Thomas Hampson

A Celebration of Black Music I

Das erste Konzert der dreiteiligen Reihe beleuchtet den afroamerikanischen Dichter Langston Hughes, vertont von Komponisten aus Europa und Amerika. Verfügbar bis 2.6.2022.

»Auch ich bin Amerika«. Mit diesen kraftvollen Worten formulierte der afroamerikanische Dichter Langston Hughes 1925 den berechtigten Anspruch der »People of Colour«, gleichwertiger und gleichberechtigter Teil der amerikanischen Kultur und Gesellschaft zu sein. Als Teil der »Harlem Renaissance«, einer dynamischen Bewegung afroamerikanischer Künstler in den 1920er Jahren, wurde Hughes zum Klassiker. Mit seiner zutiefst humanistischen Haltung, seinem Geist, Humor und seiner unbestechlichen Integrität schuf er Werke, die bis heute zeitlos und berührend sind. In dem Programm »Langston Hughes: Singing Harlem in Europe« sind Vertonungen seiner Texte durch Komponisten wie Wilhelm Grosz, Florence Price und Leonard Bernstein versammelt – sie zeigen, dass Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit damals wie heute keine Grenzen kennen.

Hinweis: Alle Konzerte des Internationalen Musikfests 2021 stehen als kostenlose Streams zur Verfügung und sind nach der Erstausstrahlung für den gesamten Festivalzeitraum abrufbar.

 

Thomas Hampson: A Celebration of Black Music

Alle Konzerte des Musikfests 2021 auf einen Blick.

Teaser »Song of America: A Celebration of Black Music«

Besetzung

Louise Toppin Sopran
Leah Hawkins Sopran
Ema Nikolovska Mezzosopran
Lawrence Brownlee Tenor
Justin Austin Bariton
Thomas Hampson Bariton

Howard Watkins Klavier
Joseph Joubert Klavier

 

Programm

»Langston Hughes: Singing Harlem in Europe«

Dauer: ca. 90 Minuten

Leah Hawkins Leah Hawkins © Sophie Wolter
Louise Toppin & Thomas Hampson Louise Toppin & Thomas Hampson © Sophie Wolter
Lawrence Brownlee Lawrence Brownlee © Sophie Wolter
Joseph Joubert & Lawrence Brownlee Joseph Joubert & Lawrence Brownlee © Sophie Wolter
Ema Nikolovska Ema Nikolovska © Sophie Wolter
Justin Austin Justin Austin © Sophie Wolter
Howard Watkins Howard Watkins © Sophie Wolter
Ema Nikolovska, Thomas Hampson & Louise Toppin Ema Nikolovska, Thomas Hampson & Louise Toppin © Sophie Wolter
Leah Hawkins Leah Hawkins © Sophie Wolter
Louise Toppin Louise Toppin © Sophie Wolter
Thomas Hampson Thomas Hampson © Sophie Wolter
Justin Austin Justin Austin © Sophie Wolter
Joseph Joubert Joseph Joubert © Sophie Wolter
Ema Nikolovska Ema Nikolovska © Sophie Wolter
Howard Watkins Howard Watkins © Sophie Wolter

