Text: Hanno Grahl, Juni 2026
Viele der Musiker:innen, die heute auf den großen Bühnen der Welt stehen – auch in der Elbphilharmonie – haben ihre ersten prägenden Erfahrungen in Jugendorchestern gemacht. Was hier beginnt, ist oft der Auftakt zu internationalen Karrieren: Vom Orchestersitz ins Rampenlicht, vom Probenraum in die großen Konzertsäle.
Hochsaison haben diese Orchester im Sommer, wenn an Schulen und Unis Ferienzeit ist. Für die jungen Musiker:innen heißt es dann üben statt Urlaub, Bühne statt Badesee. Seit die Elbphilharmonie fertig ist, machen hier regelmäßig talentierte Nachwuchsklangkörper aus der ganzen Welt auf ihren Tourneen Halt.
Und auch im Sommer 2026 sind mit dem Gustav Mahler Jugendorchester (GMJO) und dem Bundesjugendorchester (BJO) zwei hochkarätige Orchester zu erleben. Darüber hinaus gastieren über die Saison zahlreiche Künstler:innen in Hamburg, deren Karrieren in Institutionen wie diesen ihren Ursprung haben – und die nun in Weltklasseorchestern und erstklassigen Kammerensembles zu Hause sind oder als Solist:in im Spotlight.
Nachwuchs in der Elbphilharmonie
Mit dem Gustav Mahler Jugendorchester und dem Bundesjugendorchester trumpfen gleich zwei Klangkörper mit jungen Talenten im »Elbphilharmonie Sommer« 2026 groß auf. auf dem Programm steht unter anderem Rachmaninows Drittes Klavierkonzert und Bruckner »Romantische« Sinfonie.
Gustav Mahler Jugendorchester :mit Renaud Capuçon und Manfred Honeck
Für viele junge Talente aus Deutschland beginnt die Reise in den Landesjugendorchestern der Bundesländer und geht weiter in übergeordneten Klangkörpern wie dem BJO oder dem GMJO mit Sitz in Wien. Beide gelten als Talentschmieden, in denen nicht nur technische Perfektion, sondern auch die künstlerische Haltung geformt wird.
Tatsächlich ist der Anspruch hoch: Jährlich bewerben sich rund 2500 Nachwuchsmusiker:innen beim GMJO, das 1986/87 von dem Dirigenten Claudio Abbado gegründet wurde, auf die etwas mehr als 100 Plätze. Was einst als Brücke zwischen Ost und West gedacht war – mit Musiker:innen aus Österreich, Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei sowie freien Probespielen in der Sowjetunion – ist heute eines der führenden internationalen Jugendorchester weltweit.
Das Besondere ist nicht nur der internationale Austausch: Unterstützt von Mentor:innen aus Spitzenorchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern entsteht in kürzester Zeit ein Klangkörper von außergewöhnlicher Qualität. Dirigenten wie Pierre Boulez, Kent Nagano oder Sir Colin Davis standen bereits am Pult, während Solist:innen wie Yo-Yo Ma oder Anne-Sophie Mutter gemeinsam mit den jungen Musiker:innen auftraten.
Mit solchen Stars auf der Bühne zu stehen, ist inspirierend und wird für einige Musiker:innen zum künstlerischen Wendepunkt. Der Geiger Renaud Capuçon etwa begann seine internationale Karriere als Konzertmeister des Gustav Mahler Jugendorchesters und tritt heutzutage als Solist mit Spitzenklangkörpern auf. Auch Dirigent Manfred Honecks Weg begann als Assistent von Abbado beim GMJO. Mittlerweile ist er Chefdirigent des Pittsburgh Symphony Orchestra – mit dem er die Jubiläumssaison 2026/27 der Elbphilharmonie eröffnet – und tritt auch regelmäßig mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester auf.
»Das Gustav Mahler Jugendorchester schreibt in seiner Orchester-biografie vollmundig, es gelte als weltweit führendes Jugend-orchester – und bei aller Skepsis gegenüber Superlativen, was soll man sagen: Das könnte zutreffen.«
Hamburger Abendblatt
Das BJO, gegründet 1969, hat schon Generationen von Profimusiker:innen hervorgebracht. Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren erhalten hier eine Ausbildung auf höchstem Niveau und lernen den Alltag von Berufsmusiker:innen kennen: Proben, Tourneen, Auftritte, aber auch das Miteinander im Orchester prägen fürs Leben. Seit 2013 besteht zudem eine enge Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern, die dem Orchester als Paten zur Seite stehen. Zunächst von festen Chefdirigenten geleitet, wurde das Konzept im Laufe der Zeit geändert, sodass jedes Jahr wechselnde Künstler:innen mit dem Orchester zusammenarbeiten. Herbert von Karajan stand schon am Pult, mit Kurt Masur ging es über den Großen Teich nach New York, Boston und Washington und Sir Simon Rattles Engagement für das BJO war so groß, dass er schließlich zum ersten und bisher einzigen Ehrendirigenten ernannt wurde.
