Mit seinen gleichzeitig intellektuell reflektierten wie emotional tief durchdrungenen Interpretationen, seinem gesellschaftlichen Engagement und seiner mutigen politischen Stimme für Gleichberechtigung hat Levit sich auf und jenseits der Konzertbühne großen Respekt verschafft. Und über den fantastischen Beethoven-Interpreten und musikalischen Anwalt der Völkerverständigung wäre sicherlich auch Béla Bartók selbst begeistert gewesen. Für viele gilt das dritte und letzte Klavierkonzert – kurz vor dem Tod des Komponisten im Jahr 1945 entstanden – als Summe von Bartóks Schaffen. Schon der bestechend schöne, schlichte, melodische Beginn des Werks gibt die Richtung vor: »Es hat ein wunderbares inneres Gleichgewicht, ist voll Humor, in sich vollends erfüllt«, beschrieb der amerikanische Pianist György Sándor das Dritte Klavierkonzert.
Umrahmt wird das Klavierkonzert von zwei Werken aus Bartóks späterer Schaffensphase: Das Divertimento für Streichorchester entstand 1939 im Auftrag von Paul Sacher als letztes Werk in der ungarischen Heimat des Komponisten, bevor dieser ins Exil in die USA floh. Bartók orientierte sich an der barocken Form des »Concerto grosso«, das durch den typischen Wechsel aus solistischen und Tutti-Passagen gekennzeichnet ist. Wer allerdings einen Abklatsch von Vivaldi, Bach und Co. erwartet, hat die Rechnung ohne Bartók gemacht: Rhythmische Akzente, volkstümliche Charaktere und dynamische Kontraste verleihen der Musik einen typisch Bartók’schen, zwischen Tradition und Moderne vermittelnden Anstrich.
Und Ähnliches lässt sich auch über das berühmte »Konzert für Orchester« sagen, das der Exilant in den USA für Serge Koussevitzky und sein Boston Symphony Orchestra schrieb: Von Anklängen an ungarische Volksmusik über Zitate aus E- und U-Musik seiner Zeit bis hin zu einem hörbar »jazzy« angehauchten Finale reicht der Bogen in diesem virtuosen Stück, dem man überhaupt nicht anhört, dass sein angekränkelter Urheber eigentlich schon mit dem Komponieren aufhören wollte.