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Hamburg very British

Idyllische Parks, ein Festival und die besten Scones: sieben britische Hotspots in Hamburg

Dass man in Hamburg die Regenschirme aufspannt, wenn es in London regnet – mit diesem Spruch schwärmte vor vielen Jahren Michael Savory, damals Bürgermeister der britischen Hauptstadt, bei einem Besuch an der Elbe. Und damit meinte er natürlich nicht, dass die Hamburger bei ihrer Accessoire-Wahl besonders vorausschauend in Bezug auf das Wetter sind, sondern dass es schon seit vielen Jahrhunderten eine sehr enge Verbindung zwischen den beiden Städten gibt.

Mitte des 15. Jahrhunderts entstand das erste Hamburgische Handelskontor in London, der sogenannte »Stalhof«, da gab es schon die hanseatische Englandfahrer-Bruderschaft. In der Londoner Börse wurden über Jahrzehnte hinweg Plätze für Hamburger Kaufleute reserviert, 1926 installierte die »British American Tobacco Co« ein wichtiges Büro in Hamburg. Heute heißt es, Hamburg sei die britischste aller deutschen Metropolen. Und das liegt neben den ins Auge fallenden geographischen Gemeinsamkeiten mit London vor allen an folgenden sieben britischen Besonderheiten:

Britain Calling

Das britische Festival in der Elbphilharmonie vom 6. bis 16. Oktober 2019

Zum Festivalprogramm

Sieben britische Hotspots in Hamburg

1. Der Jenischpark

Entlang der Elbchaussee entstanden ab den 1770er Jahren eine Reihe von Parkanlagen im damals modernen Stil des englischen Landschaftsgartens. Hier wellte sich sanft der grüne Rasen, unterbrochen von kleineren Wäldchen, die den über die geschwungenen Wege wandelnden Besuchern immer wieder landschaftliche Überraschungen enthüllten. Öffentlich zugänglich oder überhaupt noch erhalten sind leider nur wenige dieser Gärten. Einer der ersten war die vom Kaufmann Caspar Voght gegründete und von dem Schotten James Booth gestaltete Flottbeker Farm. Der südliche Teil dieses Parks wurde 1939 als Jenischpark öffentlich zugänglich und erinnert landschaftlich tatsächlich ein bisschen an die West Midlands.

Wie hinkommen? S-Bahn S1 / S11 bis Klein Flottbek Botanischer Garten, von dort 10 Minuten Fußweg
Adresse: Elbchaussee, Höhe Holztwiete, 22609 Hamburg

Mehr zum Jenischpark
Der Jenischpark
Der Jenischpark © daspunkt

The Fairest Isle

Noch mehr Erstaunliches über die Briten verrät das aktuelle Elbphilharmonie Magazin (Ausgabe 3/2019) – zum Beispiel, wie der Brexit­-Alltag britische Musiker herausfordert.

Hier die aktuelle Ausgabe bestellen

2. Event: British Flair

Jedes Jahr Anfang August verwandelt sich der Polo Club Hamburg in Klein Flottbek in ein kleines britisches Reich, das keine Wünsche offenlässt. Hier kann man alles kaufen, um es auch zu Hause so richtig schön englisch einzurichten, es gibt Hütehunde-Vorführungen, Gummistiefelweitwurf, Dudelsack-Kapellen, Falkner-Vorführungen, schottische Tänze zum Mitmachen – einfach alles, was das britische Herz begehrt. Und die Krönung ist natürlich das samstagabendliche Freiluft-Konzert, bei dem traditionell der Picknick-Korb geplündert und mit voller Inbrunst »Rule, Britannia!« mitgegrölt wird.

Wann? Jedes Jahr im Sommer, nächstes Mal voraussichtlich am 8. und 9. August 2020
Wie hinkommen? S-Bahn S1 / S11 bis Klein Flottbek (Ausgang Botanischer Garten)
Adresse: Polo Club Hamburg, Jenischstraße 26, 22609 Hamburg

Mehr über British Flair
British Flair
British Flair © Das AgenturHaus GmbH

3. Rugby

Fünf Rugby-Vereine gibt es hier, darunter die Eimsbütteler Koalas und die Rugby-Abteilung des HSV, die laut eigener Aussage seit 1925 besteht und somit die älteste unter den Hamburgern ist. Vermutlich wird in der Hansestadt aber schon viel länger Fußball nach den Regeln von Rugby gespielt: Erste Erwähnungen finden sich Mitte des 19. Jahrhunderts und damit bereits kurz nach der Erfindung der Sportart in der gleichnamigen Stadt in der englischen Graftschaft Warwickshire.

