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Video on demand vom 02.05.2020

Elphi at Home: Christian Tetzlaff

Christian Tetzlaff spielt Werke für Violine solo von Johann Sebastian Bach und Eugène Ysaÿe

Video verfügbar bis 02.09.2020

Der Künstler

Der gebürtige Hamburger Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. Er ist gleichermaßen heimisch im Repertoire der Klassik und Romantik sowie des 20. Jahrhunderts und hat mit seinen Interpretationen der großen Violinkonzerte Maßstäbe gesetzt. Als Solist und Kammermusiker gastiert er regelmäßig in allen internationalen Musikmetropolen. Die Solo-Sonaten und Partiten von Bach, aus denen er heute die zweite Partita spielt, hat Christian Tetzlaff bereits drei Mal auf CD aufgenommen. Die letzte Version erschien 2017 und wurde mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

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Das Programm

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 (um 1720)

Eugène Ysaÿe (1858–1931)
Sonate g-Moll op. 27/1 (1923)

Christian Tetzlaff

Zur Musik

J. S. Bach: Partita Nr. 2 d-Moll

Bachs sechs Sonaten und Partiten für Violine solo sind ein Heiligtum, der bis heute wichtigste und eindrucksvollste Grundstein des Violinrepertoires. Sie nutzen die klanglichen und technischen Möglichkeiten der Geige bis aufs Äußerste aus – sowohl ihren (damals gebräuchlichen) Tonumfang und ihre Virtuosität als auch die Fähigkeit zum mehrstimmigen Spiel. Die zweite Partita aus dieser Zusammenstellung, die Christian Tetzlaff spielt, besteht aus vier Tanzsätzen (Allemande, Courante, Sarabande und Gigue – die traditionelle Abfolge der französischen Suite) und einem Schlusssatz, den Bach hinzugefügt hat: eine »Ciaccona«. Als Chaconne bezeichnen Musikwissenschaftler eine Folge von Variationen über einem sich stetig wiederholenden Harmonieschema – genau wie ein ausschweifendes Blues-Solo.

Bach hat mit seiner majestätischen d-Moll-Chaconne das wohl kunstvollste Exemplar dieses Typs geformt. Sie bildet nicht nur das unwiderstehliche Gravitationszentrum der Sonaten und Partiten, sondern stellt eines der atemberaubendsten Stücke dar, das überhaupt jemals für ein Soloinstrument komponiert worden ist. Ingesamt 64 Variationen hat sich Bach zu der Akkordfolge einfallen lassen, die in den ersten Takten vorgestellt wird. Schon bald verbinden Durchgangstöne die Akkorde; auch die Basslinie bleibt davon nicht verschont. Bach leitet aus der Harmonik vielfältige melodische Linien ab, die sich polyphon kreuzen, überlagern, mehrstimmig erklingen. Die Musik schaukelt sich in Arpeggien immer weiter auf und entlädt sich schließlich in virtuosen Läufen. Die Chaconne zählt zu den meistbearbeiteten Werken Bachs, die bekannteste Klaviertranskription stammt von Ferruccio Busoni.

Christian Tetzlaff
Christian Tetzlaff © Philipp Seliger

Die Chaconne ist eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf einem einzigen Notensystem, für ein kleines Instrument, schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen.

Johannes Brahms

Eugène Ysaÿe: Sonate g-Moll

Eugène Ysaÿe (1858-1931) war einer der größten Geigenvirtuosen seiner Zeit. Wo immer er auftrat, riss er sein Publikum zu Beifallsstürmen hin, Komponisten wie Debussy oder Saint-Saëns widmeten ihm bedeutende Werke. Und Ysaÿe war auch Komponist: Im Jahr 1923 (seine größte Zeit als Solist war da schon vorbei), hörte er ein Konzert seines Kollegen Joseph Szigeti mit den Solosonaten und -partiten von Bach und beschloss, selbst eine Sammlung von Violinsonaten zu schreiben.

Jede der sechs Sonaten, die als zeitgenössisches Pendant zu Bach entstanden, widmete er einem befreundeten Geiger, dessen Stil und Persönlichkeit er jeweils porträtierte. Die erste Sonate, eine Hommage an eben jenen Szigeti, steht wie Bachs erste Sonate in g-Moll und erinnert auch sonst an den großen Barockkomponisten. Sie ist aber auch Musik ihrer Zeit, geht über harmonische Grenzen hinaus und ist gespickt mit spieltechnischen Neuerungen und Herausforderungen. Ein Stück für Virtuosen eben – und damit wie gemacht für Christian Tetzlaff.

Text: François Kremer / Clemens Matuschek (Stand: 30.4.2020)

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