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Video on demand vom 11.04.2020

Elphi at Home: Majid Derakhshani

Ein Meister der klassischen persischen Musik im Konzertstream.

Video verfügbar bis 11.04.2030

Beim Osterfestival »Seidenstraße« hätte Majid Derakhshani zusammen mit dem Sänger Alireza Ghorbani und seinem Ensemble persische Liebeslieder präsentieren sollen. Nach der Absage des Festivals war er aber im Streamkonzert aus der leeren Elbphilharmonie zu erleben. Derakhshani spielt die Langhalslaute Tar und wird begleitet von Saeid Zamani an der Santur.

Majid Derakhshani

Der 1957 in der nordiranischen Provinz Sangesar geborene Majid Derakhshani gehört zu den bedeutendsten Musikern seines Landes. Er studierte Kunst, Saiteninstrumente und Komposition in Teheran, produzierte über 34 Alben und spielte auch außerhalb des Iran auf großen Festivals. Er gründete das international erfolgreiche Shahnaz Ensemble, außerdem ein Musikzentrum für persische Musik in Köln. Derakhshani trägt den ehrwürdigen Titel »Ostad«, der ihn als Meister seines Instruments auszeichnet. In seinen Kompositionen konzentriert er sich auf die Pflege der klassischen persischen Musik und mischt sie zugleich mit europäischen Einflüssen. Da ihm wegen seiner Zusammenarbeit mit weiblichen Musikerinnen, die im Iran nicht öffentlich auftreten dürfen, ein Einreise- und Berufsverbot erteilt wurde, lebt er mittlerweile in Hamburg.

Majid Derakhshani

Zur Musik

Die klassische persische Musik funkelt im Zentrum der Seidenstraße wie eine große Schatzkiste. Darin liegen seit über 1000 Jahren zwölf kleinere Truhen, Dastgah genannte Skalen mit einer ganz bestimmten Stimmung. Diese Truhen wiederum sind prall gefüllt mit Hunderten von Perlen, kurzen Melodiefloskeln mit Namen Guscheh. Die ganze Schatzkiste dieser klassischen persischen Musik heißt Radif.

Wer ein Meistermusiker (ein Ostad) wie Majid Derakhshani werden möchte, der muss den Radif in all seinen glitzernden Bestandteilen auswendig kennen. Von einer herkömmlichen Schatzkiste unterscheidet der Radif sich jedoch dadurch, dass mit jedem Schatzsucher Wert und Fülle steigen: Aus dem Moment herausschöpfend bringt ein Musiker wie Derakhshani die Schmuckstücke immer wieder anders zum Aufscheinen, poliert sie mit neuen Ideen der Verzierung und Improvisation, fügt auch mal ein paar neue Goldstücke seiner eigenen Prägung hinzu, krönt das alles durch Virtuosität.

Ganz wesentlich ist für diese Schatzsuche auch der Weg: Anders als in der abendländischen Klassik mit ihren fast immer klar definierten Intervallen und linearen Melodiefortschreitungen, geht es hier darum, den gewundenen Weg von einem Ton oder Sinnabschnitt zum anderen auszukosten, dem Raum, auch der Stille zwischen ihnen nachzuhorchen. So ergeben sich kunstvolle Suiten in jeweils einem bestimmen Dastgah, die am Ende oft durch ein Tasnif, ein Lied beendet werden.

Anders als in der abendländischen Klassik geht es hier darum, den gewundenen Weg von einem Ton zum anderen auszukosten, dem Raum zwischen ihnen nachzuhorchen.

Majid Derakhshani
Majid Derakhshani © Ali Bahrami / Sara Sabaghian

Die Langhalslaute Tar

Die Langhalslaute, die im Iran (darüber hinaus auch in Aserbaidschan) gespielt wird, entwickelte sich vor ca. 250 Jahren. Sie hat einen weitaus kräftigeren, voluminöseren Klang als die ältere Setar und ist im Gegensatz zu ihr für das Spiel vor größerem Publikum geeignet. Der Resonanzkörper vereint zwei Herzen zu einer »8«, eine Form, die sich oft in der persischen Architektur wiederfindet. Die Tar ist aus Maulbeerbaumholz gefertigt, aus Schafhaut die Bespannung der Decke. Ihr Tonumfang beträgt ungefähr zweieinhalb Oktaven über sechs Stahl- oder Kupfersaiten, das Spiel erfolgt auf Bünden und mit Plektrum.

Majid Derakhshani & Saeid Zamani
Majid Derakhshani & Saeid Zamani
Majid Derakhshani & Saeid Zamani
Majid Derakhshani

Texte: Stefan Franzen / Francois Kremer, Stand: 8.4.2020

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