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Kultur ist, wenn man einander hilft

»Elbphilharmonie Hilfsfonds« unterstützt freiberufliche Bühnenkünstler in Not

Die Corona-Konzertpause hat freiberufliche Bühnenkünstler in besondere Not gebracht. Der vor sechs Wochen gegründete »Elbphilharmonie Hilfsfonds« konnte vielen von ihnen über die ärgsten finanziellen Engpässe hinweghelfen. Nun sind die Mittel nahezu aufgebraucht. Weitere Spenden könnten die Hilfsaktion verlängern.

Ob im Konzertsaal, in der Arena oder im Club: Musik ist immer ein Gemeinschaftserlebnis. Sie entsteht erst im Zusammenspiel zwischen den Akteuren auf der Bühne und dem Publikum. Die Elbphilharmonie Hamburg hat jetzt während der Corona-Pandemie aus dieser Gemeinschaft zwischen Musikern und Zuhörern so etwas wie eine Solidargemeinschaft gemacht. Über den von ihr gemeinsam mit dem NDR und der Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette ins Leben gerufenen »Elbphilharmonie Hilfsfonds« erweisen Zuhörerinnen und Zuhörer seit Wochen tatkräftig ihre Solidarität gegenüber denjenigen Musikerinnen und Musikern, die am stärksten unter den Folgen der Einschränkungen des öffentlichen Kulturlebens zu leiden haben: den Freischaffenden unter ihnen. Mittlerweile hat das Volumen der Anträge an den Elbphilharmonie Hilfsfonds die Millionengrenze überschritten, Einmalbeträge von bis zu 2.500 Euro konnten bereits an über 750 akut Betroffene ausgezahlt werden.

Nach dem Lockdown zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus Mitte März war das Konzertleben bekanntlich komplett zum Erliegen gekommen. Die Einnahmen der Freiberufler in der Musikwelt sanken im Sturzflug auf null. Lang verabredete Engagements bei Veranstaltern und Konzerthäusern wurden von jetzt auf gleich und auf Wochen hinaus gekündigt. Rechtlich war die Lage klar: Wo höhere Gewalt im Spiel ist, trägt jeder Vertragspartner seine Kosten selbst. Anspruch auf ein Ausfallhonorar besteht in diesem Fall für die Künstler nicht. Rasch liefen staatliche Hilfsprogramme für Soloselbstständige und Freiberufler an, doch die nützen vorrangig jenen, die monatlich nennenswerte Betriebskosten haben. Freischaffende Bühnenkünstler zählen in der Regel nicht dazu. Ihnen brach durch Corona mal eben komplett der Lebensunterhalt weg.

Umso willkommener war für einen Teil der am ärgsten Betroffenen, was sich Anfang April als unverhoffte weitere und ganz unbürokratische Unterstützung für sie ankündigte: der Elbphilharmonie Hilfsfonds. Ein Topf mit Geld, das sich zuerst dem Verzicht vieler Menschen auf die Erstattung bereits bezahlter Tickets in Elbphilharmonie und Laeiszhalle verdankt. Zusätzlich zu den überlassenen Eintrittsgeldern für abgesagte Konzerte zahlten großzügige Spender erhebliche Beträge in den Fonds ein und tun dies weiterhin. Zuletzt verbuchte der Hilfsfonds einen bedeutenden fünfstelligen Betrag vom Freundeskreis Elbphilharmonie + Laeiszhalle e.V.

Der Verwendungszweck der Gelder ist klar definiert: Auf Antrag zahlt der Fonds einmalig und maximal 2.500 Euro pro Person aus, und zwar ausschließlich an jene freiberuflichen Bühnenkünstlerinnen und Bühnenkünstler, die im Zeitraum des Lockdowns ein Konzert oder einen Auftritt in Elbphilharmonie und/oder Laeiszhalle absolviert hätten. Dabei ist nicht entscheidend, welcher Veranstalter das Konzert in den Häusern durchgeführt hätte. Bislang gingen über 900 Anträge mit einem Volumen von über 1 Million Euro ein. Jeder Einzelfall wird von einem Team geprüft und mit einer Empfehlung versehen. Die Entscheidung über die Vergabe obliegt einem Steuerungskomitee, dem die leitenden Vertreter der drei Initiatoren des Fonds angehören. Nahezu 650.000 Euro wurden bereits ausgezahlt, weitere über 50.000 Euro stehen kurz vor der Bewilligung.

Die Empfängerinnen und Empfänger der Gelder wohnen in Dublin oder in Pinneberg, in Rom oder Michendorf, Brooklyn oder Norderstedt, Kabul oder Röthenberg an der Pegnitz, in Montreal oder in Connewitz. Denn anders als bei den staatlichen Hilfen hängt die Vergabe weder am Wohnsitz noch an der Nationalität der von Konzertabsagen betroffenen Künstlerinnen und Künstler. Die Pandemie lässt sich ja gerade nicht durch Grenzen aufhalten, ebenso wenig, wie es vorher das überaus lebendige, von Internationalität geprägte Konzertleben in Elbphilharmonie und Laeiszhalle tat. Einziges Kriterium für die Vergabe ist ein wegen Corona geplatztes Engagement im Schließzeitraum in einem der beiden Häuser.