Die Künstler

Louise Toppin – Sopran

Louise Toppin
Louise Toppin © Romanieo Golphin

Leah Hawkins – Sopran

Leah Hawkins
Leah Hawkins © Dario Acosta

Ema Nikolovska – Mezzosopran

Ema Nikolovska
Ema Nikolovska © Kaupo Kikkas

Lawrence Brownlee – Tenor

Justin Austin – Bariton

Justin Austin
Justin Austin © Jessica Osber Photography

Thomas Hampson – Bariton

Thomas Hampson
Thomas Hampson © Jiyang-Chen

Howard Watkins – Klavier

Howard Watkins
Howard Watkins © Dayton Opera Scott / J. Kimmins

Joseph Joubert – Klavier

Joseph Joubert
Joseph Joubert © Lelund Durond Thompson

Langston Hughes: Von Harlem in die Welt :Zum Programm des Konzerts

Ein Dichter der Moderne

Die Gedichte und Geschichten von Langston Hughes (1901–1967) versetzen die Literaturszene seit fast einem Jahrhundert in Erstaunen. Schon 1922, als Hughes gerade 21 Jahre alt war, wurde seine Lyrik bereits in rascher Folge ins Deutsche übersetzt – und das aus gutem Grund. Hughes war eine Schlüsselfigur des »New Negro Movement«, einer Bewegung afroamerikanischer Schriftsteller und Maler zwischen 1920 und 1930. Mit schneller, nüchterner Prosa fing er den Rausch des Jazz und Blues ein – und traf damit einen Nerv der Moderne.

Geboren in Joplin, Missouri, wuchs Langston Hughes die längste Zeit bei seiner Großmutter im 170 Meilen nördlich gelegenen Lawrence in Kansas auf. Sein Vater hatte sich von der Mutter scheiden lassen und war nach Mexiko gezogen, um dem institutionalisierten Rassismus in den USA zu entkommen. Nach der High School und einem Jahr bei seinem Vater in Mexiko machte Hughes sich auf den Weg nach New York City. Obwohl er seinem Vater versprochen hatte, Ingenieurwissenschaften zu studieren, mischte Hughes bald die wachsende, pulsierende Kulturszene in Harlem auf, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Langston Hughes, 1936
Langston Hughes (1936) © Library of Congress / Wikimedia Commons

Schon im Studium erkannten afroamerikanische Medien wie The Crisis Langston Hughes’ Talent; seine frühen Gedichte erschütterten in den 1920er Jahren die Welt – angefangen bei »The Negro Speaks of Rivers« (1921), einer Hymne auf das schwarze Amerika. Hughes’ Gedicht lehnt die hegel’sche Vorstellung ab, dass Schwarze »ein Volk ohne Geschichte« seien. Stattdessen bindet es ihre Geschichte in goldener Prosa an eine alte Vergangenheit. »I, Too, Sing America« hingegen formuliert eine tiefgründige Antwort auf Walt Whitmans berühmtes Gedicht von 1860, »I Hear America Singing«.

Solidarität durch Übersetzung

Es waren jüdische Übersetzer:innen, die Hughes’ Gedichte erstmals ins Deutsche übertrugen. Angeführt von der bedeutenden Anna Nussbaum (1887–1931), einer Verbündeten des afroamerikanischen Bürgerrechtsführers und Intellektuellen W.E.B. Du Bois (1868–1963), fühlte sich diese Generation an Übersetzer:innen den Afroamerikaner:innen tief verbunden. Sie setzten sich dafür ein, die Werke des »New Negro Movement« und damit die Früchte eines wachsenden schwarzen Bewusstseins zu publik zu machen. Auch übermittelten sie Hughes’ frühe Texte an junge zeitgenössische Komponisten wie Kurt Pahlen (1907–2003), Hermann Reutter (1900–1985), Alexander von Zemlinsky (1871–1942) und Wilhelm Grosz (1894–1939).

Wilhelm Grosz
Wilhelm Grosz © Foto Fayer / Arnold Schönberg Center

In ihren Vertonungen von Hughes’ Gedichten integrierten diese deutschen Komponisten Elemente des modernen Jazz und des Blues. Hermann Reutters Lieder für Gesang und Klavier etwa führen zwar die lange Tradition deutscher Liedkunst fort, streuen aber gezielt Elemente afroamerikanischer Musik ein: Im Lied »Trommel« (1957) ist der Klavierpart äußerst perkussiv; das »Lied für ein dunkles Mädchen« (1957) webt sogar atonale Klänge ein, die sich dem traditionellen europäischen Tonsystem von Dur und Moll entziehen. Die Werke von Wilhelm Grosz hingegen reizen das Klangspektrum des Orchesters voll aus, um Hughes’ Worten gerecht zu werden. Und seine »Afrika Songs« (1929) klingen so üppig und golden wie ein Sonnenuntergang – ein Pendant zu George Gershwins berühmtem »Summertime«.

