»Brahms’ Musik ist für mich vor allem sinnlich«. Und so spielt der Pianist Alexandre Kantorow die Werke des Hamburger Komponisten auch. In der Saison 2024/25 war der Franzose Residenzkünstler der Elbphilharmonie und spielte unter anderem Brahms’ Zweites Klavierkonzert – nun legt er gemeinsam mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Manfred Honeck das Erste nach. Mit großen Orchestersound und virtuosem Klavierspiel eröffnen sie energiegeladen die Jubiläums-Saison der Elbphilharmonie.
Seit fast 20 Jahren ist Honeck Chefdirigent des Orchesters und für den exzellenten Klang des Orchesters verantwortlich. Längst zählt es zu den besten Orchestern Amerikas und das beweisen sie auch in der zweiten Hälfte mit Dmitri Schostakowitschs Fünfter Sinfonie. Die dazugehörige Aufnahme dieser Sinfonie wurde mit zwei Grammys ausgzeichnet und von der Kritik gefeiert. Komponiert in einer Zeit, in der Künstler:innen vom Staline-Regime unterdrückt wurden, spiegelt sie die schwierige Postion des Komponisten wieder: Durch andere Werke in Ungnade gefallen, wollte er sich mit dieser triumphalen Sinfonie rehabilitieren. Gleichzeitig schwingen auch Verzweiflung und innere Zerissenheit mit.
Auftakt: Die Audio-Einführung
Besetzung
Pittsburgh Symphony Orchestra
Alexandre Kantorow Klavier
Dirigent Manfred Honeck
Programm
Johannes Brahms
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15
– Pause –
Dmitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47
Alexandre Kantorow :Klavier
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Über Alexandre Kantorow
2019 gewann der damals 22-jährige Alexandre Kantorow als erster französischer Pianist die Goldmedaille beim Tschaikowsky-Wettbewerb sowie den nur selten vergebenen Grand Prix. Vom Gramophone Magazine als »ein feuriger Virtuose mit poetischer Anmut und angeborener stilistischer Meisterschaft« beschrieben, sammelt er seitdem Auszeichnungen und tritt auf den renommiertesten Bühnen der Welt auf. 2024 schrieb er erneut Geschichte, als er nicht nur der erste französische, sondern auch der jüngste Preisträger des renommierten Gilmore Artist Award wurde.
Alexandre Kantorow tritt mit renommierten Dirigenten auf wie Ivan Fischer, Yannick Nézet-Séguin und Esa Pekka Salonen. Ebenso konzertiert er mit bedeutenden Klangkörpern, etwa den Berliner Philharmonikern, dem New York Philharmonic Orchestra, dem Orchestre de Paris und dem Royal Concertgebouw Orchestra. Mit seinen Solo-Programmen ist Alexandre Kantorow in den größten Konzertsälen der Welt zu erleben, darunter das Concertgebouw Amsterdam, das Wiener Konzerthaus und die Wigmore Hall in London.Zu den Höhepunkten seiner Saison 2025/26 zählten mehrere bedeutende internationale Tourneen, etwa nach Japan mit dem Concertgebouw Orchestra und Klaus Mäkelä sowie eine weitere Asien-Tournee mit dem Orchestre Philharmonique de France mit Jaap van Zweden am Pult. Parallel dazu präsentierte der Pianist ein neues Rezitalprogramm in den großen Konzertsälen Europas und Nordamerikas und gab sein Debüt bei dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
Manfred Honeck :Dirigent
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Über Manfred Honeck
Manfred Honeck gilt als einer der weltweit führenden Dirigenten, dessen unverwechselbare und richtungsweisende Interpretationen international große Anerkennung erfahren. Als Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra mit seinem jüngst bis 2032/2033 verlängerten Vertrag prägt Manfred
Honeck seit 2008 mit großem Engagement und Leidenschaft die künstlerische Identität des Orchesters. Gemeinsame Auftritte fanden in der Carnegie Hall und dem Lincoln Center in New York ebenso statt wie in den bedeutendsten europäischen Musikmetropolen und bei Festivals wie den Salzburger Festspielen, den BBC Proms, dem Musikfest Berlin und dem Lucerne Festival. Die erfolgreiche Zusammenarbeit ist durch zahlreiche Einspielungen dokumentiert, die mit namhaften Preisen ausgezeichnet wurde, etwa
gleich zweimal mit dem Grammy.