Joachim Höchbauer
Joachim Höchbauer © Joachim Höchbauer 2020

Joachim Höchbauer ist Sänger, er stammt aus Regensburg und lebt seit Studienzeiten in Köln. Im April hätte der Bass aus dem Balthasar-Neumann-Chor bei einer Aufführung von Liszts »Via Crucis« unter Thomas Hengelbrock in der Elbphilharmonie singen sollen. Wie allen Mitgliedern des Chors zahlte ihm der Elbphilharmonie Hilfsfonds den Ausfall der Gage: »Das war toll«, sagt Höchbauer. »Und absolut unerwartet. Das Geld hat mir die Miete für einen ganzen Monat gerettet!«

Ulrike Payer
Ulrike Payer © Matthias Brommann

Bei Ulrike Payer, Pianistin aus Wilhelmshaven, fiel gleich eine ganze Serie von Probespiel-Begleitungen und Aufführungen beim NDR ins Wasser. Auch sie beklagt das Dilemma der staatlichen Hilfen: »Die Soforthilfe des Landes Niedersachsen diente zuerst zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen, wurde dann aber auch nur zur Kompensation von Betriebsausgaben gewährt und muss ansonsten zurückgezahlt werden«, sagt sie. Abgesehen vom Notenkauf und den Kosten für den Klavierstimmer fallen Betriebskosten auch bei ihr kaum ins Gewicht. Dank der Unterstützung durch den Elbphilharmonie Hilfsfonds kommt sie nun die kommenden Wochen deutlich besser über die Runden, als sie es zu hoffen gewagt hätte: »Das war wirklich sensationell, eine Riesenhilfe!«.

Daniel Müller-Schott
Daniel Müller-Schott © Uwe Arens

Der Weltklasse-Cellist Daniel Müller-Schott hätte im März/April zweimal in der Elbphilharmonie gastieren sollen: Als Kammermusiker mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter, drei Wochen später als Solist mit der Tschechischen Philharmonie. Auch er bekam eine Kompensation für entgangenes Honorar durch den Hilfsfonds: »In Zeiten kultureller und gesellschaftlicher Unsicherheit und dem drastischen Ausfall aller Konzerte und Kulturprojekte sind Hilfen für Musiker absolut essentiell«, sagt er. »Ich bin sehr dankbar und finde es großartig, in welch unbürokratischer Weise mir der Elbphilharmonie Hilfsfonds sofort Unterstützung gewährt hat. So leben und erleben wir weiter Kultur.«

Stefan Dünser
Stefan Dünser

»PAR!S! PAR!S!« lautet der Titel eines Konzerts für Kinder ab 6 Jahren, das das österreichische Quartett »Die Schurken« im April viele Male im Kleinen Saal der Elbphilharmonie hätte aufführen sollen. Kein einziges dieser Konzerte kam zustande. Die Musiker des Ensembles wandten sich an den Elbphilharmonie Hilfsfonds, mit Erfolg. Trompeter Stefan Dünser schickte hinterher eine besonders nette Mail: »Auch im Namen meiner Kollegen von den Schurken möchte ich mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen und Ihrem Team für diese Überweisung eines großen Teils unserer Gagen bedanken!! Ich konnte das kaum glauben, diese enorme Wertschätzung und Unterstützung, wirklich. Die Elphi ist nicht nur ein edles Haus, sondern das Team hat auch eine edle Gesinnung. Darf ich das so salopp sagen?« Und Dünser kündigt an, gewissermaßen von der anderen Seite der neuen Solidargemeinschaft zwischen Musikern und Publikum: »Wir werden diesen Dank mit ganz tollen Projekten zurückgeben, versprochen!«

Die Mittel des Fonds sind mittlerweile nahezu aufgebraucht. Er muss deshalb Ende Mai geschlossen werden, sofern nicht weitere Spenden die Erfüllung weiterer Anträge ermöglichen. Noch besteht die Gelegenheit, durch Unterstützung des Elbphilharmonie Hilfsfonds freiberuflichen Musikern schnell und unbürokratisch ihre Existenz sichern zu helfen. Jede Hilfe in Form einer Spende auf das folgende Konto ist willkommen.

 

HamburgMusik gGmbH

IBAN: DE09 2105 0000 1000 1082 04

Hamburg Commercial Bank

Verwendungszweck: Spende Hilfsfonds

 

Sämtliche Spenden an den Elbphilharmonie Hilfsfonds können steuerlich geltend gemacht werden. Für Zuwendungen bis 200€ genügt als Nachweis der Überweisungsbeleg oder ein Kontoauszug, für Beträge über 200€ erhalten Spender automatisch eine Zuwendungsbestätigung.

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