Dieser Artikel zeigt Auszüge aus dem Buch »Elbphilharmonie LIVE«. Autor Tom R. Schulz schreibt über die einzigartige Architektur und komplexe Technik des Hauses, über musikalische Gäste aus aller Welt, große Bühnenprojekte, spannende Festivals und die Aufgabe der Elbphilharmonie, ein Haus für alle zu sein. »Elbphilharmonie LIVE« lässt mit beeindruckenden Fotostrecken hinter die Kulissen und in den Maschinenraum des Konzerthauses blicken: Ein faszinierender Bildband, der diese Euphorie vor und auf der Bühne der Elbphilharmonie einfängt, als wäre man live dabei gewesen.
Elbphilharmonie Live
Voll gepackt mit Fakten, Anekdoten und bewegenden Konzerten – das Buch vereint Highlights aus 10 Jahren Elbphilharmonie und Blicke hinter die Kulissen des klingenden Wahrzeichens Hamburgs.
208 Seiten, über 200 Fotos, in Deutsch und Englisch erhältlich
€ 34,50
Blick ins Buch
Die äußere Hülle
Es stimmt schon: So, wie sie da steht, mit ihrer Schmalseite flussabwärts gerichtet, nach Westen, und gen Osten stetig, aber asymmetrisch an Volumen zulegend, wirkt die Elbphilharmonie wie ein etwas sonderbar konstruiertes Schiff. Schaut man auf ihr schräg ansteigendes, mit weißen, kreisförmigen Lochplatten bedecktes Dach, denkt man eher ans Meer. An eine gedrungene, schäumende Welle, kurz bevor sie sich bricht, wie eingefroren in der Zeit. Die Elbphilharmonie, ein wundersames Gebilde menschlicher Fantasie und Ingenieurskunst, steht mit ihren Füßen im Wasser, steigt von dort in einem Gewand aus Backstein und Glas in beachtliche Höhe und krönt sich mit einer flächendeckenden Anmutung von Gischt. Sie wirkt solide, schillernd, geometrisch klar und doch fluid.
Der Anblick dieses Gebäudes fasziniert die Menschen seit den ersten Entwürfen, die das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron im Frühsommer 2003 in Hamburg vorstellte. Die Bilder zeigten, wie spektakulär der Kaispeicher A, ein prominent auf der Westspitze der entstehenden HafenCity gelegenes Lagerhaus, seiner neuen Bestimmung als Konzerthaus zugeführt werden könnte. Nach neuneinhalb Jahren Bauzeit und allerlei Querelen wurde das ebenso puristische wie maximal markante Gebäude im Herbst 2016 tatsächlich fertig. Seitdem prägt es das Bild von Hamburg in der Welt.
Innenleben mit Wirkung
Mitten ins Herz der Sache darf der erste Blick schon gehen, wenn man sich dem Innenleben der Elbphilharmonie nähert. Schließlich ist der Große Saal der eigentliche Daseinsgrund des Gebäudes. Ist es zu hoch gegriffen, ihn ein Kunstwerk zu nennen? Seine Proportionen, die Gestaltung und die verwendeten Materialien machen den Raum jedenfalls unverwechselbar. Wer ihn das erste Mal betritt, spürt sofort: Hier ist alles bis ins Kleinste durchdacht. Dieser Raum atmet, er lässt die Menschen nahe heran an die Musik, er wirkt einladend und großartig, aber auf eine verblüffende, weil selbstbewusst bescheidene Art.
Im Maschinenraum
Faszination Technik: Das Wortpaar klingt ein bisschen abgedroschen, aber es beschreibt perfekt ein Gefühl, dem sich wohl kaum ein Mensch entziehen kann. Auf den folgenden Bildern lässt sich aus der Nähe und in Ruhe betrachten, wie manche der Geräte und Maschinen aussehen, die dafür sorgen, dass der Betrieb des Hauses sicher und störungsfrei funktioniert. Wie man sieht, gönnen sich die entsprechenden Apparate, Einrichtungen und Anlagen in der Elbphilharmonie ziemlich mondäne Auftritte.
Musikalische Horizonte
Die Fotos lassen uns teilhaben an dem, was den Alltag von Musikerinnen und Musikern bestimmt: spielen, sich auf der Bühne mit allen Sinnen dem hingeben, was ihr Leben ist, die Erleichterung nach dem Konzert genießen. Auch wie sie sich mit dem Raum vertraut machen, sich vorbereiten, innerlich und äußerlich, oder einfach nur warten, bis das Konzert beginnt. Beide Säle üben nachhaltige Wirkung auf die hier auftretenden Musikerinnen und Musiker aus. Die ungewöhnliche Nähe zum Publikum, das ihnen im Großen Saal rundum zusehen kann; Gestalt und Proportionen der Sale; der fantastische Klang, den sie im Zusammenspiel mit den Raumen selbst erzeugen; die besondere energetische Resonanz, die sich hier oft einstellt: All das bringt selbst Weltstars aus ihrer Routine.
Die Bilder zeigen auch, dass in diesem Haus keine Hierarchien unter den musikalischen Genres gelten. Ja, die klassische Musik bildet das Kernangebot der Elbphilharmonie. Aber nicht nur die des Westens und nicht nur die toter Komponisten. Musik aus allen Kulturen der Welt hat hier ein Zuhause, und die der Gegenwart wird mit besonderer Hingabe und Freude präsentiert.