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Galaktische Chormusik

Teodor Currentzis dirigiert Ligetis »Lux Aeterna«.

Am 29. Mai ist der charismatische Dirigent Teodor Currentzis erstmals im Großen Saal der Elbphilharmonie zu Gast – und präsentiert mit seinem renommierten Opernchor MusicAeterna aus Perm ein Stück, das Filmgeschichte geschrieben hat.

Mission Weltall

1966 war die Faszination für die Raumfahrt weltweit greifbar: Neil Armstrong flog zum ersten Mal ins All und schaffte es, sein Raumschiff hoch oben in der Erdumlaufbahn an einen Satelliten anzudocken, Stanley Kubrick begann unten am Boden mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Science-Fiction-Film 2001: A Space Odyssey und der Komponist György Ligeti schrieb in Wien ein revolutionäres Chorwerk, das zum Soundtrack der neuen Entdeckungen werden sollte: Lux Aeterna.

2001: Odyssee im Weltraum (Filmausschnitt aus dem Jahr 1968)
2001: Odyssee im Weltraum (Filmausschnitt aus dem Jahr 1968)

Lux Aeterna ist ein a-capella-Stück für 16 Stimmen. Statt auf die üblichen Parameter wie Rhythmus, Harmonie und Melodie konzentrierte Ligeti sich auf den Klang – und komponierte ein Werk, bei dem die einzelnen Stimmen zu schweben scheinen.

Das Stück passte perfekt zu den Eindrücken einer weiten, schwerelosen Galaxie, die Kubrick in 2001: A Space Odyssey vermitteln wollte. So wie der Regisseur die unendlichen Sphären des Alls erkundete, erforschte Ligeti die unbegrenzten Möglichkeiten des Klangs. Kubrick beschloss, Lux Aeterna sowie zwei weitere Stücke von Ligeti in seinem Film zu verwenden.

Schwereloser Klang

Die einzelnen Töne liegen in Lux Aeterna sehr nah beieinander, sie bilden sogenannte »Cluster«. Was Komponisten bis dahin nur punktuell nutzten, um eine Dissonanz zu erzeugen, machte Ligeti zu seinem Markenzeichen: Er komponierte klingende Flächen und Massen, deren Dichte und Verwebungsart sich ständig verändern.

György Ligeti
György Ligeti © Co Broerse

Auf die Spitze trieb er dieses Prinzip erstmals in Atmosphères von 1961, bei dem das Orchester in dutzende unabhängige Einzelstimmen aufgespalten wird, die versetzt ablaufen und so einen extrem dichten Klangteppich weben. Für Lux Aeterna übertrug er das Prinzip schließlich auf die Chormusik.

György Ligeti

György Ligeti gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er kam 1923 in Rumänien zur Welt, lebte anschließend in Ungarn und floh 1956 nach dem ungarischen Volksaufstand nach Wien. 1957-58 arbeitete er in Köln und lernte dort wichtige Vertreter der Avantgarde wie Karlheinz Stockhausen kennen, die seine weiteren Kompositionen beeinflussten.

MusicAeterna aus Perm
MusicAeterna aus Perm

Von 1973 bis 1989 war er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Ligeti starb 2006 in Wien. Neben 2001: A Space Odyssey erklingt Ligetis Musik noch in weiteren Filmen von Stanley Kubrick, etwa Shining und Eyes Wide Shut, und ist auch in jüngeren Filmen, wie etwa Martin Scorseses Shutter Island (2010) vertreten.

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