen für eine neue Oper sitzt. Fünf Jahre später wird sein neues Werk »Miriways« in der Oper am Gänsemarkt aufgeführt. Die Vorgänge in Persien nimmt sie zwar als aktuellen Aufhänger, die eigentliche Handlung ist aber frei erfunden.

Die Handlung der Oper

Miriways, der afghanische Stammesfürst, hat die feindlichen Perser besiegt und könnte jetzt eigentlich seine Herrschaft antreten. Nicht in der Oper: Hier ist Miriways ein gütiger Herrscher. Um die Selbstständigkeit der Perser zu wahren, bietet er Sophi, dem Sohn des von ihm gestürzten Feindes, den persischen Thron an. Unter einer Bedingung: Sophi soll Miriways verschollene Tochter heiraten.

Macht, Liebe und ein uneheliches Kind

Sophi schlägt das Angebot aus. Er liebt nämlich Bemira, deren Herkunft unbekannt ist. Doch Miriways bleibt hart: Er will Sophi zur Vernunftehe zwingen. Und das, obwohl er als junger Mann selbst gegen seinen Willen verheiratet wurde. Seine uneheliche Tochter hatte er damals weggeben müssen.

Ein großes, wirres Beziehungsknäuel; Liebe gegen Staatsinteresse – und jetzt? Telemann hat ein Hintertürchen offengelassen. Die zwei potentiellen Ehefrauen, einerseits die Geliebte Sophis und andererseits Miriways Tochter, erweisen sich als ein und dieselbe Person: Bemira. So kommt das Familiendrama doch noch zum Happy End!

Die Laeiszhalle ist der ideale Raum, Hamburg die ideale Stadt für eine solche Aufführung.

Bernhard Forck, Akademie für Alte Musik Berlin

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Warum Telemann?

Kein Künstler prägte Hamburgs Musikgeschichte so lange und so nachhaltig wie Telemann – fast 50 Jahre lang war er für die Musik der Hansestadt verantwortlich. Ob virtuose italienische Arien, französische Tänze, strengen Kontrapunkt oder polnische Volksmusik, der Wahl-Hamburger beherrschte die europäischen Stile aus dem Effeff. Kaum ein Komponist war seinerzeit so vielfältig und weltoffen. Zu seinem 250. Todestag erinnert das Hamburger Telemann-Festival noch bis zum 3. Dezember mit vielen Konzerten an den »ungekrönten König aller Musik« (Die Welt).

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