Weihnachten bei den Beethovens

Wie der kleine Ludwig Heiligabend verbrachte: Augenzeugen berichten

Wohnhaus der Beethovens (Druck von 1837)
Wohnhaus der Beethovens (Druck von 1837) © Wikimedia Commons

Als Kind lebte Beethoven mit seiner Familie über viele Jahre im Haus der Bäckermeister-Familie Fischer in der Rheingasse in Bonn. Ein Sohn der Vermieter – Gottfried – war genauso alt wie Beethoven. Die beiden Jungs waren gut befreundet, bis Familie Beethoven nach einem Hochwasser 1784 umziehen musste. Schon einige Jahre später reiste Beethoven nach Wien, wo er bis zu seinem Tod lebte. Sein Bonner Kindheits-Freund Gottfried allerdings nahm das immer größer werdende Interesse für die Beethovens wahr und setzte sich in den 1830er Jahren mit seiner Schwester Cäcilia daran, die Erinnerungen an die befreundete Familie aufzuschreiben. Fischers Erzählungen wurden zu den bedeutendsten Zeugnissen über die Bonner Zeit der Familie Beethoven – so auch der Bericht über die Weihnachtstradition der damals keineswegs prominenten Beethovens.

Fröhliches Würste-Tauschen

An Weihnachten in der Küche stehen – man kennt es. Auch für die Beethovens spielte das Festessen eine nicht unwichtige Rolle. Johann und Maria Magdalena van Beethoven, die Eltern vom kleinen Ludwig und seinen beiden Brüdern, waren schon Tage vorher damit beschäftigt. Gottfried Fischer schwärmt von einer außerordentlichen Wurst-Produktion:

»Herr Johann van Beethoven ließ jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit ein schweres Schwein schlachten, aus dem der Hofbackmeister Asbach 240 leckere Würste, die er wirklich gut konnte, für die Madame van Beethoven machte. Dann schickte Madame van Beethoven ihrem Vermieter Fischer eine Probe dieser Würste, woraufhin natürlich Frau Fischer Madame van Beethoven auch eine Probe von ihren Würsten zukommen ließ.«

Der obligatorische Kirchenbesuch

Wie viele ungeduldige Kinder heute, musste auch der kleine Beethoven vor dem Weihnachtsfest zuhause erstmal in die Kirche – und zwar in die Schlosskirche des Bonner Kurfürsten. Denn sein Vater war festangestellter Musiker in der Bonner Hofkapelle, in der Beethoven später auch mal als Bratschist tätig war. Schon als Jugendlicher übernahm er einige Orgel-Dienste in der Schlosskirche. Das kurfürstliche Schloss mitsamt Kirche gehört heute übrigens zu den Gebäuden der Bonner Universität.

»In der Weihnachtszeit, wenn der Kurfürst in der Hofkapelle um Mitternacht als Erzbischof von 23 Uhr an eine Stunde lang die Heilige Messe las, mussten die Musiker und Hofsänger der kurfürstlichen Hofkapelle ihre ganze Kraft und ihr ganzes Können unter Beweis stellen. Dann erschien nämlich der ganze höfische Adelsstand mitsamt der gesamten Dienerschaft in ihrer Galatracht in der Schlosskapelle, wo die kurfürstliche Leibgarde auf beiden Seiten Spalier stand. Das ganze Regiment stand Spalier vom Koblenzer Tor bis zur Schlosskapelle. Nach dem ersten Evangelium und der halben Heiligen Messe und nach dem letzten Evangelium musste auf ein Winkzeichen dreimal Feuer gegeben werden und die Kanonen auf den umliegenden Wällen fielen mit ein.«

Beethoven im Alter von 13 Jahren
Beethoven im Alter von 13 Jahren © Wikimedia Commons
Kurfürstliches Schloss in Bonn
Kurfürstliches Schloss in Bonn © Thomas Wolf

Feiern bis zum Morgengrauen

Wenn die Messe in der Kirche erst um 23 Uhr begann, lässt sich leicht ausrechnen, wie spät Familie Beethoven nach Hause kam. So verlagerte sich ihr privates Weihnachtsfest in die Nacht.

»In dieser Jahreszeit war es oft sehr kalt. Wenn die Feier beendet war und Herr van Beethoven mit seiner Familie nach Hause kam, dann war der Hofbackmeister Asbach auch mit dabei. Dann wurden nach altem Brauch frische Würste gebraten und dazu warmer Punsch und Kaffee serviert. Daraufhin wurde gespeist und getrunken, auch den ankommenden Tag hindurch gefeiert und das Weihnachtsfest so beschlossen.«

Text: Julika von Werder, Stand: 07.12.2020

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