Hat es nach dem Ende der Weltordnung mit Ost und West, mit Kommunismus und Kapitalismus und dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor bald 40 Jahren tatsächlich den erhofften Siegeszug des westlich-liberalen Systems gegeben und damit einhergehend das Ende sich bekämpfender Ideologien, mithin: das »Ende der Geschichte« als einer Zeit der Konflikte? Wie bewertet Fukuyama in der Rückschau seine damalige Utopie? (Als »Nebenwirkung« prognostizierte er freilich damals den Anbruch einer Zeit des »letzten Menschen« – eine mangels Reibungsfläche eher hedonistische Spezies.)
Wie liest er unsere verworrene Gegenwart? Wie hängen die beiden Zeitenwenden zusammen? Wie sieht er unsere Zukunft? Fukuyama denkt die Dinge zusammen. Es ist kein Zufall, dass er mit seinem jüngsten Buch »Der letzte Mensch. Wohin steuert die Welt?« (2026) an seinen berühmten Titel »The End of History and the Last Man« (1992) anknüpft.
Auf welche Weltordnung steuern wir zu? Die liberale Demokratie steckt in der Krise. Nach einer langen Phase der Demokratisierung sind wir wieder in einer Welt der Macht angelangt, bedingt vor allem durch autoritäre Bewegungen, technologischen Wandel, Neoliberalismus und Identitätspolitik. Mit seinen Gedanken zur Lage der Welt zeigt Francis Fukuyama, warum das freiheitliche Denken für die westlichen Gesellschaften im 21. Jahrhundert alternativlos ist. Vor allem aber macht er deutlich, warum wir für die Freiheit kämpfen müssen, wenn wir ihr Überleben sichern und das Risiko einer autoritären Weltordnung eindämmen wollen.
Francis Fukuyama, geboren 1952 in Chicago, studierte Politikwissenschaft in Harvard. Sein 1992 veröffentlichter Bestseller »Das Ende der Geschichte« machte ihn international bekannt. Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen Theoretiker der Gegenwart. Er lehrte an der Johns-Hopkins-Universität, erhielt 2015 den Skytteanischen Preis und hat zahlreiche Bücher zur US-Politik veröffentlicht. Derzeit ist er Professor für Politikwissenschaft an der Stanford-Universität.