»A House of Call«

»Ich reagiere auf das, was ich höre«

Hintergründe zu Heiner Goebbels »A House of Call. My Imaginary Notebook«.

»Ich bin kein Virtuose im Umgang mit großen Partituren«, meint Heiner Goebbels. Er suche stattdessen nach Möglichkeiten, Dinge im direkten Austausch mit Musikerinnen und Musikern auszuprobieren. Wie passend also, dass der Komponist für sein aktuelles Großprojekt »A House of Call. My Imaginary Notebook« ausgerechnet mit dem experimentierfreudigen Ensemble Modern Orchestra zusammenarbeitet.

Schon während des Schaffensprozesses traf er sich mehrfach mit den Frankfurter Neue-Musik-Spezialisten, mit denen ihn eine jahrzehntelange künstlerische Partnerschaft verbindet. In sogenannten »Try-Outs« näherten sich der Komponist und die Musiker dem Werk gemeinsam an. »Ich kenne kein Ensemble, mit dem man so viele Möglichkeiten hat«, schwärmt Heiner Goebbels.

Probieren geht über studieren! :»Try-Out« mit dem Ensemble Modern Orchestra im Mai 2021

Heiner Goebbels: »A House of Call. My Imaginary Notebook« :Ein Werk voller Stimmen

Heiner Goebbels ist eine echte Instanz der zeitgenössischen Musik und bekannt für seine kreativen Kompositionen, in denen Text, Musik und Szene zu einem großen Ganzen verschmelzen. Auch sein neues, abendfüllendes Werk »A House of Call. My Imaginary Notebook« ist ein faszinierendes Hörstück, das das Publikum in die Welt seiner Erinnerungen entführt.

  • Der Komponist über die Bedeutung des Titels

    »›A House of Call‹ war im 19. Jahrhundert der Begriff für einen öffentlichen Raum, in dem Mitglieder bestimmter Berufsgruppen, die gerade unbeschäftigt waren, neue Aufträge bekommen konnten. Also Schreiner oder Maurer oder vielleicht auch Schauspieler und Musiker. Auch das Konzert sollte ein öffentlicher Raum sein und nicht der persönliche Ausdruck des jeweiligen Komponisten.«

In dem vierteiligen Zyklus tummeln sich die Stimmen, die Goebbels auf seinen Reisen begegneten und die er über die Jahre in einem »imaginären Notizbuch« gesammelt hat. In eigenen Sprachen und Klängen erwachen sie zum Leben. Sie schwellen zu lauten Rufen an, werden zu intimen Gebeten oder intensiven Beschwörungen. »Man muss sich die Personen, die man hört, selbst inszenieren: Wer singt hier? Warum? Worüber?«, erklärt Goebbels. Was am Ende herauskommt, hängt also von den Erfahrungen und Sehnsüchten jedes Einzelnen ab: eine Reise in die Fremde und zu sich selbst.

Heiner Goebbels
Heiner Goebbels © Uroš Hočevar

»Meine Hoffnung ist, dass wir plötzlich etwas Eigenes erleben.«

Heiner Goebbels

»Bei einer sogenannten ›akusmatischen‹ Stimme, also einer Stimme, deren Quelle man nicht sieht, interessiert mich unser Wunsch, sie sehen zu wollen – der aber unerfüllt bleibt. Dieses Begehren ist das wichtigste Potenzial für die Imagination«, erklärt der Komponist im Interview. Dass also genau das fehlt, was man durch das Gehörte zu sehen erwartet, ist ein bestimmendes Motiv seiner Musiktheater-Werke.

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