Zum grandiosen Auftakt des Programms kehrt Star-Geigerin Lisa Batiashvili zum NDR Elbphilharmonie Orchester zurück und interpretiert Ludwig van Beethovens Violinkonzert-Klassiker. Das Schlüsselwerk der Geigenliteratur beginnt mit vier gleichen Paukentönen – gespielt vom herausragenden NDR Pauker Stephan Cürlis, der die Saison schon prominent eröffnete und sich nach diesen Konzerten in den Ruhestand verabschieden wird. Wie in Beethovens Fünfter Sinfonie sind genau diese vier Töne quasi der Angelpunkt alles Folgenden: Über 70 Mal erklingt das Paukenmotiv im Verlauf des 1. Satzes, und egal, ob der Frankreich-freundliche Beethoven hiermit tatsächlich einen »Revolutionston« als Referenz auf den französischen Geschwindmarsch in das Werk bringen wollte oder nicht: Spektakulär genug ist es, dass der Komponist diesen vier Tönen immer wieder neue Perspektiven abgewinnen konnte.
Genau diese Fähigkeit Beethovens, »eine minimale Menge an Information in fantastische, ausdrucksstarke und energiegeladene Strukturen zu verwandeln«, fasziniert auch John Adams. Der von Elbphilharmonie und NDR Elbphilharmonie Orchester durch die ganze Saison gefeierte Jubilar 2027 verlieh dieser Beethoven-Begeisterung in seinem 2011 entstandenen Scherzo für Streichquartett und Orchester »Absolute Jest« Ausdruck. Das Erfolgsstück beginnt gleich mit einem weiteren Beethoven-Paukenrhythmus (aus der Neunten Sinfonie) und basiert auf lauter originell verdrehten Zitaten aus Beethovens späten Streichquartetten. Damit setzt es zugleich dem Beethoven-Streichquartett-Zyklus der Musiker:innen des NDR EO 2026/2027 eine orchestrale Krone auf.
»Man sieht den Komponisten angesichts des Ergebnisses fast schon schmunzelnd vor sich«, schrieb die Zeitschrift »Musical America« über Adams’ »klangliche Spritztour« durch den Beethoven-Kosmos in »Absolute Jest«. Zumindest in diesem Punkt agiert das Stück mithin als perfekter Sidekick für Richard Strauss’ »Till Eulenspiegel«: Die musikalischen Spießer und Pedanten an der Nase herumzuführen war die erklärte Motivation für dieses augenzwinkernde Orchester-Rondo »nach alter Schelmenweise«, das den hochvirtuosen und launigen Schlusspunkt hinter die Saison setzt.