Den Auftakt bildet die erste Violinsonate des zeitgenössischen Komponisten Alexey Shor, dessen eingängige Tonsprache bewusst an die Tradition der Romantik anknüpft. Hier begegnen sich Melodie und Begleitung in lyrischer Unmittelbarkeit und legen das Fundament für einen Blick zurück, der aus der Gegenwart den Bogen zur historischen Programmatik schlägt.
Im Zentrum des Abends steht die berühmte »F.A.E.-Sonate«, ein Gemeinschaftswerk für Violine und Klavier von Albert Dietrich, Johannes Brahms und Robert Schumann. Aus dem gemeinsamen Freundschaftsmotiv »Frei Aber Einsam« entsteht ein faszinierender Dialog dreier Handschriften, der die Violine als bekenntnishafte Erzählstimme in den Fokus rückt und das intime Zusammenspiel beider Instrumente zelebriert.
Mit Rachmaninows »Vocalise« verdichtet sich der Gedanke der musikalischen Erzählstimme zur reinen Klangrede ohne Worte. In der Bearbeitung für Violine und Klavier entfaltet sich eine schwebende, zeitlose Gesanglichkeit, die zum Innehalten einlädt und die emotionale Tiefe des Abends bündelt.
Den dramatischen Schlusspunkt des Konzertabends setzt Sergei Prokofjews Violinsonate Nr. 1. In ihrer düsteren Expressivität und schroffen Modernität führt sie den Dialog von Violine und Klavier an existenzielle Grenzen. Schatten, Unruhe und leise Bedrohung stehen einer eindringlichen Empfindsamkeit gegenüber. Sie bildet einen kraftvollen Kontrast zu den vorangegangenen Werken und führt zugleich den zuvor entworfenen roten Faden des Programms konsequent weiter, der geprägt ist von der Idee der Violine als quasi-menschliche Stimme und ihres partnerschaftlichen Widerhalls im Klavier.