Es war seine Mutter, die Johannes’ Hornspiel ganz besonders geliebt hat. Mit merkwürdiger Beharrlichkeit taucht immer wieder die Frage auf, inwieweit der Tod der Mutter Christiane, die im Februar 1865 verstarb, tatsächlich Einfluss auf die Komposition des Adagio-Satzes für das Horn-Trio wenige Monate später gehabt hat. Es erscheint allerdings anmaßend, sich in Brahms’ Namen hier weiter den Kopf zu zerbrechen. Mesto (betrübt) steht in der Partitur, und so klingt der Satz auch. Und das ganze Trio ist »ein unvergleichliches Werk dieser Kammermusik-Gattung, [das] im musikalischen Himmel schwebt«, meint György Ligeti.
Als der 24-jährige Brahms im Sommer 1857 eine Stelle als fürstlicher Klavierlehrer und Chorleiter in der lippischen Residenzstadt Detmold antrat, hatte er neben seinen Aufgaben noch allerhand Freiraum zum Studieren und Komponieren. Neben einer Fülle weltlicher Chormusik verdanken wir jenem Engagement auch die beiden Orchesterserenaden op. 11 und 16, die Brahms für die im Residenztheater stattfindenden Abonnementskonzerte komponierte. Brahms las fleißig Haydn‘sche Orchesterpartituren und lauschte fasziniert, als »die vorzüglichen Bläser der Detmolder Hofkapelle beim Vortrage Mozartscher Serenaden ihm ein neues Reich zauberischer Klangwirkungen erschlossen und dem Lernbegierigen bequeme Gelegenheit verschafften, sich näher mit der Natur und dem Gebrauch ihrer Instrumente zu befreunden […]
Ursprünglich wollte er eine Kassation, d. h. eine Musik leichteren Genres, ein Oktett für ein kleines, einfach besetztes Orchester schreiben […] Der Sinfoniker aber regte sich in ihm und durchkreuzte den Plan; seine Gedanken verlangten reichere Instrumentation und breitere Entwicklung«, berichtet Max Kalbeck. Diesen Entstehungsprozess der D-Dur-Serenade hat der argentinische Dirigent Jorge Rotter 1987 zurückgerollt, indem er die Urfassung für neun Instrumente rekonstruierte, die 1859 in Detmold und in einem Sonderkonzert der Hamburger Philharmoniker aufgeführt worden war, aber nicht erhalten ist.