Sete Lágrimas
Video on demand from 30 May 2021
available until 30 May 2022

Magellan’s Journey: The Last Ship

2021 festival: With its programme »The Last Ship«, the Portuguese ensemble Sete Lágrimas follows explorer Ferdinand Magellan as he becomes the first man to sail around the world.

10 August 1519 saw the beginning of one of humanity’s greatest adventures: Fernando Magellan, a seafarer in the service of the Spanish crown, embarked with a fleet to make the first circumnavigation of the globe. He took the writer Antonio Pigafetta with him, who – unlike Magellan himself – survived the trip. Pigafetta’s famous travel journal provides the basis for this musical and literary evening entitled »The Last Ship«, presented by the Portuguese Baroque ensemble Sete Lágrimas to mark the 500th anniversary of Magellan’s death.

On the musical journey from Seville, Argentina and Brazil to India and the Spice Island, we hear vocal and instrumental pieces from Spain and Italy, but also from distant lands like China. And of course the concert features extracts from Pigafetta’s memoirs, describing a venture lasting several years with hunger and death as companions.

Note: English subtitles available. Click on the video settings to activate.
 

An overview of all 2021 festival concerts.

Sete Lágrimas im Interview :Ensemblemitglieder Filipe Faria und Sergio Peixoto im Gespräch über ihr Programm

Für die deutschen Untertitel, einfach im Video auf die Einstellungen gehen und die gewünschte Sprache anwählen.

Performers

Sete Lágrimas

Filipe Faria vocals
Sérgio Peixoto vocals
Sofia Diniz viola da gamba
Tiago Matias theorbo, baroque guitar
Juan de la Fuente Alcón percussion

Programme

»The Last Ship«

A musical journey from Italy via Brazil to Timor – follows explorer Ferdinand Magellan as he becomes the first man to sail around the world (1519–1522), after the report by Antonio Pigafetta »The First Voyage Around the World«.

Duration: approx. 65 minutes

Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus
Sete Lágrimas Sete Lágrimas © Daniel Dittus

IM ANFANG WAR DAS GEWÜRZ :Zum Programm

Die Weltgeschichte ist eng verknüpft mit der Geschichte der Entdeckungen. Zu allen Zeiten sind Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen in unbekannte Gefilde aufgebrochen, mal wurden sie vertrieben, mal fanden sie neue Wege für ihre Waren, mal wollten sie ihre Religion verbreiten, ihre Macht ausdehnen. Oder sie suchten in fernen Ländern nach begehrten Rohstoffen und exotischen Kostbarkeiten. Die mehr oder weniger freiwilligen Begegnungen einander fremder Völker und Kulturen durch solche Exkursionen hatten weitreichende Folgen, denn die neuen Erfahrungen beeinflussten und veränderten beide Seiten: Entdecker und Entdeckte. Und zwar nicht nur deren Speisepläne und soziale Gepflogenheiten, sondern auch kulturelle Äußerungen und Rituale wie Tanz, Musik, Literatur, Theater und bildende Kunst.

Phänomene der seit Jahrtausenden andauernden kulturellen Durchmischung, der daraus erwachsenden gegenseitigen Inspiration und fruchtbaren Integration sind immer wieder als Nachweis der einenden und bereichernden Kraft von durchlässigen Kulturtechniken bewertet worden, als Beschleuniger der Modernisierung durch fremde Einflüsse. Labels wie »Schmelztiegel der Kulturen« gelten als Gütesiegel besonders vielfältiger Lebenswelten und Kulturszenen.

Im Zuge des postkolonialen Diskurses, der auf der Debatten-Agenda gegenwärtig weit oben steht, melden sich jedoch auch kritische Stimmen zu Wort, die den Kulturtransfer nicht als fröhliche und absichtslose Durchmischung verstehen, sondern von »kultureller Aneignung« (»cultural appropriation«) sprechen. Diese Kritik an als dominant bezeichneten Kulturen, die sich kulturelle Errungenschaften von Minderheiten aneignen, verweist auf den unbestreitbaren Gewaltzusammenhang jeder Form von entdeckenden Eroberungen, der bis in die unmittelbare Gegenwart nachhallt.

