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Reflektor Bryce Dessner

Bühne frei für einen Universalmusiker, der sich auf großen Rockfestivals ebenso wohl fühlt wie im klassischen Konzertsaal.

Die neue Konzertreihe »Reflektor« gibt jeweils einem ausgewählten Künstler die Gelegenheit, ein Wochenende lang die verschiedenen Aspekte seines Schaffens in den Sälen der Elbphilharmonie zu präsentieren – über die viel beredeten Genregrenzen hinweg und in einem rechtsfreien Raum, den keine Stil-Polizei kontrolliert. Verbündete sind dabei ausdrücklich erwünscht.

Bryce Dessner
Bryce Dessner © Claudia Höhne

Den Auftakt macht am 20. und 21. Oktober Bryce Dessner – und er ist für diese Aufgabe eine Idealbesetzung: Der Gitarrist, der lange Zeit in Brooklyn gelebt hat, erwarb einen akademischen Grad in Musik an der Yale University. Seit der Jahrtausendwende kennt man ihn vor allem als Gitarrist der US-amerikanischen Subtil-Rockband The National. Inzwischen ist Dessner, dessen Zwillingsbruder Aaron, ebenfalls Gitarrist, die Band mitbegründete, so etwas wie das Mastermind von The National – und zugleich einer der meistgefragten zeitgenössischen amerikanischen Komponisten.

The National:

In allen Genres

Mit Stücken wie »St. Carolyn by the Sea«, »Lachrymae « oder »Aheym«, die auch an den Reflektor-Abenden in Hamburg erklingen werden, hat Dessner sich als eigenständige, ja schon unverwechselbare Stimme zeitgenössischer Musik in den USA etabliert. Ganz im Flow mit der Qualität unserer Zeit, sucht er fortwährend auch als Komponist den Austausch, die Ergänzung.

So schreibt und kooperiert Dessner mit Komponistenkollegen wie Nico Muhly, Caroline Shaw und Steve Reich. Eine Karriere in beiden Welten auf diesem Niveau ist sehr ungewöhnlich. Große Orchester, bedeutende Dirigenten, Regisseure und Choreografen bestellen bei Dessner Musik, zugleich erreicht der internationale Ruf seiner Band neue Rekordwerte. Im September erscheint mit »Sleep Well Beast« nach vier Jahren ein neues Album von The National, eine Tournee mit mehr als 40 Terminen führt sie in der zweiten Jahreshälfte durch Europa und die USA.

THE NATIONAL – GANZ INTIM

Es bedurfte einiger Überredungskunst, ehe sich Dessner und die Band bereiterklärten, im Rahmen des Reflektors im Großen Saal der Elbphilharmonie zu spielen. Der hat 2.100 Plätze, normalerweise aber füllen The National Hallen mit weitaus größerer Publikumskapazität. Auf das Konzert in Hamburg am 21. Oktober erhielt die Elbphilharmonie denn auch mehr als 50.000 Kartenbestellungen.

Seit 14 Jahren ist The National maßgeblich vom Gitarrensound der Brüder Bryce und Aaron Dessner geprägt. Sie schreiben auch die Songs, die Matt Berninger mit seiner hypnotischen, dunkel timbrierten Stimme singt. Bass und Schlagzeug spielen ebenfalls ein Brüderpaar: Bryan und Scott Devendorf.

Dessner, der im vergangenen Jahr 40 Jahre alt wurde, kokettiert gern mit seinem Alter und behauptet, sich mit seiner Zweitkarriere als Komponist eine würdige Fortsetzung für das Leben als Rockstar geschaffen zu haben. Tatsächlich profitiert The National enorm von seiner außergewöhnlichen Gabe zur Klang-Alchemie. Und dass in seinen komponierten Stücken immer wieder auch die Glut des Rockmusikers unter den sorgfältig organisierten Strukturen durchschimmert, gibt der Musik bei all ihrer Feingliedrigkeit einen erregenden, eigenen Punch.

DER REFLEKTOR DER ELBPHILHARMONIE

Der Name der Reihe spielt auf ein zentrales Stück der Innenarchitektur im Großen Saal des Hauses an: auf den Reflektor, der wie eine zur Ruhe gekommene fliegende Untertasse über der Bühne zu schweben scheint. Seine von unten sichtbare, runde Oberfläche ist wie der übrige Saal mit der sogenannten Weißen Haut verkleidet, deren mondlandschaftsartige Einbuchtungen den Schall im Raum reflektieren. Als Ganzes verhindert der Reflektor, dass der auf der Bühne erzeugte Schall bis zur lichten Höhe des Saals aufsteigt und von dort aus macht, was er will. Der Reflektor ist akustisch unverzichtbar. Ästhetisch ist er es auch.

Reflektor Bryce Dessner

Zu den Konzerten

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