Carl Philipp Emanuel Bach war zu Lebzeiten der bekannteste Bach, deutlich populärer als sein Vater Johann Sebastian Bach. Er wirkte zwei Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod als Musikdirektor in Hamburg und wurde europaweit wegen seines immer wieder überraschenden, fantasievollen Personalstils zwischen Spätbarock und Frühklassik als visionäres Originalgenie bewundert.
Die Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy kamen 1805 und 1809 in unmittelbarer Nähe des Hamburger »Michel« zur Welt. Felix wurde als Wunderkind gefeiert, seine »Lieder ohne Worte« zählen zum Schönsten und Einfühlsamsten, das die Klaviermusik des frühen 19. Jahrhunderts zu bieten hat. Auch seine Schwester Fanny komponierte auf allerhöchstem Niveau und mit sehr eigener Handschrift. Ihre »Lieder für Klavier« sind nahe Verwandte von Felix’ kleinen, feinen Charakterstücken.
Wenige Straßenzüge entfernt vom Hamburger Elternhaus der Geschwister Mendelssohn erblickte Johannes Brahms 1833 im Gängeviertel das Licht der Welt. Die Freundschaften zu dem Komponisten Robert Schumann und dessen Frau, der Pianistin und Komponistin Clara, sollten das Leben des späteren Hamburger Ehrenbürgers in vielerlei Hinsicht prägen. Brahms’ Scherzo op. 4 mag eine musikalische Visitenkarte gewesen sein, mit der Brahms beim 23 Jahre älteren Schumann bleibenden Eindruck hinterließ. Ein Jahr später entstanden Brahms’ »Variationen über ein Thema von Robert Schumann« op. 9 – an Clara Schumann gewidmet.
Zum Furchterregendsten, das mit zehn Fingern auf einem Klavier möglich ist, zählen die »Études« des langjährigen Wahl-Hamburgers György Ligeti. Sie sind spieltechnisch enorm anspruchsvoll. Typisch für Ligetis geistreichen Humor waren nicht zuletzt die Titel, die Ligeti diesen schweren »Fingerübungen« gab. So nannte er die Nr. 11 mit ihrer verwirrenden Rhythmen-Schichtung »En suspens« (In der Schwebe) und die Nr. 13 mit ihren sich manisch immer weiter nach oben schraubenden Motiv-Wiederholungen »L’escalier du diable« (Die Teufelsleiter).
Florian Heinisch stammt aus Johann Sebastian Bachs Geburtsstadt Eisenach. Er gastierte bereits im Amsterdamer Concertgebouw, dem Konzerthaus Berlin, der Londoner Wigmore Hall und der Salle Cortot in Paris und spielte mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter Leitung von Generalmusikdirektor Kent Nagano ein Mozart-Klavierkonzert in der Laeiszhalle. Große Aufmerksamkeit erhielt Heinisch für ein Gedenkkonzert an den »Wunderpianisten« (Die Zeit) Karlrobert Kreiten, der 1943 vor seinem Konzert in Heidelberg von der Gestapo verhaftet und ermordet wurde. Im September 2023 erinnerte Heinisch gemeinsam mit dem Autor Oliver Hilmes beim »HarbourFront Festival« an Kreitens Schicksal: Er spielte in der Elbphilharmonie Werke aus dem ungespielten letzten Konzert Kreitens, Hilmes las aus seinem Buch »Schattenzeit« Passagen über Kreitens Leben und dessen tragischen Tod. Als Hommage an Beethoven zu dessen 250. Geburtstag im Jahr 2020 hatte Florian Heinisch unter dem Titel »An die unsterbliche Geliebte« ein reines Beethoven-Programm konzipiert, das auch auf CD erschienen ist.