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Medienkunst zur Eröffnung

Thorsten Bauer setzte für die Elbphilharmonie Eröffnung die LED-Wand im Eingangsbereich in Szene.

Zu den Eröffnungskonzerten zeigte sich die LED-Fassade im Eingangsbereich der Elbphilharmonie in einem besonderen Gewand: eine künstlerische Installation begrüßte die Festgäste. Das Werk stellte den Großen Saal in den Mittelpunkt – das letzte Mysterium und Herzstück der Elbphilharmonie, das mit den Eröffnungskonzerten akustisch zugänglich gemacht wurde.

Entwickelt wurde die Installation von Thorsten Bauer. Er ist freier Berater, Gestalter und Gründer von URBANSCREEN, einem Kollektiv, das Medienkunst-Inszenierungen entwirft, produziert und an speziellen Orten aufführt.

Wie er an das Projekt herangegangen ist und aus einzelnen Fotoaufnahmen eine dynamische Installation zusammenbaute, die auf der 18 mal 5 Meter großen LED-Wand am Eingang zu sehen war, erklärt er anhand ausgewählter Bilder aus dem Entstehungsprozess.

Thorsten Bauer
Thorsten Bauer © Thorsten Bauer

DIE IDEE

»Ein zugewandter und warmherziger Empfang sollte es sein – bei gleichzeitig hochwertiger künstlerischer Qualität. Es war sehr naheliegend, die Schönheit der Elbphilharmonie selbst als Ausgangspunkt der Eröffnungsinstallation zu inszenieren. Eine animierte Kollage aus Fotografien des Innenraumes und des Großen Saals. Eine künstlerisch abstrahierte Bildkollage des »Geburtstagskindes«. Die gesetzte Aufgabe: remixing the architecture!«

DIE AUFNAHME

»Allein mit der Elphi – zwischen den Jahren – in der Ruhe vor dem Sturm. Am 27. Dezember hatte ich die Möglichkeit, meine Fotoreihe in der Elbphilharmonie zu produzieren. Ich stöberte durch den Großen Saal, die Zuwegung und das Foyer – getragen von einer einzigartigen, ja fast mystischen Stimmung. Die Videoaufnahmen waren ein Beiprodukt, und reflektieren die Stimmung, der ich an diesem Tag begegnete.«

Zuhause in einem Palast

»Durch die Kamera sieht die Welt anders aus. Man verliert an Weitsicht und gewinnt an Tiefe. Die Strukturen und Formen verwandeln sich zu Pattern, sie wiederholen sich und sind in unzähligen Varianten zu finden, die zueinander im Dialog stehen. Besonders spannend: Die Selbstähnlichkeit in den verschiedenen Skalierungen. Die Ausfräsungen der Steinplatte ähneln den großen Linienführungen des Saals.«

Elbphilharmonie / Großer Saal
Elbphilharmonie / Großer Saal © Thorsten Bauer

»Was macht die Stimmung dieses Raumes aus? Für mich: die Anmut, die Erhabenheit des Raumes bei gleichzeitiger Zugewandtheit und Nähe. Man fühlt sich eingeladen – zuhause in einem Palast. Der Gedanke lässt mich nicht los – nach 3 Stunden durch das Objektiv wird der Blick poetisch. Der Saal ist wie ein Naturereignis, erhaben aber unprätentiös. Die Gänge, unvorhersehbar. Die grauen Sitze, asymmetrisch in eine Felswand gesetzt – wie Gorillas die sich zur festlichen Versammlung der Tiere treffen. Der Große Saal will nicht groß sein, er ist es. Keine elitäre Behauptung, die ausgrenzt, sondern natürliche Schönheit, die einlädt – und zwar jeden.«

DIE BEARBEITUNG

»Nach der Auswertung der Fotos, wurde eine Auswahl zu Kollagen verarbeitet. Nach dem Import in die Bild- und Filmbearbeitungssoftware After Effects wurden die Kollagen dann animiert und mit bestehenden Grafikanimationen ergänzt.«

Screenshot After Effects / Thorsten Bauer

VOM FOTO ZUM FILM

»Der Film zeigt das produzierte Originalfootage. Die schwarzen Flächen sind die Ausschnitte der Eingangsbereiche so wie das Fenster zum Ticketverkauf.«

DAS RESULTAT

»Die Bildkomposition sollte gut in der Fläche liegen und sich mit den bestehenden Elementen des Eingangsbereiches verbinden. Die Kompositionen beziehen die Tür und den Fensterausschnitt als grafisches Element mit ein. Die Geschwindigkeit der Animation ist auf die Größe der Spielfläche abgestimmt.«

LED-Wand im Eingangsbereich der Elbphilharmonie
LED-Wand im Eingangsbereich der Elbphilharmonie

»Meistens sind nicht mehr als drei Bildausschnitte verwendet worden. Es war der Ansatz, so wenige Einstellungen wie nötig zu verwenden, um ästhetisch nur über die Komposition zu wirken. Hier eine Kollage aus Eingangsbereich, Auschnitt der Orgelpfeifen und der Treppenführung. Die animierte Schrift ist der vorprogramierte ›Ticker‹, der in Echtzeit über das Bild gerechnetet werden kann.«

Installation von Thorsten Bauer an der LED-Wand im Eingangsbereich der Elbphilharmonie
Installation von Thorsten Bauer an der LED-Wand im Eingangsbereich der Elbphilharmonie

»Gerade durch die Kombination mit dem Eingangsbereich wurde das Bildkonzept stark. Dem sonst ortsunabhängigen digitalen Bild wird wieder ein Ort zugewiesen. Die Installation wird zum unverwechselbarem »Original«, das nur an diesem Ort seine volle Wirkung zeigt. In Zeiten beliebiger Reproduzierbarkeit digitaler Medien ein besonderer Reiz der ortsspezifischen Medienkunst.«

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