Elbphilharmonie Talk mit Rhiannon Giddens

Die US-amerikanische Künstlerin über ihr »Reflektor«-Festival, die Ursprünge des Banjos und warum Musikgeschichte immer auch Weltgeschichte ist.

Grammy-Preisträgerin, Sängerin, Banjo-Virtuosin, Bluegrass-Erneuerin, Opernkomponistin, Autorin, kulturhistorische Spurensucherin: Für Rhiannon Giddens gibt es viele Etiketten — und keines davon reicht wirklich aus. Denn die amerikanische Künstlerin bewegt sich mühelos zwischen musikalischen Welten, historischen Narrativen und künstlerischen Ausdrucksformen. Wer könnte also besser geeignet sein, das »Reflektor«-Festival zum 10-jährigen Jubiläum der Elbphilharmonie zu gestalten? Vom 25. bis 29. November kuratiert sie neun Konzerte und steht dabei auch selbst auf der Bühne: als Sängerin und Banjo-Spielerin im Duo mit ihrem langjährigen musikalischen Partner Francesco Turrisi sowie als Artistic Director des von Yo-Yo Ma gegründeten Silkroad Ensembles.

Im »Elbphilharmonie Talk« erzählt Giddens, wie sie das Festivalprogramm als Raum für Begegnungen, Austausch und neue Verbindungen konzipiert hat. Sie spricht mit ansteckender Begeisterung über die verborgenen Geschichten amerikanischer Musik, die Ursprünge des Banjos als Instrument der afrikanischen Diaspora und darüber, warum musikalische Traditionen nie isoliert entstehen, sondern aus kulturellen Überschneidungen hervorgehen. Selbst Soundtracks für Filme und Videospiele versteht sie als Chance, neue Zugänge zu schaffen. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Arbeit als Autorin und Illustratorin – und darüber, wie sehr sie das Stricken als kreativen Ausgleich schätzt.

Reflektor Rhiannon Giddens :25.–29. November 2026

Fünf Tage mit der vielseitigen Künstlerin in allen Facetten – im Duo, mit Ensemble, Film, Literatur, Oper und vielen Gästen

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Wer Giddens zuhört, merkt schnell: Hier spricht nicht nur eine Musikerin, sondern eine leidenschaftliche Erzählerin und Forscherin. Aufgewachsen in North Carolina, ursprünglich als Opernsängerin ausgebildet und später Mitgründerin der Grammy-prämierten Stringband Carolina Chocolate Drops, bewegt sie sich seit Jahren selbstverständlich zwischen Folk, Oper, Americana und experimentellen Konzertformaten. Mit großer Neugier gräbt sie sich durch Musikgeschichte, hinterfragt tradierte Narrative und macht kulturelle Verbindungen sichtbar, die lange übersehen wurden.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht immer dieselbe Idee — Menschen zusammenzubringen und gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen. Diese Haltung prägt auch das Festivalprogramm: Appalachia trifft auf Westafrika, Folk auf Barockmusik, historische Recherche auf lebendige Gegenwart. Der »Reflektor« wird so nicht nur zu einem spannenden Festival, sondern zu einer musikalischen Spurensuche — und zu einem Plädoyer dafür, Kultur als etwas Gemeinsames zu begreifen.

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