Video on Demand vom 28.3.2020
verfügbar bis 28.3.2025

Elphi at Home: Anna Vinnitskaya

Die Pianistin gibt ein Solo-Konzert vor den leeren Rängen des Großen Saales der Elbphilharmonie.

Die Reihe »Elphi at Home« entstand im Frühling 2020. Als die Säle fürs Publikum geschlossen wurden, lud die Elbphilharmonie Künstler ein, Live-Konzerte per Stream aus der Elbphilharmonie zu senden.

Die Künstlerin

»Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich eine Pianistin werden möchte. Vermutlich war es anfangs schon ein Wunsch meiner Eltern, doch nach fünf, sechs Jahren hat für mich das Klavier ebenso zum Leben gehört wie das Atmen oder das Essen.« Das hat sich für Anna Vinnitskaya bis heute nicht geändert. Und inzwischen gehört die 1983 am Schwarzen Meer geborene Pianistin zu den ganz großen Klavierstars unserer Zeit.

Auch mit den Herausforderungen einer solchen Berufung ist Anna Vinnitskaya gut vertraut: Mit 18 Jahren zog sie allein nach Hamburg, um Musik zu studieren. Inzwischen unterrichtet sie an der hiesigen Hochschule für Musik und Theater selbst Studenten aus der ganzen Welt. Nun gibt die Wahl-Hamburgerin im menschenleeren Großen Saal der Elbphilharmonie ein Sonderkonzert.

Programm

Johannes Brahms: Vier Balladen op. 10 (1854)

Nr. 1 d-moll: Andante – Allegro
Nr. 2 D-Dur: Andante – Allegro non troppo
Nr. 3 h-moll: Intermezzo: Allegro
Nr. 4 H-Dur: Andante con moto

Robert Schumann: Arabeske op. 18 (1839)

»Im Saal war eine ganz besondere Ruhe, die man hier normalerweise nie so erlebt, denn der Saal ist meist gefüllt mit Publikum und mit den Orchestermusikern, es ist immer Bewegung da.«

Anna Vinnitskaya

Anna Vinnitskaya
Anna Vinnitskaya
Anna Vinnitskaya
Anna Vinnitskaya
Anna Vinnitskaya

Zur Musik

Auf dem Programm ihres halbstündigen Solorezitals stehen zunächst die Vier Balladen op. 10 von Johannes Brahms. Der Komponist – selbst ein begnadeter Pianist – schrieb sie im Sommer 1854, mit nur 21 Jahren. Wie viele seiner frühen Werke sind sie von Gedichten und Vokalmusik inspiriert, ebenso aber von den dämonischen Erzählungen E. T. A. Hoffmanns. Und natürlich sind sie allesamt hochromantisch.

Eine innige Freundschaft verband Brahms mit Robert Schumann und dessen Frau Clara. Der 23 Jahre ältere Kollege schrieb seine zarte Arabeske 1839 in Wien, wo er sich »zum Lieblingskomponisten aller Wienerinnen emporschwingen« wollte und das Stück nach eigener Aussage entsprechend »zart und schwächlich« komponierte. Leider glückte das Vorhaben nicht, immerhin aber entstand in Wien eine ganze Reihe von Klavierstücken, die wie die Arabeske bis heute fest im Repertoire verankert sind.

Interview :mit Anna Vinnitskaya

Warum gerade jetzt Brahms-Balladen? Aus Liebe zu Hamburg?

Ich habe überlegt, was ich heute spielen könnte und da sind mir die vier Balladen von Brahms eingefallen. Besonders in der Ballade Nr. 4 hört man ganz viel von Hamburg – den Nieselregen, das Wasser, den grauen Himmel. Auch die erste Ballade ist ziemlich düster. Nach den Balladen habe ich noch eine Arabeske von Schumann gespielt, das Stück gibt mir immer so ein schönes, leichtes Gefühl.

 

Wie ist das für Sie, in diesem leeren Saal zu spielen? Stellen Sie sich vor, dass er voller Menschen ist, die Ihnen zuhören, oder fühlt es sich mehr wie eine Probe vor dem Konzert an?

Weder noch. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, hier im leeren Saal zu spielen. Ich denke viel daran, wie es den anderen Menschen geht. An Italien und Spanien, wo manche Leute im Moment vielleicht gar keine Musik gebrauchen können. Aber für einige bietet diese Zeit auch die Möglichkeit, zu sich zu kommen und Ruhe zu spüren. Diese Ruhe habe ich heute auch in diesem Saal gespürt – eine ganz besondere Ruhe, die man hier normalerweise nie so erlebt, denn der Saal ist meist gefüllt mit Publikum und mit den Orchestermusikern, es ist immer Bewegung da. Ich habe versucht, dem virtuellen Publikum etwas von diesem schönen Gefühl, das ich heute hier verspürt habe, zu vermitteln und bin sehr dankbar, dass ich hier sein darf unter so besonderen Umständen.

 

Vermissen Sie Ihre Schüler an der Hochschule? Halten Sie mit ihnen über Skype oder WhatsApp Kontakt und unterrichten von zu Haus?

Gerade haben wir noch Semesterferien und der Semesterbeginn wurde auf den 20. April verschoben. Ich hoffe sehr, dass meine Studenten alle bei bester Gesundheit sind und es Ende April dann weitergehen kann. Sonst müssen wir uns eben viel spontan ausdenken – Unterricht per Video könnte ich mir auch vorstellen.

 

Wie verbringen Sie Ihre Zeit in dieser Zwangspause vom Konzertieren und Unterrichten?

Um ehrlich zu sein, genieße ich diese besondere Zeit hier in Hamburg zu Hause mit den Kindern. Endlich kommen meine Hände zum Aufräumen, Aussortieren, Essen kochen und mit den Kindern Spiele spielen. Das habe ich nie gekannt davor und ich bin eigentlich sehr dankbar für diese Tage, die ich nur mit meiner Familie verbringen kann, ganz ohne Termine.

 

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