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Reflektor Nils Frahm

Wundermann an Klavier und Knöpfen: Drei Tage lang bestimmte Nils Frahm das Programm der Elbphilharmonie.

Nils Frahm ist einer der interessantesten Klangerfinder unter den Klaviernerds, die die Popszene derzeit zu bieten hat. Elemente aus Ambient, Klassik und Minimal verzahnt er zu regelrechten Klang-Orgien. Immer im Zentrum dabei: das Klavier. Mit Filz präpariert, die Mikrofone extrem dicht an den Saiten, formt Frahm an den Tasten seinen eigenen, unverkennbaren Hifi-Sound. Und strebt dabei radikal nach Perfektion. Ein hochsensibler Klangkonstrukteur, der genaue Vorstellungen davon hat, wie etwas klingen soll.

Grund genug für die Elbphilharmonie, dem Soundspezialisten drei Tage lang freie Hand zu lassen: das gesamte Programm kuratieren im Großen und Kleinen Saal, den Kaistudios, Foyers und der Plaza.

Reflektor Nils Frahm

In der »Reflektor«-Reihe erhalten ausgewählte Künstler symbolisch den Schlüssel zur Elbphilharmonie. Das heißt: Sie bestimmen das Programm.

Zum Programm von Nils Frahm

Reflektor Nils Frahm

Auch für sein Reflektor-Wochenende in der Elbphilharmonie hatte Nils Frahm ganz genaue Pläne. Persönlich wollte er nur einmal auf der Bühne stehen, allein mit seinen Instrumenten. Für die übrige Zeit lud er Musikerinnen und Musiker ein, die er teils persönlich, teils nur vom Hören kannte, deren Musik er aber so interessant fand, dass er ihr die große Bühne ermöglichen wollte.

Ich wünsche mir, dass es auch für mich spannend und inspirierend wird. Und vielleicht entstehen ja auch ganz neue Verbindungen.

Nils Frahm

Ob sich dieser Wunsch erfüllte? Bei der Fülle des Programms eigentlich keine Frage.

Reflektor Nils Frahm

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Nils Frahm in der Elbphilharmonie (Teaser)

Der Headliner: Nils Frahm

Allein an elf Tasteninstrumenten, elektronischen Decks und unzähligen Knöpfen: Der Samstagabend gehörte Nils Frahm im Großen Saal. Zwischen durch Mark und Bein gehenden Techno-Abschnitten, bei denen es das Publikum kaum auf den Sitzen hielt, setzte der Klangkünstler immer wieder auf emotionale, vor Innigkeit fast überquellende Klassiker von seinen Alben »Felt« und »Screw«. Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus.

Mit seinem technischen Inventar schichtet Frahm verschiedene Rhythmen übereinander, spielt dazu virtuose Melodien und kreiert Klanggebirge oder flächige Sounds. Frahm arbeitet Musik: Er springt von Keyboard zu Keyboard, er dreht und drückt Knöpfe, bewegt sich im Rhythmus, stampft ihn manchmal mit dem Fuß wie ein Bluesmusiker. Am Ende dieses einzigartigen und umwerfenden Konzertes hüpft Nils Frahm unter tosendem Applaus von der Bühne. Die Magie seiner Musik wirkt lange nach.

Heinrich Oehmsen (Hamburger Abendblatt)

Nils Frahm

Nils Frahm: All Melody

Nils Frahm

Nils Frahm: All Melody

Nils Frahm

Nils Frahm: All Melody

Reflektor Nils Frahm

Nils Frahm

Nils Frahm

Nils Frahm: All Melody

Nils Frahm

Nils Frahm: All Melody

Nils Frahm

Nils Frahm: All Melody

Augen- und Ohrenöffner: die Gastkünstler

Statt drei Tage nonstop selbst auf der Bühne zu stehen, lud Nils Frahm nach guter Reflektor-Tradition Künstler verschiedenster musikalischer Herkunft ein – ein Wochenende, das zum Augen- und Ohrenöffnen avancierte.

Die Band Penguin Cafe versetzte den Großen Saal am Sonntagnachmittag mit genial-verschrobenen Songs, einem Instrumentarium von Geige bis Loop-Station und unbändiger Musizierlust in Wallung. Ihre Mission: das Erbe des Penguin Cafe Orchestra fortzusetzen, dem gefeierten Ensemble des verstorbenen Vaters des heutigen Bandleaders Arthur Jeffes. Die Freude daran war den Musikern an diesem Abend in jeder Sekunde anzusehen und -hören.

Reflektor Nils Frahm: Penguin Cafe

Penguin Cafe

Reflektor Nils Frahm: Penguin Cafe

Penguin Cafe

Reflektor Nils Frahm: Penguin Cafe

Penguin Cafe

Ebenfalls zu Gast war der Sänger, Komponist und Maler Devendra Banhart, dessen Auftritte so rar sind, dass sie an sich schon ein Ereignis sind. Gemeinsam mit dem Ensemble Stargaze brachte er nicht nur seine beliebtesten Songs, sondern auch neues, bislang unveröffentlichtes Material auf die Bühne – und verriet vorher noch, dass Nils Frahm ihm fast jeden Tag eine Nachricht schreibt.

Reflektor Nils Frahm: Devendra Banhart

Devendra Banhart

Devendra Banhart

Devendra Banhart

In Doppelkonzerten am Nachmittag stellten sich jeweils zwei Bands oder Solokünstler im Kleinen Saal vor. Den Anfang machten die wortkargen finnischen Brüder von The Gentleman Losers, die zu ihrer atmosphärischen Musik auf einer riesigen Leinwand verzerrte und bearbeitete Amateur-Videos aus vergangenen Jahrzehnten abspielen ließen. Martyn Heyne und Tatu Rönkkö demonstrierten mit so samtig fließenden wie unberechenbaren Klängen, dass man für gute Musik nicht viel mehr als ein Schlagzeug und eine Gitarre braucht.

