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Chor zur Welt

Sänger aus über 15 Ländern singen gemeinsam über das Thema »Heimat«.

Heimat ist nicht zwangsläufig an einen Ort gebunden, Heimat kann auch ein Gefühl sein – da sind sich die Sänger des »Chor zur Welt« einig. Sie alle wohnen in Hamburg, einge seit ihrer Geburt, andere erst seit sie das Land, in dem sie groß geworden sind, verlassen mussten. »Heimat« war dann auch das Thema ihres letzten Konzerts. Hierfür kombinierten sie vier Lieder aus Franz Schuberts »Winterreise« mit passenden Stücken aus dem arabisch-türkischen Raum.

Heimat – was genau ist das?

Eindrücke vom Konzert am 18. März 2018:

Chor zur Welt

Eine »orientalische Winterreise«

Heimat, Heimatlosigkeit, Schicksal, Migration – das sind Themen, die Franz Schubert in seinem berühmten Liedzyklus Winterreise verarbeitet hat und die dem Werk eine erstaunliche Aktualität verleihen. Die Hauptfigur ist ein einsamer Wanderer, der durch Kälte und Eis irrt. Seine Reise ist keine gewöhnliche, sie hat kein Ziel, sie findet kein Ende. Der durchgängig dunkle Ton macht klar: Die Liebe ist zerbrochen, das Glück dahin.

Im Konzert erklangen Schuberts Lieder abwechselnd mit türkischen Stücken um Sehnsucht, Heimat und Liebe, wie dem berühmten arabisch-andalusischen »Lamma Bada Yatathenna«.

Der Chor zur Welt

Und plötzlich standen da 60 Teilnehmer

Ilka Berger

Der Chor zur Welt der Elbphilharmonie wurde im Herst 2016, wenige Monate vor der Eröffnung des neuen Konzerthauses, mit Blick auf das Elbphilharmonie-­Festival Salām Syria gegründet. Entsprechend richtete er sich zunächst primär an Syrer und Deutsche. »Wir wussten überhaupt nicht, wer da kommen würde«, erzählt Ilka Berger, die das Projekt koordiniert. »Und plötzlich standen da 60 Teilnehmer.« Eigens für dieses erste Treffen war die syrische Sängerin Dima Orsho nach Hamburg gekommen. Sie stimmte gleich einmal ein syrisches Volkslied an – und sofort sang die eine Hälfte des neuen Chors leidenschaftlich mit. Für Nidal Osman, der aus Damaskus nach Hamburg kam und hier als Informatiker arbeitet, war das ein sehr emotionaler Moment: »Als Dima anfing zu singen, bekam ich Gänsehaut. Viele hatten Tränen in den Augen. Spätestens da stand für mich fest: Hier mache ich definitiv mit.«

Bundespräsident ist begeistert

Seitdem hat der Chor fleißig im Wochenrhythmus geprobt und ist nicht nur beim Festival Salām Syria aufgetreten, sondern auch bei der Körber-Stiftung, bei der Langen Nacht des Singens in der Elbphilharmonie und sogar vor Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Arabisch in Lautschrift

Das Repertoire des Ensembles hat sich ebenso erweitert wie die Zusammensetzung: Der Chor vereint derzeit etwa 60 Laien­sängerinnen und -sänger aus 15 Ländern. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Jörg Mall; sein Assistent Rami Olsen kümmert sich mithilfe der Muttersprachler um die Details der Aussprache. Beides ist wichtig, denn der Chor singt sowohl Lieder aus dem türkisch-arabischen Raum als auch aus Europa. Die arabischen Texte werden für die deutschen Chormitglieder in Lautschrift notiert. »Für die Syrer ist das natürlich ein Heimspiel«, lacht Ilka Berger. Andersrum war für viele syrische Teilnehmer der mehrstimmige Chorgesang anfangs eine neue Erfahrung, sie sind einstimmiges Singen gewohnt.

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