»Ich liebe dieses Orchester. Ihr spielt wundervoll und ihr seid unsere Zukunft. Mit der Musik in euren Händen bin ich voller Hoffnung«
Sir Simon Rattle
Von dem riesigen Erfahrungsschatz der Profis profitieren die Youngsters enorm. Gestandene Musiker:innen wie Christian Tetzlaff oder Tabea Zimmermann zeigen, wohin dieser Weg führen kann. Tetzlaff gilt als einer der besten Violinisten überhaupt und ist gleich mehrmals in der Saison 2026/27 zu erleben: Einmal mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, dem NDR Elbphilharmonie Orchester und in einer Trio-Besetzung der Spitzenklasse mit exquisiter Kammermusik.
Jüngere Beispiele sind die Schlagzeugerin Vivi Vassileva oder das Leonkoro Quartett: Mit 13 Jahren wurde Vassileva als eines der jüngsten Mitglieder jemals ins BJO aufgenommen und startet seitdem so richtig durch. In der Elbphilharmonie trat sie bei der Reihe FAST LANE auf und gastierte darüber hinaus als Solistin mit mehreren Orchestern. In der Saison 2026/27 wirkt sie beim Eröffnungskonzert des Festivals »Elbphilharmonie Visions« mit.
Elbphilharmonie Talk mit Vivi Vassileva
Dass sich auch hervorragende Ensembles während ihrer Zeit beim BJO oder Studierendenorchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie bilden, zeigen das Ensemble Resonanz, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen – oder das Leonkoro Quartett. Die beiden Lübecker Brüder Jonathan und Lukas Schwarz gründeten nach ihrer Orchestererfahrung das preisgekrönte Streichquartett und touren seit einigen Jahren sehr erfolgreich durch die Welt. (Am 30. November 2026 spielen sie Werke von Beethoven, Schostakowitsch und Schubert.)
Ein ganz aktuelles Mitglied des BJO ist der Querflötist Fabian Egger, der seit 2024 dabei ist. Ein Jahr zuvor war er Teil des Amsterdamer Concertgebouw Orchestra Young. Im niederländischen Programm können sich alle zwei Jahre junge Menschen aus ganz Europa auf einen der begehrten Plätze im Orchester bewerben und durchlaufen ähnliche Förderprogramme, wie bei den anderen Orchestern. In der Reihe »Teatime Classics« gibt er im Februar 2027 gemeinsam mit dem Pianisten Simon Haje sein Debüt in der Laeiszhalle.
Nicht nur das Musizieren mit den großen Vorbildern bedeutet einen künstlerischen Sprung für die Miglieder. Auch die internationalen Tourneen, die das BJO unter anderem nach Japan, Südafrika, Indien und Venezuela geführt haben, überfluten die Jugendlichen mit neuen Eindrücken, wertvollen Begegnungen und unvergesslichen Erinnerungen.
Junge Orchester zu Gast in Hamburg
- Elbphilharmonie Großer Saal
New Generation Symphony Orchestra / Hugo Ticciati
Schleswig-Holstein Musik Festival
Ausverkauft - Elbphilharmonie Großer Saal
Schleswig-Holstein Festival Orchestra / Kian Soltani / Christoph Eschenbach
Schumann: Cellokonzert / Dvořák: Sinfonie Nr. 9 »Aus der Neuen Welt« – Schleswig-Holstein Musik Festival
Ausverkauft - Elbphilharmonie Großer Saal
Gustav Mahler Jugendorchester / Philippe Jordan
Bartók: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta / Bruckner: »Romantische« Sinfonie – Elbphilharmonie Sommer
- Elbphilharmonie Großer Saal
Bundesjugendorchester / Giorgi Gigashvili / Aurel Dawidiuk
Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 / Kancheli: Another Step … / Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung – Elbphilharmonie Sommer
- Elbphilharmonie Großer Saal
Gustav Mahler Jugendorchester / Kirill Petrenko
Hindemith / Mahler






