Mari Fukumoto

5 Fragen an Mari Fukumoto

Zwischen Orgelklang und Sternenflug: Die preisgekrönte Organistin über ihr Konzertprogramm und den Großen Saal als Raumschiff.

Interview: Ivana Rajič

 

Mari Fukumoto besticht als mehrfach preisgekrönte Organistin immer wieder mit ausgefallenen Programmen und spannenden Entdeckungen. Am 14. Juni nimmt sie das Publikum im Großen Saal mit auf eine musikalische Reise durch unser Sonnensystem und verbindet die farbenreichen Klangminiaturen von Louis Vierne mit Gustav Holsts monumentalem Zyklus »Die Planeten« in der Orgelbearbeitung von Peter Sykes. Dabei zeigt sich die Orgel als erstaunlich wandelbares Instrument: mal schwebend und transparent, mal orchestral und kraftvoll. Viernes impressionistische Klangwelten treffen auf Holsts visionären Blick ins All – und schaffen einen Abend zwischen feiner Klangpoesie und großer musikalischer Geste.

Das Sonnensystem
Das Sonnensystem © Geo

Frau Fukumoto, im Juni spielen Sie ein Solokonzert an der Orgel der Elbphilharmonie. Wie sind Sie zu diesem ausgefallenen Programm, das musikalisch ins All blickt, gekommen?

Die Inspiration war tatsächlich der Raum selbst. Die Elbphilharmonie wirkt sehr nüchtern und klar – und gerade dadurch unglaublich inspirierend. Orgel verbindet man oft mit Kirchenräumen, mit vielen visuellen Elementen, mit festgelegten Geschichten – viele Stücke wurden auch für solche Räume geschaffen. In der Elbphilharmonie ist das ganz anders. Dort entsteht viel Raum für eigene Fantasie. Daraus hat sich bei mir die Frage entwickelt: Was passt zu diesem Raum? Und so entstand die Idee eines Programms über Sterne, Himmel und Universum, das seine Premiere im Großen Saal der Elbphilharmonie feiert.

Neben Gustav Holsts berühmter Orchestersuite »Die Planeten« stehen Werke von dem seltener gespielten Louis Vierne auf dem Programm. Was führte Sie zu diesem französischen Organisten und Komponisten?

Nachdem die Thematik feststand, habe ich nach passenden Stücken gesucht. Vierne hat viele kurze Werke geschrieben, die – sicherlich inspiriert von Schumann – sehr unterschiedliche Charaktere besitzen. Mich fasziniert bei ihm, wie stark seine Musik von Naturvorstellungen geprägt ist – von Sonne, Mond, Feuer. Obwohl die Menschen damals noch ganz andere Vorstellungen vom Universum hatten als wir heute, passt diese Musik erstaunlich gut zu unserem heutigen Bild. Bei Holst wiederum sind es diese schwebenden, ständig wechselnden Charaktere, die einen nicht auf der Erde stehen lassen, sondern immer wieder schwerelos in Bewegung bringen.

Louis Vierne: Pièces de fantaisie

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Die Orgel der Elbphilharmonie
Die Orgel der Elbphilharmonie Die Orgel der Elbphilharmonie © Maxim Schulz

Welche Rolle spielt dabei Ihre eigene Vorstellungskraft – wie lassen Sie sich als Musikerin auf diese »Weltraumreise« ein, allein mit den Ohren?

Ich bin selbst ein sehr emotionaler Mensch und oft – im Konzert, im Theater oder auch im Alltag – gedanklich unterwegs. Für mich ist es nicht entscheidend, ob ich etwas Konkretes vor Augen habe oder ob sich alles im Kopf abspielt. Diese innere Bewegung gehört für mich ganz selbstverständlich zum Musizieren.

Und wie vermitteln Sie das dem Publikum?

Als Musikerin kann ich dem Publikum genau diese Offenheit anbieten: die Möglichkeit, abzuschalten und sich allein über den Klang in eine andere Welt zu begeben. Ich bin überzeugt, dass diese Reise auch ohne visuelle Bilder funktioniert – allein durch das Hören. Die Elbphilharmonie unterstützt das natürlich mit ihrer besonderen Räumlichkeit, die für mich fast etwas von einem Raumschiff hat. Aber sie ist eher eine Hilfe als eine Voraussetzung, um sich vom Alltag zu lösen und sich ganz auf das Konzerterlebnis einzulassen.

Wenn das Konzert als musikalische Reise durch das unendliche Universum gedacht ist – wo findet ein solcher Abend sein Ende?

Dieses Programm stellt am Ende eher eine offene Frage. Die Themen Sternenhimmel und Universum sind unglaublich inspirierend, und es gibt so viel Musik, die damit in Verbindung steht. Deshalb denke ich tatsächlich darüber nach, ob und was man als Zugabe vorbereiten könnte – vielleicht auch etwas, was das Publikum zum Lachen bringt.

  • Elbphilharmonie Großer Saal
    Mari Fukumoto

    Mari Fukumoto, Orgel

    Vierne: Claire de lune & Hymne au soleil / Holst: Die Planeten

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