Der gebürtige Österreicher absolvierte seine musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik in Wien. Seine Arbeit als Dirigent ist durch Erfahrungen geprägt, die er über viele Jahre als Bratschist bei den Wiener Philharmonikern und im Orchester der Wiener Staatsoper sammeln konnte. Seine Laufbahn als Dirigent begann er als Assistent von Claudio Abbado in Wien. Anschließend ging Manfred Honeck als Erster Kapellmeister ans Opernhaus Zürich, wo er mit dem Europäischen Dirigentenpreis ausgezeichnet wurde.
Nach Positionen beim MDR Sinfonieorchester und dem Oslo Philharmonic Orchestra wurde er zum Music Director des Swedish Radio Symphony Orchestra Stockholm berufen. Von 2007 bis 2011 wirkte er als Generalmusikdirektor an der Staatsoper Stuttgart. Als Gastdirigent arbeitet Manfred Honeck mit den führenden internationalen Klangkörpern, darunter das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks,
die Berliner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig, die Wiener Philharmoniker und das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam. Regelmäßig steht er auch am Pult aller großen amerikanischen Orchester.
Pittsburgh Symphony Orchestra
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Über das Pittsburgh Symphony Orchester
Seit inzwischen über 130 Jahren verkörpert das Pittsburgh Symphony Orchestra (PSO) künstlerische Spitzenleistungen, Innovationskraft und gesellschaftliches Engagement. Beheimatet in der Heinz Hall zählt das Orchester zu den prägenden Kulturinstitutionen Pittsburghs und bereichert das musikalische
Leben der gesamten Region. Zugleich ist das Orchester durch internationale Tourneen, vielfach ausgezeichnete Einspielungen und den kontinuierlichen Austausch mit führenden Künstlerinnen und Künstlern auf den großen Konzertbühnen der Welt präsent.
Unter der künstlerischen Leitung von Manfred Honeck, der seit 2008 als Musikdirektor wirkt, hat das PSO sein internationales Renommee weiter ausgebaut und zählt heute zu den bedeutendsten Orchestern der Welt. Es begeistert mit seinem unverwechselbaren Klang, eindrucksvollen Interpretationen sowie seinem Engagement für das klassische sinfonische Repertoire ebenso wie für die Musik unserer Zeit. Zur Geschichte des Orchesters gehören bedeutende Uraufführungen von Leonard Bernstein und John Adams, jüngste Auftragswerke führender zeitgenössischer Komponistinnen und Komponis-ten sowie zahlreiche Einspielungen, die mit Grammy Awards ausgezeichnet oder dafür nominiert wurden.Seit mehr als einem Jahrhundert gastiert das Orchester auf nationalen und internationalen Bühnen. Unter Honecks Leitung sind regelmäßige Europatourneen zu einem festen Bestandteil des internationalen Profils des Orchesters geworden, darunter Festivaltourneen in den Jahren 2022 und 2024 sowie die Europatournee 2026 mit 13 Konzerten in sechs Ländern. Auch der Hamburger Elbphilharmonie stattete das PSO auf seinen Festival-Tourneen jedes Mal einen Besuch ab.
Der Auftrag des PSO reicht weit über den Konzertsaal hinaus. Ein vielfältiges Programm hat es im Bereich Learning & Engagement entwickelt. Allein die kostenlosen Schooltime Concerts erreichen jedes Jahr rund 23.000 Kinder und Jugendliche im Großraum Pittsburgh und ermöglichen ihnen die unmittelbare Erfahrung von Live-Orchestermusik. Weitere Angebote wie die Fiddlesticks Family Concerts und Konzerte in den Stadtteilen spiegeln die Überzeugung des Orchesters wider, dass Musik für alle da ist.
