Jacques de l’Ange: Der gefesselte Prometheus (ca. 1650)
Jacques de l’Ange: Der gefesselte Prometheus (ca. 1650)

Beschreibung

Unter allen Mythen und Sagen der griechischen Antike nimmt Prometheus eine ganz besondere Rolle ein. Er rebelliert gegen den Göttervater Zeus und bringt den bis dahin unzivilisierten Menschen das Feuer; in einer anderen Variante erschafft er sie sogar selbst aus Lehm und haucht ihnen Leben ein. Kaum eine Figur wurde in Religion, Philosophie und den Künsten so stark rezipiert wie er. Eine Auswahl an musikalischen Würdigungen quer durch alle Genres ist in der zweiten Saisonhälfte zu erleben, vorgestellt von der Titularorganistin Iveta Apkalna, dem gefeierten Bariton Konstantin Krimmel, Kit Armstrong am Klavier und Multitalent Barbara Hannigan am Pult des NDR Elbphilharmonie Orchesters.

Für Beethoven etwa verkörperte Prometheus die Aufklärung, die Erlösung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Romantiker wie Liszt konzentrierten sich eher auf die Frage von Schuld, Sühne und Erlösung des von Zeus zur Strafe an einen Felsen geschmiedeten Gottes; den Synästhetiker Skrjabin faszinierte das Element des Feuers an sich. Wie die Geigerin Patricia Kopatchinskaja mit einem originellen Konzertformat illustriert, lässt sich der Prometheus-Mythos aber auch anders deuten: als archetypischen Sündenfall wie bei Adam und Eva, als Verlust der Unschuld, als Hybris des Menschen, die in Kriegen und Umweltzerstörung gipfelt. Luigi Nono fasste all diese und noch viele weitere Aspekte in seinem epochalen, experimentellen Musiktheater »Prometeo« zusammen – eine Mischung aus Konzert und Klanginstallation durch im Raum verteilte Instrumente und Sänger, eine philosophisch-künstlerische Reflexion über den Menschen, über gesellschaftliche Utopien, Scheitern und Hoffnung.

Die Veranstaltungen des Schwerpunktes