Vertonungen von afroamerikanischen Komponisten

Auch schwarze Komponist:innen fanden in Hughes eine neue Muse. Mit ihrer Musik brachten sie afroamerikanische Dichtung und Kunstmusikszene Mitte des 20. Jahrhunderts zusammen. In den völlig verschiedenen Vertonungen von Mondlicht, Flüssen und Träumen zeigt sich die ganze Vielfalt von Hughes’ Dichtung. Von allen Vertonungen von »The Negro Speaks of Rivers« ist jene von Howard Swanson (1907–1978) vielleicht die dramatischste und stürmischste. In Florence B. Prices (1887–1953) Werken zeigen sich avantgardistische, teils an Aaron Copland erinnernde Kompositionstechniken ebenso wie eine große Sensibilität für die Zwischentöne in Hughes’ Lyrik. Margaret Bonds (1913–1972) fängt besonders die überschäumende Kraft von Hughes’ Poesie sowohl in den »Three Dream Portraits« (1959) als auch im »Song of the Seasons« (1955) ein. Lieder wie »Winter Moon« (1955) beschwören das silberne Mondlicht herauf, das im tiefen Winter auf den Schnee fällt.

Florence Price
Florence Price © G. Nelidoff / Special Collections, University of Arkansas Libraries

Auch der Afroamerikaner Robert Owens (1925–2017), der sich in den 1950er Jahren in Deutschland niederließ und dort bis zu seinem Tod lebte, vertonte unzählige Gedichte von Langston Hughes. Mit Einflüssen aus dem lateinamerikanischen Tanz und amerikanischem Pop ist sein Arrangement »In Time of Silver Rain« (1958) raffiniert und unterhaltsam zugleich.

Im Gegensatz dazu klingt die Version von Pulitzer-Preisträger George Walkers (1922–2018) mit ihren bildlich vom Himmel rieselnden Regentropfen fast pointillistisch (ebenso wie Hale Smiths »March Moon« von 1970). Und in den Werken zeitgenössischer Komponisten wie Brandon J. Spencer (geb. 1992) und Damien Sneed (geb. 1977) lebt Hughes’ Poesie noch heute weiter.

Margaret Bonds (1956)
Margaret Bonds (1956) © Carl van Vechten

Als schwarzer Intellektueller, der viel durch Kontinentaleuropa, Russland, Zentralasien und Afrika gereist war, war sich Hughes seiner Resonanz auf der ganzen Welt bewusst. Trotzdem blieb sein Verhältnis zum Ausland ambivalent: Einerseits freute er sich für Afroamerikaner:innen, die die Vereinigten Staaten auf der Suche nach einem besseren Leben verließen. Andererseits erschienen ihm die Bedingungen auch im Ausland teils problematisch. Dennoch bestand er darauf, dass der »New Negro« ein Weltbürger war, der der Welt weit mehr zu bieten hatte, als es der amerikanische Rassismus zuließ. Langston Hughes’ Leben und Wirken lassen sich als Teil der afroamerikanischen Migration nach Europa seit den 1870er Jahren begreifen. Seine Gedichte veranschaulichen die Fülle afroamerikanischer Lebenswege und Kultur. Eine Kultur, die unsere Welt bereichert und ganze Generationen von Komponist:innen bis heute inspiriert.

Text: Kira Thurman
Übersetzung: Özlem Karuç

In Zusammenarbeit mit der Hampsong Foundation

Gefördert durch die Kühne-Stiftung, die Behörde für Kultur und Medien Hamburg, die Stiftung Elbphilharmonie und den Förderkreis Internationales Musikfest Hamburg

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