Film-Fans kennen das zweite Stück aus Stanley Kubricks »Eyes Wide Shut«. Auf einer Schwierigkeitsskala von 1 bis 10 liegen Ligetis Klavier-Etüden zwischen 11 und 13. »L’Èscalier du diable« (Teufelsleiter) ist – der Name ist Omen genug – teuflisch schwer, ein Labyrinth aus Tönen und Rhythmen, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.
Das »Originalgenie« Carl Philipp Emanuel Bach wurde von Mozart für seinen Einfallsreichtum bewundert, der auch in vermeintlich harmlosen Variationen elegant und virtuos durchklingt. Diese Musik ist voller Überraschungen und geistreichem Humor. Karlheinz Stockhausen war ein radikaler Visionär, der Konventionen und Kompromisse verachtete. Sein Klavierstück V, 1954 in Darmstadt uraufgeführt, ist eine weitere Mutprobe für zehn Finger. Das Stück endet mit einem C-Dur-Klang – eine ideale Überleitung in den C-Dur-Akkord, mit dem die berühmte Waldsteinsonate beginnt. Genau 150 Jahre zuvor hatte ein gewisser Ludwig van Beethoven in Wien damit die Grenzen des pianistisch Machbaren und des musikalisch Notwendigen erweitert.
Mit diesem Rezital kehrt der Hamburger Pianist Florian Heinisch in die Elbphilharmonie zurück. Im Februar 2019 hatte er dort sein gefeiertes Konzert-Debüt im Kleinen Saal erlebt. Damals spielte er u.a. Beethovens Hammerklaviersonate. Heinisch stammt aus Johann Sebastian Bachs Geburtsstadt Eisenach. Er gastierte u.a. bereits im Amsterdamer Concertgebouw, dem Konzerthaus Berlin, der Londoner Wigmore Hall und der Salle Cortot in Paris und spielte mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter Leitung von Kent Nagano ein Mozart-Klavierkonzert in der Laeiszhalle.
Große Aufmerksamkeit erhielt Heinisch für ein Gedenkkonzert an den »Wunderpianisten« (Die Zeit) Karlrobert Kreiten, der 1943 vor seinem Konzert in Heidelberg von der Gestapo verhaftet und ermordet wurde. Als Hommage an Beethoven zu dessen 250. Geburtstag im Jahr 2020 hat Florian Heinisch unter dem Titel »An die unsterbliche Geliebte« ein reines Beethoven-Programm konzipiert, das auch auf CD erschienen ist. Während der Corona-Jahre initiierte Heinisch das erfolgreiche Projekt »Rent a Beethoven«, bei dem er Corona-konforme Klavier-Konzerte in Privathaushalten gab.