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Kaukasus – Berg der Sprachen

40 Sprachen, hunderte Dialekte – die Sprachen im Kaukasus zählen zu den vielfältigsten und kompliziertesten der Welt.

Hier begegnen sich Orient und Okzident, Islam und Christentum, Asien und Europa: Als riesiges Gebirge erstreckt sich der Kaukasus über 1.100 Kilometer vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer, von Russland über Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Obwohl flächenmäßig nur wenig größer als Deutschland, ist er so reich an Völkern, Sprachen und Kulturen wie nur wenige Regionen der Erde.

Spätestens, seit man im georgischen Dmanissi die frühesten Fossilien menschlicher Vorfahren außerhalb Afrikas entdeckte, gilt der Kaukasus als Wiege der Menschheit. Viele Mythen und Legenden ranken sich um die Gebirgsregion: Hier soll einst Noah mit seiner Arche gestrandet und Prometheus an einen Felsen geschmiedet worden sein.

Vier Länder, 50 Völker, 40 Sprachen

Aus nur vier Ländern stammt die Bevölkerung des Kaukasus offiziell, verteilt sich tatsächlich aber auf 50 Völker, die fast alle verschiedene Sprachen sprechen.

So kommen auf insgesamt 30 Millionen Einwohner 40 Sprachen aus drei Sprachfamilien: dem Indogermanischen, Türkischen und Semitischen.

Babylonische Ausmaße erreicht der Sprachentumult in der russischen Republik Dagestan im Nordkaukasus: Auf einem Gebiet so groß wie Niedersachsen gibt es fast 30 Sprachen mit 80 Dialekten.

Ausschnitt der Sprachen im Kaukasus

Hohe Gipfel, isolierte Täler

Die Vielzahl an Völkern und Sprachen im Kaukasus entwickelte sich über Jahrtausende aus vor allem zwei Gründen: Auf der Schwelle zwischen Europa und Asien trafen in der Region schon immer Menschen unterschiedlichster Herkunft aufeinander.

Das Kaukasus-Gebirge ist außerdem stark zerklüftet, bis zu 5.000 Meter hohe Gipfel trennen den Lebensraum in viele kleine, oft schwer erreichbare Täler. Dort haben sich Bevölkerungsgruppen nahezu isoliert voneinander entwickelt. So können sich Bewohner benachbarter Bergdörfer teilweise nicht annähernd verstehen.

Doch die kaukasischen Sprachen sind nicht nur zahlreich und verschieden, manche von ihnen sind auch unheimlich komplex. »Tsez« beispielsweise wird von etwa 15.000 Menschen in Dagestan gesprochen und gehört mit 64 Fällen – im Deutschen sind es bekanntermaßen vier – zu den kompliziertesten Sprachen, die die Menschheit je hervorgebracht hat.

25 mal 20 mal 20 und 16 mal 20 und 1

So manche Herausforderung birgt auch das Batsische, das innerhalb eines einzigen Schäferstammes die jahrhundertelange Herrschaft der Perser, Osmanen, Zaren und Sowjets überdauerte. Ein Beispiel: Die Zahl 10.321 heißt dort wörtlich übersetzt: »25 mal 20 mal 20 und 16 mal 20 und 1«.

Fast alle Sprachen des Kaukasus verfügen darüber hinaus über eine Fülle von Konsonanten. So hat der abchasische Dialekt »Bzyb« 69 Konsonanten, das Ubychische sogar über 80. Für Ungeübte sind die häufigen Kombinationen von Kehl-, Schnalz- und Zischlauten kaum artikulierbar.

So klingt: Abchasisch

Titelbild: Gergetier Dreifaltigkeitskirche © Alexander Ishchenko/123rf.com

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