The Gentleman Losers

The Gentleman Losers

Martyn Heyne beim Reflektor Nils Frahm

Martyn Heyne

Martyn Heyne beim Reflektor Nils Frahm

Martyn Heyne

Reflektor Nils Frahm: Schneider Kacirek

Schneider Kacirek

Reflektor Nils Frahm: Schneider Kacirek

Schneider Kacirek

Reflektor Nils Frahm: Szun Waves

Szun Waves

Hitziges, ungehemmtes Saxophonspiel ließ die Londonerin Nubya Garcia hören, die derzeit mit afrikanisch gefärbten Klängen die internationale Jazz-Szene aufmischt. Und der Stockholmer Bassist Björn Meyer zauberte Klänge aus seinem Instrument, die vermeintliche Grenzen zwischen Elektro und Akustik, Moderne und Tradition verschwimmen ließen.

Reflektor Nils Frahm: Nubya Garcia

Nubya Garcia

Reflektor Nils Frahm: Nubya Garcia

Nubya Garcia

Reflektor Nils Frahm: Nubya Garcia

Nubya Garcia

Reflektor Nils Frahm: Björn Meyer

Björn Meyer

Als umjubelter Act gab sich am Montag Erlend Øye die Ehre, der als Teil von Kings of Convenience und Whitest Boy Alive schon mehrere Millionen Platten verkaufte. Mit seiner sizilianischen Band La Comitiva und dem Ensemble Stargaze spielte der inzwischen auf Sizilien lebende Norweger nun seine wunderbar tanzbaren Herzwärmer-Arrangements – bis sämtliche 2100 Menschen im ausverkauften Großen Saal der Elbphilharmonie von den Sitzen aufsprangen. Und zum Abschluss stieß überraschend Nils Frahm hinzu und begleitete die Band zur letzten Zugabe am Klavier. Ein beglückender Abend!

Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Erlend Øye

Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Erlend Øye

Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Erlend Øye

Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Erlend Øye

Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Erlend Øye

Nils Frahm bei Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Nils Frahm bei Erlend Øye

Erlend Øye, Stargaze & La Comitiva (Reflektor Nils Frahm)

Erlend Øye

Fotos, Filme, Workshops: Das Rahmenprogramm

Wer nicht bloß zuhören, sondern mitmachen wollte, konnte sich in verschiedenen Workshops ausprobieren, mit denen einige der Reflektor-Künstler Einblicke in ihre musikalische Welt gaben. Schlagzeuger Sven Kacirek erforschte mit den Workshop-Teilnehmern Polyrhythmen, Produzent und Gitarrist Martyn Heyne sprach in »Die Architektur der Musik« darüber, warum manche Stücke schnell und andere langsam sein müssen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Und Arthur Jeffes, der kreative Kopf hinter dem Kollektiv Penguin Cafe, zerlegte seine eigene Musik in ihre Einzelteile.

Workshop: Sven Kacirek (Reflektor Nils Frahm)

»Polyrhythmus verstehen und umsetzen«

Workshop Sven Kacirek

Workshop: Sven Kacirek (Reflektor Nils Frahm)

»Polyrhythmus verstehen und umsetzen«

Workshop Sven Kacirek

Workshop Martyn Heyne: Die Architektur der Musik

»Die Architektur der Musik«

Workshop Martyn Heyne

»Die Architektur der Musik«: Workshop Marty Heyne (Reflektor Nils Frahm)

»Die Architektur der Musik«

Workshop Martyn Heyne

»Die Architektur der Musik«: Workshop Marty Heyne (Reflektor Nils Frahm)

»Die Architektur der Musik«

Workshop Martyn Heyne

Eine Fotoausstellung in den Gängen vor den Kaistudios machte das Publikum mit der Arbeit von Nils Frahms Vater bekannt. Klaus Frahm fotografiert seit fast vierzig Jahren und lieferte dem bekannten Jazz-Label ECM schon etliche Plattencover. Für die während des Reflektors ausgestellte Serie fotografierte er von den Bühnen berühmter Theater in den Zuschauerraum hinein – ein kluger Dreh, um die viel beschworene »vierte Wand« zu durchbrechen.

Vlaamse Opera Gent
Vlaamse Opera Gent © Klaus Frahm

An allen drei Festivaltage gab es außerdem ein erlesenes Filmprogramm zu erleben. Die Verbindung zu Frahm: Für jeden der Streifen entwarf er den Soundtrack. Gezeigt wurden sie in der exklusiven Astor Film Lounge unweit der Elbphilharmonie und in dem mit einer kleinen Barkasse zu erreichenden Auswanderermuseum BallinStadt.

Gefeiert wurden ebenfalls ausgiebig und gleich zweimal: After-Show-Partys gab es sowohl samstags als auch sonntags mit verschiedenen DJ-Sets auf der MS Stubnitz, bei der am Sonntagabend sogar Nils Frahm der Bühne einen kurzen Überraschungsbesuch abstattete.

Text: Renske Steen, 14.06.2019

Reflektor Nils Frahm: Aftershow MS Stubnitz

Aftershow MS Stubnitz

Reflektor Nils Frahm: Aftershow MS Stubnitz

Aftershow MS Stubnitz

Reflektor Nils Frahm: Aftershow MS Stubnitz

Aftershow MS Stubnitz

Reflektor Nils Frahm in der Elbphilharmonie

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