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Kurioses aus 110 Jahren Laeiszhalle

Anlässlich des Geburtstages haben wir zehn der schönsten Geschichten rund um das altehrwürdige Konzerthaus zusammengetragen.

1. Honig auf dem Dach

Majestätisch wirken und großartig klingen – das kann der neobarocke Bau der Laeiszhalle auf jeden Fall. Doch seit 2013 ist die Laeiszhalle auch das erste Konzerthaus, das Honig produziert: Die beiden Hobby-Imker Andreas Sterr und Gunnar Weidt kümmern sich um ca. 120.000 Bienen auf dem Dach der Laeiszhalle. Die Lage ist für die Bienen perfekt – nur 500m weiter liegt der Stadtpark Planten un Blomen mit zahlreichen Möglichkeiten der Futterbeschaffung.

Andreas Sterr (r.) und Gunnar Weidt mit ihren Bienenstöcken
Andreas Sterr (r.) und Gunnar Weidt mit ihren Bienenstöcken © dpa

2. Der Kleine Saal als Tonstudio

Der Kleine Saal der Laeiszhalle gilt in Hamburg als Paradebeispiel für die Architektur der 1950er Jahre. Doch wie sah der Saal ursprünglich aus? Das Foto verdeutlicht es: ganz ähnlich wie der große Saal! Das Tonnengewölbe des Kleinen Saals wurde im zweiten Weltkrieg allerdings weitestgehend zerstört. Anstatt es zu rekonstruieren, entschlossen sich die Briten zu einem zweckmäßigen Umbau: Für die Nutzung als Rundfunk-Sendesaal musste die Akustik deutlich verbessert werden. Man setzte auf einen Innenausbau nach den neuesten akustischen Standards – ganz im ästhetischen Stil der damaligen Zeit.

Der Kleine Saal im Originalzustand
Der Kleine Saal im Originalzustand
Nach dem Umbau in den 50er Jahren
Nach dem Umbau in den 50er Jahren © Thies Rätzke

3. Zufluchtsort im zweiten Weltkrieg

1908 gebaut, hat die Laeiszhalle in ihrer bewegten Geschichte auch zwei Kriege miterlebt. Den umliegenden Bewohnern diente sie im Zweiten Weltkrieg vor allem als Luftschutzbunker. Um vor Granateinschlägen geschützt zu sein, wurden die Garderobenfoyers zusätzlich mit schweren Sandsäcken gesichert. Dafür musste die Traglast des Bodens erhöht werden: Dicke Stahltüren und Stützpfeiler im Keller zeugen noch heute von dieser Zeit. Die Stützpfeiler werden aktuell im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen entfernt, um den Ursprungzustand des Hauses wiederherzustellen.

4. Glänzender Po

Die große Brahms-Statue gibt dem Brahms-Foyer seinen Namen. Doch damit nicht genug: Auf einem runden Podest stehend, war die Statue früher drehbar. Diese Funktion ist inzwischen aus Sicherheitsgründen deaktiviert. Ein pikantes Detail: Die Statue ist eigentlich aus mattem Marmor. Nur eine Stelle glänzt verdächtig: Der Po einer der Musen, die Brahms umtanzen.

Drehbarer Sockel und viel beachteter Po der Muse
Drehbarer Sockel und viel beachteter Po der Muse

5. Tageslicht im Großen Saal

Tageslicht im Großen Saal – ziemlich cool, nicht wahr? Naja, ein bisschen geschummelt wurde doch: Tatsächlich ist über der gläsernen Kaskadendecke noch ein Raum, der seinerseits über große Dachfenster verfügt. Man kann also tatsächlich Tageslicht im Saal haben, aus Temperaturgründen sind die Dachfenster aber meist zugezogen. Das vermeintliche Tageslicht wird durch Neonröhren erzeugt, die auf Tageslichtfarbe eingestellt sind. Damit kann man es sogar künstlich dämmern lassen – egal, wann es draußen dämmert. Also doch ziemlich cool!

Tageslichtdecke im Großen Saal
Tageslichtdecke im Großen Saal © dpa

6. Laeiszhalle On Air

Von 1945-1953 fiel die Laeiszhalle in die Obhut der britischen Besatzungsmacht. Anstatt den Konzertbetrieb wiederaufzunehmen, entschloss man sich zu einer Fremdnutzung – das Konzerthaus wurde Heimat des Armeerundfunks British Forces Network (BFN). Die Redaktion des Senders befand sich damals in den Garderoben im ersten Rang, das Musikarchiv mit über 60.000 Schellackplatten war im Brahms-Foyer beherbergt. Als Sendesaal für Orchester- und Bigband-Aufnahmen diente der Kleine Saal. Damals als »Studio B« bezeichnet, trägt er auch heute noch intern den Titel »B-Saal«.

On Air

Chris Howlands Anfänge in der Laeiszhalle

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7. Meat Loaf und seine Harley

Meat Loafs Album »Bat Out of Hell« zählt mit 43 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten der Rockgeschichte. Rockstar-like war auch Meat Loafs Auftritt 1979 in der Laeiszhalle: Mit einer vollgetankten Harley Davidson ist der texanische Sänger vom Backstage Bereich erst auf die Bühne und anschließend über eine Rampe bis in den ersten Rang gebrettert. In Zeiten strenger Sicherheits- und Brandschutzauflagen wäre diese Aktion heute undenkbar!

8. Vladimir Horowitz‘ letztes Konzert

Vladimir Horowitz gilt als einer der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts. Am 21. Juni 1987 gab der weltberühmte Musiker im stolzen Alter von 83 Jahren sein letztes Konzert in Hamburg. Natürlich in der Laeiszhalle, dem Ort, an dem er sechzig Jahre zuvor den Grundstein für seine internationale Karriere legte. Wie es sich für einen Star seiner Qualität gebührt, waren 1987 auch die Wünsche an das Konzerthaus exquisit: So sollte in der Pause ein gemachtes Bett für ihn bereitstehen, ebenso wünschte er keine Stufen auf dem Weg zur Bühne. Seine Vorgaben waren dem damaligen Betriebsleiter Burkhard Lübke Befehl. Dennoch kam alles ganz anders, als geplant …

Vladimir Horowitz

Exquisite Wünsche

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9. Lautestes Konzert

Obwohl es in den 1970er mit der CCH und der Alsterdorfer Sporthalle bereits größere Spielorte gab, war die Laeiszhalle – damals hieß sie noch Musikhalle – bei vielen Bands beliebt. 1976 nun war es endlich soweit: AC/DC, damals lauteste Rockband der Welt und Schreck jeder Schwiegermutter, rockten die Bühne im Großen Saal. Inklusive Marshall-Verstärker vor der stuckverzierten Orgel – yeah!

AC/DC 1976 in der Laeiszhalle
AC/DC 1976 in der Laeiszhalle

10. Hörend sehen

Hörplätze – so etwas gibt es? Und ob! In der Laeiszhalle ganz oben im zweiten Rang hinter den Säulen. Einen Blick auf die Bühne erhascht man von dort nicht, hören was darauf passiert, kann man allerdings umso besser. Die Idee der Hörplätze steht im krassen Kontrast zur modernen Konzerthausarchitektur der Elbphilharmonie, wo man auf jedem Platz gleich gut hören und sehen kann. Schade eigentlich, denn warum mal nicht nur auf das Wesentliche konzentrieren – die Musik!

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