Video on Demand vom 20.8.2020
verfügbar bis 20.8.2021

Claire Huangci & Alexei Volodin

Zwei Weltklasse-Pianisten im Duo aus dem Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

Die Künstler

»Ich will Musik machen, an die man sich erinnert – nicht weil ich so schnelle Finger hatte, sondern weil sie so berührend war.« Sagt Claire Huangci, die als Kind für Bill Clinton spielte und mit 17 Jahren allein aus ihrer Heimat Philadelphia nach Hannover zog, um Klavier zu studieren. »Die beste Entscheidung meines Lebens«, wie sich im Nachhinein herausstellte: Heute, 13 Jahre später, konzertiert die Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln in den wichtigsten Kammermusiksälen von New York bis Hamburg und hat eine ganze Reihe an Preisen abgeräumt.

Auch Alexei Volodin hat sich mit einer brillanten Technik und seinem sensiblen Anschlag in die bedeutendsten Säle weltweit gespielt. »Er kann das Klavier zum Brüllen bringen, ohne dass der Klang rau wird«, schreibt das Musikmagazin bachtrack. Wie Huangci gewann der in Sankt Petersburg geborene Pianist einst den Ersten Preis beim renommierten Wettbewerb »Concours Geza Anda«; sein Repertoire reicht von Beethoven und Brahms bis Medtner, Skrjabin und Gershwin.

Alexei Volodin & Claire Huangci
© Marco Borggreve / Gregor Hohenberg

Das Programm

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Sonate D-Dur KV 375a für zwei Klaviere (1781)

Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Suite Nr. 1 op. 5 »Fantaisie-Tableaux« für zwei Klaviere (1893)
Suite Nr. 2 op. 17 für zwei Klaviere (1901)

Maurice Ravel (1875–1937)
La valse / Poème chorégraphique (Fassung für zwei Klaviere) (1920)

Zu den Werken :Musik für vier Hände

Vor allem im 19. Jahrhundert vertrieb man sich in bürgerlichen Haushalten die Zeit mit Haus- und Kammermusik. Besonders beliebt: Klavierstücke zu vier Händen, komponiert für ein oder zwei Tasteninstrumente – »die intimste, bequemste und in ihrer Begrenzung vollständigste Form häuslichen Musizierens«, wie der große Musikkritiker Eduard Hanslick einmal bemerkte. Claire Huangci und Alexei Volodin präsentieren einige der schönsten Stücke aus diesem Repertoire vom 18. bis ins 20. Jahrhundert.

  • Wolfgang Amadeus Mozart: Sonate D-Dur KV 375a

    Wolfgang Amadeus Mozart gilt als Urvater des Spiels zu vier Händen. Zwar war er nicht der Erste, der für diese Besetzung komponierte, doch seine ausgereiften Werke begründeten erst die Gattung. Ein absolutes Glanzstück ist die virtuose Sonate KV 375a für zwei Klaviere. Mozart führte sie erstmals 1781 mit seiner begabten Schülerin Josepha Auernhammer auf, die in Wien selbst eine bekannte Pianistin wurde und es auch nach ihrer Heirat blieb – seinerzeit eine Seltenheit. »Die Freulle ist ein Scheusal«, schrieb Mozarts in einem Brief an den Vater, »spielt aber zum Entzücken«.

    Die beiden Klaviere setzt er in seiner Sonate so raffiniert ein, dass sie gemeinsam ein ungeheures Klangvolumen erzeugen. Geradezu orchestral wirkt etwa der fanfarenartige Beginn mit seinen prall gefüllten Akkorden und Trillern in vier Lagen. Im weiteren Verlauf entspinnt sich ein virtuoses Gegen- und Miteinander. Die Klaviere imitieren sich, jagen einander nach, spielen sich schnelle Läufe zu. Nur im intimen, gesanglichen Mittelsatz kehrt Ruhe ein.

    Wolfgang Amadeus Mozart, 1777
    Wolfgang Amadeus Mozart (1777) © Museo internazionale e biblioteca della musica Bologna
  • Sergej Rachmaninow: Suite Nr. 1 / Suite Nr. 2

    Im Zentrum des Konzerts stehen zwei Suiten des großen romantischen Pianisten und Komponisten Sergej Rachmaninow. Die erste, genannt »Fantaisie-tableaux«, traumwandelt durch vier Sätze mit vielsagenden Titeln, denen jeweils ein Gedicht zugrundeliegt. Die »Barcarolle« malt das Bild einer übers Wasser gleitenden Gondel; in »Die Nacht, die Liebe« wird ein Liebespaar von einer Nachtigall begleitet. »Tränen« versinnbildlicht eine durchweg präsente, absteigende Melodie, bevor in »Ostern« mit alten russischen Ostergesängen und Glockenklang die Lebensfreude wiederkehrt.

    Auch die zweite Suite durchläuft eine Fülle verschiedener Charaktere: vom Marsch zum übersprudelnden Walzer, von der tief emotionalen Romanze zur dämonischen Tarantella.

    Sergej Rachmaninow (1901)
    Sergej Rachmaninow (1901) © Mario Nunes Vais
  • Maurice Ravel: La valse

    Zum Schluss erklingt Ravels berühmtes Stück »La valse« in einer Bearbeitung für zwei Klaviere. Ursprünglich wollte der französische Komponist einen »großen Walzer« mit dem Titel »Wien« schreiben, »eine Art Hommage an den großen Johann Strauß.« Doch als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, warf der Patriot Ravel seinen Plan über den Haufen, schließlich gehörte Strauß als Österreicher jetzt zum feindlichen Lager.

    Nach dem verheerenden Krieg zog Ravel das Stück noch einmal ganz neu auf. Zur Musik notierte er: »Durch wirbelnde Wolken hindurch sind walzertanzende Paare schwach erkennbar. Ein Kaiserhof um 1855«. Bald verschwimmen jedoch die Walzerklänge, werden von Militärrhythmen, düsteren Klangballungen und impressionistischen Harmonien überlagert. Am Ende reißt das Treiben jäh ab. Gut möglich, dass Ravel mit diesem abgründigen Wiener-Walzer-Zerrbild noch einmal sinnbildlich das alte Europa aufleben ließ – um es dann musikalisch zu Grabe zu tragen.

    Maurice Ravel in Malaga (1928)
    Maurice Ravel in Malaga (1928) © Bibliothèque nationale de France

Das Konzert aus dem Kleinen Saal der Elbphilharmonie

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