Elbphilharmonie Talk mit Jean Rondeau

Im Interview spricht der Cembalist Jean Rondeau über seinen Lieblingskomponisten Louis Couperin, treue Weggefährten und sein ganz besonderes Instrument.

Der Publizist John Hendron, der den äußerst lesenswerten Alte-Musik-Blog biberfan.org betreibt, nennt Jean Rondeau etwas salopp »that French guy with the hair«. Tatsächlich sind Mähne und Bart des französischen Cembalisten Jean Rondeau von beeindruckender Dichte, egal, wie lang und wirr oder wie vergleichsweise sorgsam gestutzt er sein Haar gerade durch die Welt trägt. Dass sich unter der meist wallenden Pracht ein eminent musikalischer, kluger und zielstrebiger Kopf verbirgt, weiß die Fachwelt schon lange. Gerade ist seine zehn CDs umfassende Einspielung des Gesamtwerks von Louis Couperin erschienen. In einem aus drei Konzertteilen bestehenden Marathon spielt Rondeau im Rahmen des Cembalo-Schwerpunkts der Saison 2025/26 im Kleinen Saal nahezu ausschließlich Louis Couperin. Im »Elbphilharmonie Talk« berichtet Rondeau, der auch als stilistisch ziemlich eigenständiger Jazz-Improvisator einen exzellenten Ruf genießt, über seine innige Verbindung zu Louis Couperin, das Lebensprojekt dieser Edition und preist die Treue, die ihn mit seinen engen künstlerischen Weggefährten über viele Jahre verbindet.

Cembalomania: Jean Rondeau :Sa, 31.1.2026

»400 Jahre Louis Couperin« – Der Cembalist Jean Rondeau feiert das Jubiläum des Hofmusikers von Sonnenkönig Ludwig XIV. mit einem außergewöhnlichen Marathon-Konzert in drei Teilen.

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Rondeau widmet sich der Musik insbesondere des 17. Jahrhunderts, die er als Sechsjähriger zu spielen begann, seit bald 30 Jahren mit der Intensität eines wilden, liebenden Mönchs. Man klassifiziert diese Musik rein historisch und nennt sie Alte Musik; das klingt nach dem Staub der Jahrhunderte, nach dem abgeschlossenem Sammelgebiet ansonsten weltfremder Hochspezialisten. In Wahrheit sind ihre Reichtümer selbst vielen Musikliebhabern einfach nur noch verborgen; im Moment ihrer Entdeckung wird sie zu etwas ganz Neuem, Unerhörten, Aufregenden. Rondeaus Couperin-Unternehmung ist eine editorische Großtat. Auf sieben Instrumenten an vier unterschiedlichen Locations mit immer denselben zwei Neumann-Mikrofonen mustergültig aufgenommen, entfaltet sich auf der Edition neben über hundert Cembalostücken in einer ganz eigenen Klangwelt Musik für Orgel, Kammerbesetzungen und solche von einigen von Couperins Zeitgenossen.

In seinem Marathon-Konzert spielt Rondeau im Rahmen von »Cembalomania« auf einem Instrument, das nach dem Vorbild eines Cembalos aus dem 17. Jahrhundert nachgebaut wurde und das auch auf seiner CD-Aufnahme zum Einsatz kam. Nach Hamburg reist der Musiker aus ökologischer Verantwortung übrigens mit demselben Transportmittel, das ihn, den in Paris geborenen und aufgewachsenen Musiker, seit Jahren von seiner Wahlheimat in der Bretagne am Ende der Welt (Département Finistère) mit dem Rest der Welt verbindet: im Zug.

Cembalomania im Überblick

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