Wann und wo? Während der Saison kann man jedes Wochenende bei den Heimspielen in der Rugby Arena im Stadtpark anfeuern und mitfiebern.
Wie hinkommen? S-Bahn S1 / S11 bis Stadtpark / Alte Wöhr
Adresse: Saarlandstraße 71, 22303 Hamburg

Mehr zu Rugy in Hamburg
Rugby-Mannschaft St. Pauli (braun-weiß)
Rugby-Mannschaft St. Pauli (braun-weiß) © Albingia (Wikimedia Commons)

4. English Theatre

Das kleine Theater im ersten Stock des Hammonia-Bads wurde 1976 von zwei amerikanischen Regisseuren gegründet und ist somit das älteste professionelle englischsprachige Theater in Deutschland. Hier kann man sich neben den Shakespeare-Klassikern auch Stücke anschauen, die an den berühmten Londoner Musical-Theatern großen Erfolge feierten. Und wen es selbst auf die Bühne drängt: Es gibt auch viele Laien-Gruppen, die englische Stücke im Original proben und aufführen, allen voran »The Hamburg Players« und die »University Players«.

Wann? Die Saison beginnt jeweils Anfang September
Wie hinkommen? U3 bis Mundsburg
Adresse: Lerchenfeld 14, 22081 Hamburg

Mehr zum English Theatre
English Theatre
English Theatre © English Theatre

5. Kittel’s – Fine British Goods

Da die »British Flair« (Punkt 2) ja grade vorbei ist, muss, wer dringend wieder Mint Sauce oder Lemon Curd braucht, nach Hoheluft-West reisen. Denn bei Kittel’s gibt es nicht nur alles für die lukullischen Genüsse, sondern auch englische Möbel, Seifen, Zahnpasta, Alkoholika, Bücher, Geschenke und vieles mehr. Und wie früher, als er mit seiner Mutter die Familie in England besuchte, bringt Alexander Kittel, der den Concept Store 2016 eröffnete, auch heute nur die besten Dinge aus seiner zweiten Heimat mit.

Öffnungszeiten: Di-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-18 Uhr. Tee und frische Scones gibt’s nach Voranmeldung
Wie hinkommen? U3 bis Eppendorfer Baum
Adresse: Lehmweg 47, 20257 Hamburg

Mehr zu Kittel’s
Alexander Kittel
Alexander Kittel © Henrik Lüders

6. Well-dressed bei Conrad Hasselbach

Nicht weit vom Kittel’s gibt es bei Conrad Hasselbach die Möglichkeit, sich ganz englisch auf Vordermann bringen zu lassen. Der ursprünglich als Herrenausstatter gestartete Eigentümer, der mittlerweile auch Damenkleidung und -schuhe im Sortiment hat, verkörpert selbst bis ins kleinste Detail jenen hanseatisch-britischen Schick, der den Engländern selbst vermutlich etwas zu gediegen wäre, an der Elbe aber sehr gut ins Bild passt. Field Coat, Brogues, dazu eine Flat Cap – so hett dat Schick.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr
Wie hinkommen? U1 bis Klosterstern
Adresse: Klosterstern 2, 20149 Hamburg

Mehr über Conrad Hasselbach
© Conrad Hasselbach

7. Eaton Place & Lühmanns Teestube

Fingersandwiches, Scones, Petit Four, etwas prickelndes Alkoholisches dazu und natürlich Tee. So sieht vermutlich nicht nur ein stilechter Afternoon Tea bei Her Royal Majesty aus, sondern auch im Eaton Place in Bahrenfeld. Seit 2018 gibt es hier nicht nur Afternoon Tea, High Tea mit Live Musik und Jane-Austen-Lesungen, sondern auch die besten Scones der Stadt. Sagen die einen, während die anderen auf Lühmanns Teestube in Blankenese schwören. Am besten probiert man beide aus und entscheidet dann selbst.

Eaton Place:
Öffnungszeiten:
Di-So 10-20 Uhr
Wie hinkommen? S1, S2 oder S3 nach Altona, von dort 500 Meter Fußweg
Adresse: Bahrenfelder Straße 80-82, 22765 Hamburg

Mehr über Eaton Place

Lühmanns Teestube:
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 9-20 Uhr, So 10-20 Uhr
Wie hinkommen? S1 / S11 bis Bahnhof Blankenese, von dort 5 Minuten Fußweg
Adresse: Blankeneser Landstraße 29, 22587 Hamburg-Blankenese

Mehr zu Lühmanns Teestube

Text: Renske Steen

Titelbild © Das AgenturHaus GmbH

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