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Scharfe Ohren

ECM-Musiker über die gemeinsame Arbeit mit Manfred Eicher

Seit knapp 50 Jahren und mittlerweile über 1.500 Alben steht Manfred Eicher, der Gründer des Labels ECM, zusammen mit einigen der einflussreichsten Musikern seiner Zeit im Studio. Wenn Eicher also im Frühjahr 2020 sein eigenes Reflektor-Festival in der Elbphilharmonie kuratiert, würde es absolut den Rahmen sprengen, wenn er jeden seiner vielen musikalischen Weggefährten in die Elbphilharmonie laden würde.

Einige seiner langjährigen Partner finden sich aber sowieso immer wieder im Programm der wichtigsten Konzerthäuser der Welt – also natürlich auch in Elbphilharmonie und Laeiszhalle und sprechen dabei gerne über ihre Beziehung zu dem besonderen Produzenten aus München.

Manfred Eicher in der Elbphilharmonie
Manfred Eicher in der Elbphilharmonie © Daniel Dittus

Reflektor Manfred Eicher

In der »Reflektor«-Reihe erhalten ausgewählte Künstler symbolisch den Schlüssel zur Elbphilharmonie. Das heißt: Sie bestimmen das Programm. Vom 3. bis 6. Februar 2020 ist Manfred Eicher an der Reihe.

Zum Programm

Gidon Kremer

Mit einer legendären Aufnahme von Arvo Pärts Stück »Tabula Rasa« stellte Manfred Eicher 1984 das ECM-Schwesterlabel »ECM New Series« vor. Maßgeblich an der Produktion des Albums beteiligt: der damals 37-jährige lettische Geiger Gidon Kremer. Neben dem Titelstück spielte Kremer für das Album auch noch Arvo Pärts »Fratres« für Violine und Klavier ein. Als Klavierpartner stellte ihm Manfred Eicher den Jazz-Pianisten Keith Jarrett zur Seite – der hiermit eine seiner ersten renommierten klassischen Ausflüge unternommen hat, bevor er fünf Jahre später mit seiner Interpretation der Goldberg-Variationen einen Welterfolg feiern konnte.

Gidon Kremer im Großen Saal
Gidon Kremer im Großen Saal © Daniel Dittus

Es ist wunderbar mit ihm im Studio zu arbeiten. Er hört Dinge, die sogar meine Ohren nicht immer hören – und ich habe ziemlich scharfe Ohren.

Gidon Kremer

Die Zusammenarbeit der beiden Freunde Eicher und Kremer hält bis heute an – mittlerweile sind über 15 Alben von Kremer bei ECM herausgekommen. Neben Arvo Pärt widmete sich der Geiger vor allem Zeitgenossen aus Russland und Osteuropa, wie zum Beispiel der in der Nähe von Hamburg wohnenden Sofia Gubaidulina, dem Georgier Giya Kancheli und dem russischen Komponisten Victor Kissine.

Dabei forderte die Zusammenarbeit von beiden immer wieder die Bereitschaft, Risiken einzugehen. So veröffentlichte Eicher beispielsweise 2005 mit ECM New Series eine aufwändige Einspielung von Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo. Zudem nahm Gidon Kremer für ECM die einzige Platte mit seinem Klaviertrio auf, bestehend aus der jungen Georgierin Khatia Buniatishvili und der Cellistin Giedre Dirvanauskaite.

Carla Bley
Carla Bley © Peter Purgar

Carla Bley Trio

Obwohl die Jazz-Pianistin Carla Bley erst 2013 mit ihrem Trio-Album ihr offizielles Debüt für ECM gab, verbindet auch sie eine über 40-jährige Verbindung mit Manfred Eicher und seinem Label. Denn obwohl Carla Bley ihre Musik seit jeher auf ihrem eigenen Label WATT veröffentlichte, übernahm ECM seit den 70er Jahren den europäischen Vertrieb für ihre Platten. Und auch mit Manfred Eicher persönlich – der laut Bley bei seinen New York-Besuchen »immer auf ihrer Couch übernachten dürfe« – verbindet die Pianistin eine ebenso lange Freundschaft.

Ich würde die Dinge nie so machen wie er. Aber da ich glaube, dass sein Geschmack besser als meiner ist, habe ich getan, was er mir gesagt hat und ich bin wirklich glücklich damit.

Carla Bley

Diese Verbindung zwischen Bley und Eicher manifestiert sich auch in ihrer aktuellen Trio-Besetzung mit dem Bassisten Steve Swallow und dem Saxofonisten Andy Sheppard. Zwei Jazzer aus zwei Generationen, die auch unabhängig vom Carla Bley Trio schon gemeinsam mit Manfred Eicher Platten aufgenommen haben.

Andy Sheppard in der Laeiszhalle
Andy Sheppard in der Laeiszhalle © Claudia Höhne

Gemeinsam mit Manfred aufzunehmen ist definitiv eine Motivation für viele Musiker. Er bringt alle Beteiligten dazu, sich enorm zu fokussieren.

Andy Sheppard

Andy Sheppard nahm erst vor kurzem mit »Movements in Colour« und »Sourrounded by Sea« zwei Alben unter eigenem Namen mit Manfred Eicher auf. Arbeitsphasen die der Saxofonist als »sehr intensiv, aber unglaublich fruchtbar« beschreibt. Mit gerade einmal drei Tagen Arbeitszeit pro Album gehe es beim Aufnahmeprozess mit Eicher darum, »jeden einzelnen Moment einzufangen und enorm fokussiert zu sein«.

Der amerikanische Bassist Steve Swallow wurde bereits 1969 – sogar schon vor der offiziellen Labelgründung von ECM – per damals sehr teurer Auslandspost von Manfred Eicher gebeten, ein Album mit ihm aufzunehmen. »Home« wurde dann schließlich 10 Jahre später auf Platte gebannt. Seitdem ist Swallow auf zahlreichen ECM-Alben von u.a. Gary Burton oder Carly Bleys Ex-Mann Paul Bley ein oft gehörter Gast und auch bis heute ein Seelenverwandter des Münchner Musikproduzenten.

Text: Julian Conrad, Stand: 4.11.2019

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