»MAN SPÜRT DIE EUPHORIE« :Manfred Honeck im Interview über das Programm des Abends und seine Verbindung zur Elbphilharmonie
Mit Ihrem Pittsburgh Symphony Orchestra eröffnen Sie die neue Konzertsaison in der Elbphilharmonie. Sie ist in doppelter Hinsicht besonders: Die Elbphilharmonie feiert in dieser Spielzeit ihr 10-jähriges Jubiläum. Und die USA, Ihre Wahlheimat, haben jüngst ihren 250. Geburtstag begangen. Was also hat Sie zur Zusammenstellung des Programms bewogen?
Ich fühle mich der Elbphilharmonie von Beginn an eng verbunden. Obwohl ich nicht das erste Konzert hier dirigiert habe, war ich einer der ersten Dirigenten, die schon einige Monate vor der offiziellen Eröffnung mit dem damaligen NDR Sinfonieorchester eine Probe machen und den neuen Saal kennenlernen durften. Deshalb freut es mich sehr, heute die Jubiläumsaison zu eröffnen.
Als Reverenz an die Stadt Hamburg spielen wir das Erste Klavierkonzert von Johannes Brahms, dem bedeutendsten musikalischen Sohn der Stadt. Schostakowitschs Fünfte Sinfonie wiederum zählt zu den großen Leibstücken des Pittsburgh Symphony Orchestra; für unsere Einspielung haben wir einen Grammy gewonnen. Für mich verkörpert sie die Sehnsucht nach Freiheit. Für unser zweites Konzert morgen Abend haben wir ein typisch amerikanisches Programm zusammengestellt, unter anderem mit Dvořáks Sinfonie »Aus der Neuen Welt«.
Über das politisch-gesellschaftliche Klima in den USA wurde zuletzt viel geschrieben, allerdings weniger aus der Perspektive der klassischen Musik. Wie erleben Sie die aktuelle Entwicklung, die Stimmung im Land?
Ich würde sagen, dass die klassische Musik von der aktuellen politischen Stimmung weitgehend unabhängig ist. Sie steht gewissermaßen über den tagespolitischen Entwicklungen und hat bei ihrem Publikum einen festen Stellenwert. Eine große Herausforderung ist allerdings die musikalische Bildung. Mein Wunsch ist, möglichst viele Menschen zu erreichen und für diese Musik zu begeistern. Gleichzeitig beeindruckt mich immer wieder das hohe Niveau junger Musikerinnen und Musiker.
In Hamburg hat die Klassik seit der Eröffnung der Elbphilharmonie vor bald zehn Jahren einen ganz neuen, zuvor ungekannten Stellenwert. Sie haben inzwischen mehrfach im Haus dirigiert. Kommt das bei Ihnen an?
Ja, das kann ich absolut nachvollziehen. Die Elbphilharmonie ist zu einem Wahrzeichen Hamburgs geworden. Die Hamburger sind stolz auf sie, und viele Menschen in aller Welt verbinden heute das klassische Konzerterlebnis unmittelbar mit der Stadt. Diese Euphorie spürt man und ich nehme sie jedes Mal wahr, wenn ich hier bin.
Haben Sie den Eindruck, das Haus hat sich in den zehn Jahren entwickelt? Die Akustik, die Aufenthaltsqualität im Backstage, das Publikum?
Ja, auf jeden Fall! Schon bei meiner ersten Probe in der Elbphilharmonie war ich von der Transparenz und Klarheit des Klangs beeindruckt. Der Akustiker Yasuhisa Toyota sagte damals zu mir, ich solle noch drei Jahre warten, die Akustik werde sich noch entwickeln. Und tatsächlich hat er Recht behalten. Der Klang ist transparent geblieben, aber zugleich runder und wärmer geworden. Er erklärte mir damals, dass das Holz arbeitet. Man kann das vielleicht mit einer alten Geige vergleichen, die mit den Jahren immer besser klingt. So scheint es tatsächlich auch bei der Elbphilharmonie zu sein.