Ferdinand Magellan
Ferdinand Magellan © Andre Thevet / Wikimedia

Tatsächlich sind oft schon die treibenden Kräfte für Entdeckungen ambivalent – wie bei jenem Abenteuer, zu dem am 10. August 1519 der Portugiese Fernão de Magalhães, besser bekannt als Ferdinand Magellan, in Diensten der spanischen Flotte aufbrach. Denn es war keineswegs nur Magellans heroischer Mut, mit der ersten Weltumrundung das Dogma des ptolemäischen Weltbildes zu widerlegen, der die Flotte auf ihren riskanten Kurs brachte. Der Beweis, dass die Erde eine Kugel ist, war nur ein Nebeneffekt von Magellans Reise, die eigentlich einem handfesten ökonomischen Ziel folgte: Man wollte einen westlichen Seeweg zu den Gewürzinseln im heutigen Indonesien finden und damit das herrschende osmanische Monopol über den Gewürzhandel brechen. In der Frühen Neuzeit wurden Pfeffer, Muskat und Nelken mit Gold aufgewogen.

Der Schriftsteller Stefan Zweig hat diesen Zusammenhang in seiner Roman-Biografie »Magellan« (1938) treffend verdichtet: »Hinter den Helden jenes Zeitalters der Entdeckungen standen als treibende Kräfte die Händler; auch dieser erste heroische Impuls zur Welteroberung ging aus von sehr irdischen Kräften – im Anfang war das Gewürz.« Und auch wenn in Zweigs Buch die heute als rassistisch empfundenen Klischees seiner Zeit deutlich werden, schildert er doch ganz unverhohlen die Dynamik jedweder Kolonialisierung: »Die ersten portugiesischen Schiffe, die den Tejo hinabsteuerten in die unbekannte Ferne, hatten der Entdeckung gedient, die zweiten suchten noch friedlichen Handel mit den neuerschlossenen Gebieten. Die dritte Flotte wird bereits kriegerisch ausgerüstet – unabänderlich (…) hebt jener dreiteilige Rhythmus an, der das ganze nun beginnende Kolonialzeitalter beherrschen wird.«

Zweigs Magellan-Buch stützt sich auf die Aufzeichnungen des Schriftstellers Antonio Pigafetta, der bei der Expedition an Bord war und die mehr als drei Jahre dauernde Weltumseglung dokumentierte – eine Reise übrigens, die Magellan selbst nicht überlebte, denn er starb 1521 bei einer Auseinandersetzung mit Eingeborenen der Philippinen.

Antonio Pigafetta
Antonio Pigafetta © Wikimedia Commons

Pigafettas berühmter Reisebericht – weitaus nüchterner und unvoreingenommener im Ton als Zweigs Roman – bildet nun den Rahmen für den musikliterarischen Abend »Das letzte Schiff«, den das portugiesische Barockensemble Sete Lágrimas anlässlich von Magellans 500. Todestag kreierte.

 

»In Europa hatte man durch portugiesische Seefahrer wie Magellan Kontakt zu Musik vieler Länder und Kulturen. Die portugiesische Seele wurde zweifellos geprägt von diesen Begegnungen, von der Hoffnung auf bessere Tage und auf die Rückkehr in die Heimat, von den Klängen und Gerüchen anderer Länder.«

Filipe Faria

 

Dieses Programm folgt Pigafettas Erzählung und der abenteuerlichen Reiseroute von Sevilla über Argentinien und Brasilien bis nach Indien und zu den Molukken-Inseln. In Vokal- und Instrumentalstücken erforscht das Ensemble Interpretationsformeln der populären und klassischen Musik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Das Repertoire reicht dabei vom portugiesischen Fado und iberischen Villancico über brasilianischen Chorinho und kapverdische Mornas bis hin zu traditionellen Liedern aus Timor, Macau, Indien und Brasilien.

»Das letzte Schiff« ist Teil eines größeren Projekts mit dem Titel »Diaspora«, dem sich Sete Lágrimas seit 2007 widmen und das sich auf die Musik aller Länder konzentriert, die seit dem 15. Jahrhundert Kontakt mit Portugal hatten. »Es geht um Erinnerungen an diese Begegnungen – musikalisch, sprachlich, stilistisch –, die in der Musik dieser Länder und in Portugal überlebt haben«, sagt der Tenor und Ensembleleiter Filipe Faria. »Es geht um Phänomene der gegenseitigen Kontamination, sowohl durch den Export von Modellen, Formen und Inhalten als auch durch deren Rückkehr. Es ist ein riesiges Recherche-Unternehmen, das oszilliert zwischen der Herausforderung pulsierender künstlerischer Freiheit und dem Respekt vor den historischen Quellen.«

Text: Regine Müller

Supported by the Kühne Foundation, the Hamburg Ministry of Culture and Media, Stiftung Elbphilharmonie and the Förderkreis Internationales Musikfest Hamburg

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